Es kündigt Arbeit an, das Läuten der Glockerln am Eingang der Maßschneiderei Resch in Liezen. Herein kommt ein Kunde, in Händen hält er, womit Schneidermeisterin Evelyn Resch und ihr Vater Josef dieser Tage viel zu tun haben. Es ist eine Feuerwehruniform – „die von meinem Enkerl. Jetzt ist ja bald Florianitag, da braucht er das“, lässt der Herr wissen. Und überreicht nebst der Uniform die neuen Dienstgrade, die die alten am Revers ersetzen sollen. „Und die Hose wär bitte a a bisserl zum ändern“, lautet Teil zwei des Auftrags.

Selbiger mag nicht ungewöhnlich anmuten, wohl aber der Umstand, dass in der Maßschneiderei Feuerwehrausstattung erhältlich ist. Von Uniform über den Helm bis zum Schuh gibt es hier alles zu erstehen, „nur Fahrzeuge haben wir nicht“, erklärt Evelyn Resch lachend.

Dienstgrad-Upgrades wie hier sind nach den Wehrversammlungen schwer gefragt
Dienstgrad-Upgrades wie hier sind nach den Wehrversammlungen schwer gefragt © KLZ / Dorit Burgsteiner

Feuerwehrhemden im Auto

Wie kommt das? „Ich bin einst im Wirtschaftskammer-Ausschuss gewesen. Ein Kollege wollte mich nach einem Termin mit seinem Auto zu meinem bringen. Hinten drinnen sind Feuerwehrhemden gehängt“, erzählt Vater Josef. „Ich hab‘ ihn gefragt, was er damit macht.“ Die Antwort: „Er vertreibt Feuerwehrsachen. Das wäre auch etwas für mich, ich soll mich dort melden, hat er gesagt“, Und zwar bei der Firma Rosenbauer, die alles produziert, was die Feuerwehr braucht.

Weil der Liezener Schneidermeister das nicht gemacht hat, hat Rosenbauer ihn wenig später kontaktiert. „Mein Kollege hat dort nämlich deponiert, dass ich interessiert bin“, sagt Josef Resch schmunzelnd. Mit einer kleinen Feuerwehr-Kollektion hat er angefangen, nach und nach ist das Ganze immer größer geworden. Hand legt das Vater-Tochter-Duo bei den Uniformen selbst an. „Wir kriegen das Rohgewand, bestücken es dann mit den Dienstgraden und passen es an den Träger an.“ Und: „Die Feuerwehrleute kommen zum Aktualisieren der Dienstgrade.“ Oder halt der Opa für sein Enkerl.

Im Lauf der Zeit ist der Handel mit Feuerwehrausstattung das zweite Standbein der Schneiderei geworden. Seit 1973 gibt es sie, der Standort in der Ausseer Straße 24 ist stets derselbe geblieben. Gegründet wurde der Betrieb von Josef und seiner Gattin Gottfrieda, ebenfalls Schneidermeisterin. In der Maßschneiderei wurde alles gemacht, was man sich kleidungstechnisch vorstellen kann: „Kleider, Blusen, Anzüge, Hemden, Mäntel, Kostüme“, zählt Evelyn Resch auf. Das passiert auch jetzt noch, es wird aber viel weniger nachgefragt als früher. Vor allem „preislich geht sich das jetzt angesichts der Billigproduktionen, die es überall gibt, nicht mehr aus“, sagen die Reschs.

„Haben kuriose Sachen gemacht“

Das heißt aber nicht, dass die beiden nun weniger Kunden haben. „Da hat sich gar nicht so viel getan. Nur der Bedarf ist anders geworden.“ Jetzt drehe sich eben mehr um Änderungen oder Reparaturen. „Arbeit haben wir immer. Und wir haben schon kuriose Sachen gemacht“, sagt Evelyn Resch. Wie etwa das Reparieren von Markisen oder das Überziehen von Matratzen. Und: „Einmal haben wir sogar ein Flugzeug genäht.“

Der Korpus des Flugzeugs wurde in der Maßschneiderei Resch genäht
Der Korpus des Flugzeugs wurde in der Maßschneiderei Resch genäht © E. Fritsch

Ein Tüftler, der selber funktionstüchtige Flugzeuge herstellt, ist auf sie zugekommen, weil er einen Flieger aus dem Ersten Weltkrieg nachbauen wollte. „Wir haben den Korpus aus Stoff genäht, der ist auf das Gestänge gespannt und mit Spannlack besprüht worden“, erzählt das Duo.

Trotz der umfangreichen Arbeit in anderen Bereichen halten Evelyn und Josef Resch der Maßschneiderei die Stange. Immerhin sei sie etwas ganz Besonderes, sagt die Schneiderin: „Man muss sich das vorstellen wie die Tätigkeit eines Architekten. Er baut Häuser nach den Vorstellungen der Kunden. Auch bei uns können sie alles so haben, wie sie es wollen. Ein Kleidungsstück ist einfach eine riesige Spielwiese.“