Die Statistiken, Daten und Studien sprechen eine klare Sprache: Seit den 1960er-Jahren sind Stürme, Intensivniederschläge bzw. Hochwasser, Hitzewellen bzw. Dürren, Erdrutsche und andere Katastrophen nicht nur häufiger, sondern auch intensiver und folgenschwerer geworden.
Das Beunruhigende daran: Es steht heute praktisch außer Zweifel, dass diese Häufungen zu einem großen Teil auf den vom Menschen gemachten Klimawandel zurückzuführen sind. Was den diesbezüglichen Einfluss des Menschen untermauert: Die Zahl an Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüchen, Tsunamis, Erdbeben (sie haben endogene oder tektonische Ursachen) ist über viele Jahre konstant geblieben. Aber die Katastrophen, die durch das Klima bedingt werden, haben sich fast verzehnfacht. 

Drei Experten im Podcast

Reporterin Julia Rinesch hat zum diesem Thema mit Alexander Podesser (Leitung ZAMG Steiermark), Michael Herler (Leitung der Abteilung LS - Schäden durch Feuer, Sturm, Hochwasser etc. bei der Grazer Wechselseitigen Versicherung AG) und Ilse Müller (Verhaltenstherapeutin und Biologin am Institut für Psychosomatik Graz) gesprochen. Das Gespräch können Sie hier nachhören: 

Auch Österreich wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder von Hochwasser, Hagel, Lawinen, massivem Schneefall, Stürmen etc. heimgesucht. Grundsätzlich gilt bei uns - aufgrund der Topografie - jedes Bundesland als Risikogebiet für (unterschiedliche) Naturkatastrophen. Neueste Studien lassen zudem befürchten, dass diese auch hierzulande weiter zunehmen werden. Einer Mehrzahl der Österreicherinnen und Österreicher ist laut einer Umfrage des MARKET-INSTITUTES diese Gefahr bewusst: 52 Prozent der Befragten sehen sich durch den Klimawandel stark oder sehr stark bedroht.

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Stürme, Schwergewitter und Hagel

Gewitter bilden sich, indem feuchtwarme Luft in kältere Schichten aufsteigt und kondensiert. Die dabei frei werdende Energie treibt die feuchtwarme Luft weiter in die Höhe, sodass sich Gewitterwolken bilden. Je größer die dabei in der Atmosphäre freigesetzte Energie ist, desto schwerer werden die dabei entstehenden Gewitter. Deren extreme Ausbildung nennt man Superzellen. In diesen treten Blitzschlag, Hagel, Starkregen und heftige Windböen auf – und - auch im Europa immer häufiger – Tornados. In ganz Europa werden gemäß der European Severe Weather Database 300 bis 400 gesicherte Tornados pro Jahr gezählt, davon in Österreich rund sechs bis zehn pro Jahr.

Kärnten und Steiermark sind punkto Gewitter europäische Spitzenreiter, weiß Klaus Scheitegel, Generaldirektor der Grazer Wechselseitigen Versicherung AG (GRAWE): "Die beiden Bundesländer sind echte Unwetterzentren. In Europa sind sie die Blitzländer Nummer eins."

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Hochwasser bzw. Überschwemmungen

Auch bei Hochwässern spielt die Klimaerwärmung eine bedeutende Rolle, denn sie bringt immer mehr Energie in die Atmosphäre. Das heißt: Aus wärmeren Meeren verdunstet mehr Wasser, welches durch eine zunehmend wärmere Atmosphäre auch aufgenommen wird. Beide Effekte erhöhen das Potenzial für Starkniederschläge. Dazu führen menschliche Eingriffe in den Naturhaushalt und Wasserkreislauf zu einer Verschärfung der Hochwassergefahr - auch bei uns in Österreich.

In potenziellen Hochwassergebieten setzt man auf den Bau von Schutzanlagen und auf die Nicht-Nutzung von gefährdeten Flächen. Doch muss man sich eines trotzdem bewusst sein: Ein absoluter Schutz vor Hochwasser ist nicht möglich. Schutzmaßnahmen für Siedlungsgebiete und andere höherwertige Nutzungen werden generell auf ein Hochwasser bemessen, das statistisch alle 100 Jahre auftritt. Treten Hochwasserereignisse auf, die diesen Bemessungswert übersteigen und/oder es versagt eine Schutzeinrichtung, dann kann Hochwasser weiterhin große Schäden verursachen.

