„So etwas Schönes wie bei der Frau Egghart bekommt man in Leoben nicht“, sagt Josefine Dietmaier, während sie an der Kasse steht. Ein neues Dirndl hat sich die ältere Dame aus St. Michael in Obersteiermark zugelegt. „Um die zehn Stück habe ich schon zuhause“, schmunzelt sie. Doch aufgrund einiger Feierlichkeiten, die heuer anstehen, sollte ein Neues her. Eine junge Frau schlüpft indes in der Umkleidekabine in ihr allererstes Dirndlkleid. Es sitzt wie angegossen. Ein anderer Kunde ist auf der Suche nach einer Wildkamera ...
Es ist ein ständiges Kommen und Gehen bei „Waffen Egghart“ in der Knittelfelder Frauengasse. 1979 eröffneten Anton und Josefa Egghart den Betrieb. Vor vier Jahren verstarb Anton plötzlich, seither führt Josefa den Betrieb allein. Das wird sich nicht ändern, solange ihr die Arbeit Freude bereitet, so Egghart. Ihr Mann war Büchsenmacher, sie Schneidermeisterin: Entsprechend dreht sich in dem Knittelfelder Geschäft alles um Waffen, Munition, Trachtenmode, Jagdbekleidung und Optik.
Junger Büchsenmacher
„Es gibt Gerüchte, dass wir zusperren sollen. Aber das stimmt nicht“, betont Josefa. Im Gegenteil: Um sie tummelt sich ein zum Teil sehr junges Team. Hahn im Korb ist der erst 20-jährige Lucas Zelatin, der seit Jahresbeginn als Büchsenmacher bei Egghart beschäftigt ist. „Nach dem Bundesheer ging es hierher“, erzählt Lucas, der schon früh wusste, dass er eines Tages diesen Beruf ausüben will. „Die Jägerei ist meine Leidenschaft.“ In der Werkstatt ist er für Reparaturen und Service zuständig, aber auch für Sonderanfertigungen. Welches Werkzeug ein Büchsenmacher am häufigsten benutzt? „Die Feile, die braucht man immer“, sagt der Obdacher. Zum Betrieb gehört übrigens auch ein Schießtunnel in Sachendorf, in dem die Waffen unter kontrollierten Bedingungen getestet und eingeschossen werden.
Lehre als Schneiderin
Eine hauseigene Schneiderei gibt es ebenfalls. Dort ist Sandra Mühlthaler als Schneiderin im Einsatz. Die junge Frau ist seit fünf Jahren im Betrieb, hat hier ihre Lehre absolviert und befindet sich nun im zweiten Gesellenjahr. Einige Lehrlinge wurden bei Egghart schon ausgebildet. Aktuell beschäftigt Josefa sechs Mitarbeitende, Verstärkung in der Schneiderei und im Verkauf wird gesucht.
Josefa Egghart ist indes „Mädchen für alles“: „Es gibt nichts, was ich nicht mache“, sagt sie, bevor sie in die Schneiderei huscht, um ein Dirndl aufzubügeln. Die Chefin, das Alter wird nicht verraten, arbeitet von früh bis spät: „Es bereitet mir noch immer große Freude.“ Ein Antrieb sei neben dem „tollen Team“ auch die „liebe Kundschaft“.
Sie hofft, dass für das Geschäft eines Tages ein Nachfolger gefunden wird. „Es ist ein gut gehender Betrieb. Es wäre schön, wenn es weitergehen würde.“