Sie verlangsamen die Entleerung des Magens, zügeln das Hungergefühl und fördern schnellen Gewichtsverlust – Abnehmspritzen haben das Diät-Geschäft revolutioniert und bringen all jenen Hoffnung auf Heilung, die an Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas leiden.

Der Hype rund um Wegovy, Ozempic und Co. ist aber von vielen Fragezeichen begleitet: Noch ist sich die Forschung nicht völlig über die Wirkmechanismen der Präparate im Klaren, auch die Folgen einer Langzeitanwendung stehen im Dunkeln. Bei einer anderen Fragestellung, nämlich wie sich Abnehmspritzen auf den Energieumsatz des Körpers auswirken, hat sich nun die Gesundheitssparte von Joanneum Research eingeschaltet.

Dem Kalorieverbrauch auf der Spur

Im Projekt TrisoTEE untersucht die Chemikerin Anita Eberl eine verbesserte Methode zur Messung des Energieumsatzes, der besagt, wie viele Kalorien der Körper am Tag verbraucht. Der Gesamtwert setzt sich aus dem Grundumsatz, also der Energie, die unser Körper zum Überleben benötigt (ca. 65 Prozent), dem Leistungsumsatz aus körperlicher und geistiger Aktivität (ca. 25 Prozent) und der Thermogenese, also Energie, die für die Verdauung der Nahrung aufgewendet wird (ca. 10 Prozent), zusammen.

„Diese Werte helfen beim Verständnis von Gewichtszunahme und Gewichtsabnahme. Wird mehr Energie aufgenommen als verbraucht, steigt das Körpergewicht und das Risiko für Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Eberl.

Messung des Energieumsatzes ist komplex

Den Energieumsatz des Körpers zu messen, ist gar nicht so einfach. Bisher verwendete Methoden basierten auf der sogenannten Kalorimetrie, ein Messverfahren zur Bestimmung von Wärmemengen. Dabei mussten sich Probanden für längere Zeit in einer speziellen Kammer aufhalten – kaum praktikabel für Langzeitmessungen, die sich über Wochen ziehen können.

Das Bild zeigt Anita Eberl
Anita Eberl forscht bei Joanneum Research
| Anita Eberl forscht bei Joanneum Research © JR/Bernhard Bergmann

Ab den 1980er-Jahren wurde ein neuer Weg beschritten, um den Energieumsatz bei Menschen zu bestimmen: mit der „Doubly Labelled Water“-Methode. Eberl: „Diese Methode nutzt speziell markiertes Wasser mit stabilen Isotopen von Sauerstoff (¹⁸O) und Wasserstoff (Deuterium, ²H), die sich nach dem Trinken im Körper verteilen und über Urinproben verfolgt werden können, um den CO2-Umsatz abzuleiten.“

Das habe sich als Goldstandard etabliert, weil die Methode ohne Einschränkungen in den Alltag integriert werden kann und für den Körper völlig ungefährlich ist.

Aufwendierge Destillation macht Wasser sehr teuer

Der einzige Haken daran: Das dafür verwendete, speziell hergestellte Wasser ist sehr teuer. Ein aufwendiger Destillationsprozess ist notwendig, um Wasser mit Isotopen – also Teilchen mit erhöhtem Atomgewicht – anzureichern. Hier setzt das Projekt TrisoTEE an, indem es ein drittes Isotop, Sauerstoff (¹⁷O), miteinbezieht.

„Wir gehen davon aus, dass die Verwendung des Sauerstoff-Isotops die Laboranalyse präziser macht und so weniger von dem angereicherten Wasser benötigt wird, um den Energieumsatz präzise zu bestimmen“, sagt Eberl. Sie rechnet mit einer Kostenersparnis von bis zu 30 Prozent.

Vorteile für Patienten mit Übergewicht

Profitieren könnten davon Patientinnen und Patienten, die mit Übergewicht zu kämpfen haben und aus den Daten des Energieumsatzes personalisierte Ernährungs- und Therapieempfehlungen erhalten.

„Wenn man den Gesamtenergieumsatz exakt vor Augen hat, kann man besser steuern, wie viel man isst. Wer sich mit dem Kaloriengehalt von Lebensmitteln auseinandersetzt, unterschätzt oft, wie viel eine Mahlzeit wirklich ausmacht und überschätzt wiederum die Wirkung von Bewegung“, sagt Eberl. Auch die Effekte von Abnehmspritzen könnten mit der neuen Methode besser nachvollzogen werden.

Urinproben werden im Labor untersucht

Derzeit laufen erste klinische Versuche für die TrisoTEE-Methode von Joanneum Research. Probanden trinken dabei das behandelte Wasser und geben über den Zeitraum einer Woche mehrere Urinproben ab. Diese werden im Labor mittels Laserspektroskopie untersucht: Berechnet wird im Endeffekt, wie viel CO2 der Körper produziert. Je höher der Energieumsatz, desto höher der CO2-Ausstoß – wie bei einer Fabrik, die unter Vollbetrieb mehr Rauch ausstößt.