Dreh- und Angelpunkt einer Stadt, Verkehrsknotenpunkt. Nein, der Jakominiplatz, der „Jako“, ist fürwahr nicht als ruhiger Geselle bekannt. Unaufhörlich wuseln tagsüber Menschen, Fahrräder, Busse oder Straßenbahnen über einen der größten Grazer Plätze. Keine Minute später, wir befinden uns im weitläufigen Innenhof des „Steinfeldhauses“ an der Ecke des Platzes, ist von all dieser Geschäftigkeit nichts mehr zu spüren. In ruhigem Gefilde hat sich hier ein Unternehmen angesiedelt, das sich Taceo nennt. Latein für „Ich schweige“.
Zugleich sprechen immer mehr Menschen in der Steiermark über das 2022 ins Leben gerufene Start-up. Entstanden als Spin-off, als unternehmerische Abspaltung, von TU Graz und dem Forschungszentrum Know Center, gehört Taceo heute zu den begehrtesten Jungunternehmen im Land. Blickt man auf die Investitionen, die das Start-up in jüngster Zeit an Land zog, ist man geneigt, gar vom Gefragtesten zu sprechen.
5,5 Millionen US-Dollar steckten Investoren 2025 in das Jungunternehmen. Dass unter den Geldgebern mit Andreessen Horowitz – zum zweiten Mal nach einer früheren, millionenschweren Runde – einer der bekanntesten US-Risikokapitalgeber ist, gilt als früher Ritterschlag.
„Daten teilen, ohne sie preiszugeben – das galt lange als Widerspruch. Mit unserer Technologie machen wir genau das möglich.“ Wenn Lukas Helminger, CEO und Mitgründer von Taceo, über das eigene Unternehmen spricht, tut er das bedacht und unverblümt. „Wir waren schon vor der Gründung Fachkräfte – und hätten vermutlich viele Consulting-Aufträge bekommen“, sagt Helminger. Schlussendlich sei es aber „reizvoller gewesen, an einem eigenen Produkt zu bauen, inhaltlich in die Tiefe zu gehen“.
Das „Wir“ Helmingers umfasst sechs Menschen, sechs Mitgründer. Vier von ihnen kannten sich bereits aus einer Forschungsgruppe am Know Center. Einer davon, der Professor, heißt Christian Rechberger, ist ein weltweit anerkannter Wissenschaftler im Bereich der Kryptografie und legte die Rutsche in die USA. Dort war Taceo 2024 für zehn Wochen im Accelerator von Andreessen Horowitz inkubiert, um die eigene Technologie voranzutreiben.
Die Taceo-Technologie
Aber was macht diese eigentlich aus? Dafür leisten wir uns einen Absatz mit drei sehr technischen, aber zentralen Bezeichnungen. Beginnen wir den Kurztrip mit der „Private Shared State“-Infrastruktur, wie sich die zugrundeliegende Technologie nennt. Sie ermöglicht es, sensible Daten organisationsübergreifend zu verarbeiten, ohne sie offenzulegen.
Dafür kombiniert Taceo zwei moderne kryptografische Methoden: Einerseits „Multi-Party Computation“, um Daten während der Verarbeitung zu schützen. Und andererseits „Zero-Knowledge Proof“, um Ergebnisse zu verifizieren, ohne Inhalte preiszugeben. Die Daten bleiben also während der gesamten Nutzung für alle Beteiligten verschlüsselt.
Ein prominenter Name dient als Taceos „wichtigster Kunde“: Sam Altman, Gründer von ChatGPT-Hersteller OpenAI. Für World, ein Projekt Altmans, das eine Art digitalen „Menschlichkeits-Ausweis“ realisieren will, baut Taceo zentrale Bausteine. Die Identifikation der Menschen ermöglicht World via Iris-Scan, den der kugelförmige „Orb“ aufnimmt. Mit Taceo-Technologie werden die Iris-Scans schließlich verarbeitet. „Die biometrischen Daten von über 18 Millionen Personen bleiben dabei vollständig verschlüsselt – auch für World selbst“, heißt es bei Taceo.
Taceo und der Sitz in Wien
Zurück im Grazer Steinfeldhaus sprechen wir mit Stefan Plank. Er stieß „von außen“ als Mitgründer zu den Taceo-Forschern. Ausgestattet mit viel Gespür für Unternehmertum und Organisationsentwicklung fokussiert sich Plank beim Start-up auf die Ausgestaltung des Geschäftsmodells.
Dazu zählt auch das Unternehmensrecht – manchmal eine gröbere Herausforderung, wie Plank erzählt. Weil sich etwa das Eintragen der neuen US-Investoren ins Grazer Firmenbuch brutal in die Länge zog, sattelte Taceo um und hat den formalen Sitz heute in Wien. „Wir wollten das eigentlich gar nicht und fühlen uns als Grazer Firma“, sagt Plank.
Ausgerichtet ist das Start-up, das in den ersten zwei Jahren auch finanziell schwierige Zeiten durchschritt, freilich ohnehin international. Die Kunden sind quer über den Globus verstreut. Taceo zeige, „welches technologische Niveau in der Steiermark entstehen kann, wenn Forschung, Unternehmertum und die richtigen Unterstützer zusammenkommen“, heißt es von Oliver Kröpfl, Vorstand der Steiermärkischen Sparkasse, deklarierter Partner und Unterstützer des Start-ups.
Bei Taceo selbst denkt man in Sachen Finanzierung schon an die nächste Runde. Diese soll noch in diesem Jahr erfolgen. Womit auch die Beschäftigtenzahl – 22 sind es bereits – vermutlich bald weiter steigen wird. Kundenseitig wollen die Grazer neben dem Bereich digitale Identität bald verstärkt den Finanzsektor bedienen. In Summe scheint das Feld für Taceo riesig. Stefan Plank: „Je mehr digitale Prozesse automatisiert werden und je stärker KI in Kommunikation, Identität und Zahlungsverkehr eingreift, desto drängender wird die Frage, wie sich Authentizität beweisen lässt, ohne Privatsphäre aufzugeben.“