Erdbeben

In Österreich werden im Schnitt pro Jahr knapp 50 Erdbeben wahrgenommen. Meist machen sie nur durch deutliches Rütteln bemerkbar, alle zwei bis drei Jahre muss aber auch hierzulande mit einem stärkeren Beben mit leichten Gebäudeschäden gerechnet werden. Schwere Schäden durch Erdbeben kommen zum Glück bei uns deutlich seltener vor.

Österreichs Geophysiker haben mehrere seismotektonisch aktive Störungszonen unter Beobachtung: u. a. das Wiener Becken, die Mur-Mürztal-Störung sowie die Inntal- und die Lavanttal-Störung. Da sich Erdbeben nicht oder nur äußerst schwer vorhersagen lassen, wird mit Beben-Wahrscheinlichkeiten, z. B. auf 50 Jahre, gerechnet. Dabei wird auch berücksichtigt, dass auch bei uns die Ballungsräume wachsen und so die Wahrscheinlichkeit steigt, dass stärkere Schäden auftreten und Menschen Opfer von Erdbeben werden.

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Waldbrände

Dass die Klimaerwärmung immer mehr Hitzewellen mit sich bringen wird, liegt auf der Hand. Dass wird diese Entwicklung schon jetzt erleben, kann man auch in Europa schon praktisch jeden Sommer sehen, wenn sich wieder verheerende Waldbrände, ausgelöst durch die steigenden Temperaturen, durch die Länder fressen. Hitzewellen und Dürre erhöhen das Risiko von Waldbränden dramatisch. Und es sind auch Länder davon betroffen, die bis dato von schweren Flächenbrandereignissen verschont geblieben waren. Laut einer Analyse der Chaucer Group hat sich die verbrannte Fläche in Europa um 75 Prozent erhöht. Im Jahr 2020 verbrannten in 35 europäischen Ländern 787.130 Hektar Land, gegenüber nur 450.250 Hektar im Jahr 2019.

Schutz vor Naturkatastrophen

Der wichtigste und erste Schritt, um gegen eine Naturkatastrophe gewappnet zu sein, sind Zivil- und Selbstschutzmaßnahmen. Sprich: Man muss darauf vorbereitet sein, dass etwas passieren kann (aber natürlich nicht muss). Was man auf jeden Fall selbst tun kann ist, sich mit den Warnsignalen des Zivilschutzes vertraut zu machen, gewisse Lebensmittelvorräte sowie ein Notgepäck mit den wichtigsten Dokumenten immer griffbereit zu haben.

Klaus Scheitegel, Generaldirektor der Grazer Wechselseitigen Versicherung verweist in diesem Zusammenhang auf ein digitales Instrument, das jeder Haushalt in Österreich kostenlos nutzen kann: Auf www.hora.gv.at kann man für jede Adresse das Gefährdungsrisiko von Naturgewalten wie Hochwasser, Hagel, Erdbeben etc. ablesen. Mit diesen Informationen können Haushalte vorbeugende Maßnahmen ergreifen und den Versicherungsschutz anpassen.

Apropos Versicherungsschutz. Dazu sagt Michael Herler, Leitung der Abteilung LS (Schäden durch Feuer, Sturm, Hochwasser etc.) bei der Grazer Wechselseitigen Versicherung AG: „Gegen Sturm und Hagel kann man sich mit einer Sturmschadenversicherung, meistens im Rahmen einer Eigenheimversicherung sehr gut finanziell absichern. Voraussetzung ist eine zum Gebäudewert passende Versicherungssumme und eine gute Instandhaltung des Gebäudes. Bei Schäden durch Überschwemmungen und Muren sieht die Sache schon anders aus. Bei diesen Risiken ist in einem Versicherungsvertrag eine bestimmte Summe vereinbart. Bis zu dieser Summe leistet die Versicherung – darüber hinaus greift der Katastrophenfonds des jeweiligen Bundeslandes. Aber auch hier wird voraussichtlich nicht der gesamte materielle Schaden ersetzt.“

Entstanden in Kooperation mit der Grazer Wechselseitigen Versicherung AG