Und wieder endet in der Kärntner Landeshauptstadt eine unternehmerische Ära: Andreas Grote schließt in Kürze sein gleichnamiges Juweliergeschäft in der Paulitschgasse. Die Entscheidung fällt dem 55-Jährigen sichtlich schwer, wirtschaftliche Überlegungen zwingen ihn aber zu diesem Schritt. Damit verabschiedet sich auch einer der letzten Uhrmacher in Klagenfurt.

Das Geschäft befindet sich seit 1972 im Besitz der Familie. Grotes Großvater Karl und Vater Karl-Heinz, beide gelernte Uhrmacher, übernahmen das ehemalige Juweliergeschäft Anrather und verliehen diesem ihren Familiennamen. Für Andreas Grote selbst war immer klar, dass er in die Fußstapfen der Vorfahren tritt. Er begann 16 Tage nach seinem 14. Geburtstag die Lehre zum Uhrmacher im Familienbetrieb. 2006 übernahm der zweifache Vater die Agenden des Unternehmens. „Ich versuchte immer mit dem Trend zu gehen“, sagt der Klagenfurter.

Andreas Grote mit einem Bild des Geschäftes aus alten Zeiten
Andreas Grote mit einem Bild des Geschäftes aus alten Zeiten © Markus Traussnig

So führte er beispielsweise namhafte Marken wie Omega, Longines, Junghans, Citizen und Swatch. „In den 1990er-Jahren waren wir die erste Adresse für Swatch-Uhren“, führt der Unternehmer weiter aus. „Die Menschen standen damals Schlange vor dem Geschäft.“ 150 potenzielle Kunden zählte er an nur einem Tag. Auch Grotes Angebot an Schmuck fand reißenden Absatz. Damals hatte er in Summe drei Uhrmacher, zwei Verkäuferinnen, die Eltern und den Großvater auf der Gehaltsliste. „Wir waren auch das erste Juweliergeschäft in Klagenfurt, das mit Ladenelementen und beleuchteten Vitrinen gearbeitet hat“, kramt Grote in seinen Erinnerungen.

Kaum Kunden in der Gegend

Doch die Zeiten änderten sich: Das ehemalige Forum, in dem Lebensmittel, Haushaltsartikel und Textilien angeboten wurden, verschwand vom Domplatz. Die Eröffnung der City Arkaden vor 20 Jahren machte seinem Geschäft zu schaffen, immer weniger Kundinnen und Kunden „verirrten“ sich in seine Gegend. Dann kam die Pandemie, das Geschäft brach fast zu Gänze ein. Erst mit dem Reparaturbonus gelang wieder der Aufschwung, doch auch dieser fiel wieder im Juni des Vorjahres weg. Die Entscheidung, das Traditionsgeschäft zu schließen, rückte damit näher. „Ich zahle fast jeden Monat drauf“, weiß Grote.

Bis zum Sommer will der 55-Jährige noch für seine Kundinnen und Kunden täglich aufsperren. Der Abverkauf läuft bereits. „Ich bleibe hier bis das letzte Stück verkauft ist“, behauptet er. Damit endet aber nicht nur die Ära des Geschäfts, sondern auch jene des „Meister der Zeit“, so wird Andreas Grote nämlich in der Branche bezeichnet. Er ist einer der letzten Uhrmacher in Klagenfurt. In diesem Zusammenhang könnte er sich allerdings vorstellen, eine kleine Werkstatt einzurichten. Alte Uhren, insbesondere Wanduhren, liegen ihm nämlich besonders am Herzen. „Das sind wahre Wunderwerke, jede Uhr hat dabei ihre eigene Geschichte“, schwärmt er. Besonders leid tut es Andreas Grote um die vielen Stammkunden, viele hat er über Generationen begleitet.