„Wenn mir jemand vor 14 Tagen gesagt hätte, so ein Einsatz kommt auf dich zu, hätte ich ihm geantwortet: Ich bin nicht da.“ Gerd Guggenberger war aber da und ist es immer noch. Mit ihm waren und sind Hunderte Einsatzkräfte aus Kärnten, Osttirol und Hubschrauber aus ganz Österreich vor Ort. Seit Donnerstagabend bekämpfen sie den riesigen Waldbrand im Lesachtal, einer der größten Brände, die es in Österreich je gegeben hat. Zum Höhepunkt des Feuers standen rund 110 Hektar Wald in Flammen.
Auch heute, Dienstag, etwa 120 Stunden nach der ersten Alarmierung gibt es kein „Brand aus!“ Aber es ist in Sicht. Wenn nicht etwas völlig Unvorhergesehenes passiere, könne das Feuer am Wochenende tatsächlich gelöscht sein, so Guggenberger, der den Einsatz leitet.
„Kleiner Brand wurde zu Inferno“
Losgegangen ist der Einsatz am vergangenen Donnerstag. „Wir wurden gegen 21 Uhr alarmiert”, sagt Guggenberger, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr St. Lorenzen und stellvertretender Bezirksfeuerwehrkommandant ist. Der „relativ kleine Brand“ breitete sich „dank“ des Windes und im steilen Gelände rasant aus. Das Einsatzgebiet liegt 1150 bis knapp 1400 Meter Höhe. Auch deswegen mussten die Löscharbeiten in der Nacht auf Freitag – wie auch in allen folgenden Nächten – eingestellt werden. Die Finsternis, die Steilheit des Gebietes und der Funkenflug machten die Einsätze viel zu gefährlich, so Guggenberger.
„Fläche wurde stündlich größer“
Am Freitag entwickelte sich der Brand zum Inferno. „Die betroffene Fläche ist stündlich größer geworden. Das war Wahnsinn“, sagt Guggenberger. „Da konnte man fast zusehen.“ Doch von Zuschauen war bei den Einsatzkräften keine Rede. Immer mehr wurden alarmiert und ins Lesachtal beordert. „Doch trotz dieses enormen Einsatzes der Kameraden und Kameradinnen schafften wir es zu dem Zeitpunkt nicht, das Feuer einzugrenzen.“ Wind und Funkenflug trugen die Flammen immer weiter.
Am Freitag brannten bereits etwa 80 Hektar, am Samstag waren es dann schon 110 Hektar, der größte bekannte Waldbrand in der Geschichte Kärntens. Auch in Hinblick auf die Anzahl der Einsatzkräfte: 360 bis 380 Feuerwehrleute aus Kärnten und Osttirol, acht Hubschrauber aus ganz Österreich, rund 30 Flughelfer, Bundesheersoldaten, unterstützt von Polizisten, Rotes-Kreuz-Mitarbeitern und Bergrettern versuchten am Höhepunkt des Brandes diesen in den Griff zu bekommen.
Kilometerlange Löschleitungen
Tausende Meter Löschleitungen mussten verlegt werden, um das Wasser zu den verschiedenen Einsatzorten zu bringen, aber auch um die Tanks zu befüllen, aus denen die Hubschrauber versorgt wurden. 150 bis 200 Höhenmeter mussten überwunden werden. Motto: Pumpe, Schlauch, Pumpe, Schlauch usw. Insgesamt mehr als 12 Kilometer waren die Löschleitungen lange. Gelöscht wurde von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. „Das waren dann schon 12, 14 Stunden pro Tag”, sagt Guggenberger.
Wende am Samstag
Am Samstagabend war dann der Wendepunkt zum Positiven: „Da haben wir erstmals gewusst: Das kriegen wir hin. Das schaffen wir“, sagt Guggenberger. „Am Sonntag haben wir dann auch noch einmal richtig viel in den Einsatz investiert.“ Der Lohn: Das Feuer konnte eingegrenzt werden, es breitete sich nicht mehr. Und erste Bereiche in dem riesigen Einsatzgebiet konnten gelöscht werden, so Guggenberger.
Damit war aber noch lange nicht Schluss. Der „nächste Knochenjob“ hat begonnen, das Löschen der Glutnester. Und davon gibt es auf den betroffenen 110 Hektar Hunderte, wenn nicht Tausende. „Da hilft uns der Polizeihubschrauber sehr“, sagt Guggenberger. Jeden Morgen wird das Gebiet überflogen, auf der Suche nach Glutnestern. Sind diese lokalisiert, steigen Feuerwehrkräfte – meist mit Löschrucksäcken – auf, legen das Glutnest frei und löschen es.
Tief in der Erde
„Alles händisch, eine Sisyphus-Arbeit“, sagt Guggenberger. Denn ein Glutnest kann 70 und mehr Zentimeter tief unter der Erde sein. „Überseht man eines, fängt möglicherweise ein Baum zu brennen an. Ein Windstoß treibt die Funken weiter und schon brennt es wieder großflächiger.“
Damit das nicht passiert, sind auch am Dienstag immer noch 280 Männer und Frauen von 22 Feuerwehren im Löscheinsatz, darunter die F-KAT-Bereitschaft 3 aus den Bezirken Klagenfurt-Stadt und -Land. Aus der Luft unterstützt werden die Feuerwehren von drei Polizei- und drei Bundesheer-Hubschraubern. Für Sicherungsarbeiten im steilen Gelände steht die Bergrettung zur Verfügung. Das Rote Kreuz ist vor Ort für Notfälle in Bereitschaft.
1600 Feuerwehrleute im Einsatz
Insgesamt standen laut Bezirksfeuerwehrkommando Hermagor in den vergangenen Tagen rund 1600 Feuerwehrleute im Einsatz. Für Mittwoch ist die F-KAT-Bereitschaft 5 aus den Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg zur weiteren Unterstützung angekündigt. „Ohne sie und die vielen anderen Helfer, hätten wir keine Chance gehabt, dieses Feuer in Griff zu kriegen“, sagt Einsatzleiter Gerd Guggenberger.