Andere machen aus Supermarkt-Eiern ein Frühstück, Jenny Irrasch aus Brückl machte kurzerhand ein Haustier daraus. „Piepsis“ Geschichte klingt für viele unglaublich: Denn das Küken ist tatsächlich aus einem Spar-Premium-Ei geschlüpft, wie die „Kronenzeitung“ zuerst berichtete. „Ich habe auf Youtube solche Videos gesehen und wollte das ausprobieren“, erzählt die 35-jährige Görtschitztalerin. Beim Supermarkt in Brückl kaufte sie Anfang März deshalb einen Karton mit sechs Eiern. Sechs weitere Eier bekam sie von einer Freundin, die sich, nachdem ein Fuchs oder Marder deren 15 Hühner getötet hatte, neue Tiere besorgt hatte.
Im Internet bestellte sich Irrasch einen kleinen Brutautomat. Das Experiment mit zwölf Eiern konnte starten. „Die Spar-Premium-Eier habe ich mit einem ,P‘ gekennzeichnet.“ Nach 21 Tagen war es dann am 23. März um 4 Uhr früh soweit: „Piepsi“ schlüpfte tatsächlich aus einem der Supermarkt-Eier. Verwechslung ausgeschlossen! Bei den anderen Eiern blieb der Erfolg aus.
Großer Auslauf im Garten
Seither hält „Piepsi“ seine „Mama“ auf Trab. Ob das Küken ein Männlein oder ein Weiblein ist, konnte noch nicht eindeutig geklärt werden. Irrasch: „Ich glaube, es ist ein kleiner Hahn.“ Gerade zu Beginn war der gefiederte Nachwuchs sehr kuschelbedürftig. Die 35-Jährige entschied sich daher, zwei weitere Küken zu besorgen. Gemeinsam können sie jetzt bei der Kärntnerin aufwachsen. Nächste Woche bekommen „Piepsi“ und seine Freunde einen großen Auslauf im Garten. „Vielleicht hole ich mir später noch ein, zwei weitere Hühner dazu.“
Die tierliebe Kärntnerin, die auch noch vier Hunde und drei Katzen hat, betont, dass die Hühner bei ihr definitiv nicht im Kochtopf landen: „Sie können bei mir alt werden. Und ,Piepsi‘ gebe ich so oder so nicht mehr her.“
„Lotto-6er“
Für Stefan Wakonig-Felbinger, Geschäftsführer des Eierrings Herzogstuhl, klingt „Piepsis“ Geschichte unglaublich: „Das gleicht ja fast einem Lotto-6er.“ Er ist sich sicher, dass 90 bis 95 Prozent der Betriebe in Österreich, die im großen Stil Eier produzieren und an Supermärkte liefern, keine Hähne in der Herde haben. 35 Betriebe gehören in Kärnten dem „Eierring Herogstuhl“ an. Bevor die Eier in den Regalen landen, werden diese einer genauen Qualitätskontrolle unterzogen und durchleuchtet. So könnte man auch feststellen, ob ein Ei befruchtet ist. Wakonig-Felbinger: „Bei uns kann ich das so gut wie ausschließen.“
Für Alexander Obereder vom gleichnamigen Biobetrieb in Gnesau klingt die Geschichte hingegen gar nicht so unglaublich: „Ja, das hört man immer wieder mal.“ In seinem Betrieb werden Hähne jedoch von den Hühner getrennt: „Bei 3000 ,Damen‘ kann es aber schon einmal sein, dass ein Hahn ,dazu rutscht‘.“ Sollte es ein befruchtetes Ei, wie das bei „Piepsi“ offenbar der Fall war, in den Handel schaffen, mache das für den Verzehr keinen Unterschied, so der Experte. Denn das Küken entsteht erst durch das Brüten.