Meine natürliche Intelligenz sagt mir, die künstliche Intelligenz ist dazu da, die natürliche Intelligenz zu unterwandern, überflüssig zu machen und zu vernichten. Seit es ihn gibt, arbeitet der Mensch mit Hochdruck daran, den Menschen zu ersetzen und abzuschaffen: Angefangen hat er damit, Werkzeuge (& Waffen) zu bauen, dann Maschinen, die besser, effizienter und schneller arbeiten als er selbst, dann Computer und digitale Welten, nun als Höhe- und gleichzeitig Tiefpunkt die KI (engl. AI)! Alles, um das Leben des Menschen leichter zu machen – bis es schließlich überhaupt kein Gewicht mehr hat . . .
Große Portion Selbstkritik
Dahinter steckt eine große Portion Selbstkritik: Der Mensch weiß wohl ganz genau, wie unvollkommen, fehleranfällig, irrtumsverhaftet, mangelhaft, ungeschickt, schwach, vergesslich, alles in allem: nicht genügend er ist … Eine Handwerkskunst nach der anderen hat er verkommen, eine Kulturtechnik nach der anderen brach liegen, einen Wissensschatz nach dem anderen verrotten und verwesen lassen, zugrunde gehen möchte er gerne ferngesteuert. Der Mensch meint ganz offensichtlich, es wäre nicht schade um ihn … der Mensch ist durchgefallen! Er ist zu nichts mehr nütze! Der Mensch ist so nutzlos wie ein Künstler! „Der Künstler ist der Schöpfer schöner Dinge“, hat Oscar Wilde im „Dorian Gray“ geschrieben (das weiß die KI natürlich auch), „alle Kunst ist völlig nutzlos.“ So war es nur eine Frage der Zeit, bis man die Frage stellt: Wer schreibt morgen unsere Bücher? – Na, die KI natürlich! (Fehlerlose, brillante, unterhaltsame, superverkäufliche, perfekte Bücher …) Die nächste Frage aber lautet: Wer wird die perfekten Bücher morgen lesen? Mein Vorschlag: Die KI! (Who else?) Uns Menschen geht das alles nichts mehr an …
Das Reizvolle
Das Reizvolle an den Büchern von gestern – wenn ich sie so nennen darf – ist aber gerade das Unvollkommene, Menschliche und allzu Menschliche, das Eigentümliche und Eigenwillige des Mangelwesens Mensch, in dessen Defiziten und Irrtümern da und dort ein göttlicher Funke zündete und etwas Geniales heraussprang. Trial & Error, Write & Win! Apropos: Die KI weiß die richtigen Antworten. Aber kennt sie auch die richtigen Fragen? Mich hat (als Autor und im Schreibprozess) mein Leben lang z. B. die prinzipielle Frage beschäftigt, ob Gott einen Stein erschaffen kann, der so schwer ist, dass er ihn selbst nicht heben kann. Alsdann, KI, ich bin gespannt …