Da kann man ohne Übertreibung von einer kleinen Sensation sprechen: Anastasia Potapova hat in Madrid erstmals den Einzug in ein Halbfinale eines WTA-1000-Turniers geschafft. Die Österreicherin, die nach einer Niederlage gegen Sinja Kraus in der Qualifikation nur als Lucky Loser in den Hauptbewerb gekommen war, besiegte im Viertelfinale Karolina Pliskova 6:1, 6:7, 6:3. Am Montag hatte Potapova sensationell die Weltranglisten-Zweite und Australian-Open-Siegerin Jelena Rybakina mit 7:6, 6:4 aus dem Turnier geworfen. Die 25-Jährige hat damit auch ein Stück rot-weiß-rote Tennis-Geschichte geschrieben: Seit Einführung des 1000er-Levels 2009 hatte es keine Österreicherin in die Vorschlussrunde geschafft.

Mit dem Halbfinaleinzug hat Österreichs Nummer 1 nun 390 WTA-Zähler und brutto 297.550 Euro sicher. Im WTA-Live-Ranking kletterte Potapova auf Platz 38, sie war in der Vergangenheit schon einmal WTA-Nummer 21 gewesen. Und in der Wertung von diesem Kalenderjahr, also dem Race, ist sie gar schon auf Platz 16 vorgeprescht.

Gegen Pliskova, 2017 sogar die Nummer eins der Welt, spielte Potapova vor allem im ersten Satz wie aus einem Guss, führte schnell mit 5:0 und servierte wenig später den Satz souverän aus. Im zweiten Durchgang zeigte die 34-jährige Tschechin deutlich mehr Gegenwehr, konnte drei Matchbälle abwehren und das Tiebreak für sich entscheiden. Dennoch behielt die gebürtige Russin, die im vergangenen Dezember die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten hat, nach zwei Stunden Spielzeit die Oberhand. Im Anschluss, angesprochen auf ihre Gefühle, kannte der Jubel keine Grenzen: „Nein, nicht um viel Geld hätte ich geglaubt, dass mir das gelingt, aber das macht unseren Sport so wunderschön. Ich bin sprachlos und superglücklich. Es war eine Explosion der Emotionen. Ich hatte Matchbälle im zweiten Satz bei eigenem Aufschlag und konnte meine Nerven nicht zähmen. Dieses Turnier scheint mir die zweiten Chancen zu geben und ich nutze sie weiter.“

Mitverantwortlich für den Erfolg war laut Potapova auch ihr Freund Tallon Griekspoor. Der niederländische Profi war beim Stand von 1:3 aus Sicht der Österreicherin in der Box erschienen und feuerte sie an. „Im dritten Satz war ich mental schon weg. Ich habe nicht mehr an mich geglaubt. Viel Respekt an meinen Freund, der gerade rechtzeitig gekommen ist: Im dritten Satz war es sein Job, dass ich gewonnen habe, er hat mich mental dort hingebracht.“

Im Halbfinale trifft Potapova nun auf die Gewinnerin des Duells zwischen Linda Noskova (CZE/13) und Marta Kostjuk (UKR/26).

Lilli Tagger ohne Probleme

Auf kleinerer Bühne hat Österreichs große Zukunftsaktie Lilli Tagger beim WTA125-Turnier in St. Malo das Viertelfinale erreicht. Die 18-jährige Osttirolerin, die in Frankreich als Nummer 6 gesetzt ist, schlug die Französin Amandine Monnot 6:4, 6:1. Tagger trifft nun auf die topgesetzte Tschechin Tereza Valentova.