Die Fuchsgruppe ist ein Ort zum Wohlfühlen. Bunte Bilder strahlen von den Wänden des lichtdurchfluteten Raums. Spielzeug wartet ordentlich in Kisten geräumt auf seine kleinen Benutzer:innen. Auf einem kuscheligen Teppich sitzt Dominik Reinmüller umringt von Kindern und liest eine Geschichte vor. Der 23-Jährige fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle als Praktikant in der Kinderkrippe der Volkshilfe im Grazer Messequartier. Die Kinder im Alter von ein bis drei Jahren genießen seine Anwesenheit und Aufmerksamkeit.
Pilotprojekt in Kindergarten und Kinderkrippe
„Dominik hat einfach eine fantastische Energie“, meint Sophie Gratz. Die Mitarbeiterin von LebensGroß begleitet Dominik Reinmüller im Rahmen eines Pilotprojekts. Sieben Menschen mit Behinderungen werden dabei zu Helfer:innen in Kindergarten und Kinderkrippe ausgebildet. „Dominik ist so geduldig. Er kann sich gut in andere hineinfühlen und ist immer für einen Spaß zu haben. Der Job ist genau das Richtige für ihn“, ist Sophie Gratz überzeugt. Und auch Dominik Reinmüller weiß: „In der Kinderkrippe zu arbeiten ist genau das, was ich machen will. Hier gehöre ich hin.“
Arbeit ist ein Menschenrecht
In Artikel 23 der UN-Menschenrechtskonvention ist das Recht auf Arbeit und freie Berufswahl für alle Menschen festgehalten. Und doch ist es für Menschen mit Behinderungen oft schwieriger, ihren Wunschberuf zu ergreifen. Mit dem „Kindergarten-Projekt“ zeigt LebensGroß, wie inklusive Arbeitswelten gestaltet werden können. „Es ist etwas ganz Neues“, ist Sophie Gratz begeistert. Die vom BFI (Berufsförderungsinstitut) Steiermark angebotene Ausbildung zur Kinderbetreuer:in wurde von LebensGroß gemeinsam mit Partner:innen adaptiert, sodass sie auch von Menschen mit Behinderungen absolviert werden kann. Im Rahmen der Ausbildung sind zahlreiche Praktika verpflichtend.
Selbstbewusst, zufrieden und glücklich erzählt Dominik Reinmüller davon, dass er mit den Kindern am liebsten Zeit im Freien verbringt und dass das Abwaschen des Geschirrs vom Mittagessen nicht so großen Spaß macht. Dass er von den Pädagog:innen viel lernen kann und die Freude der Kinder ihn jeden Tag neu motiviert. Zielstrebig und verantwortungsvoll hat er seine Aufgaben im Blick. „Das Schöne am Job ist, dass ich Menschen dabei unterstützen kann, sich zu entwickeln“, meint er. „Das gilt für uns beide“, ergänzt Sophie Gratz.
Freiwilliges Soziales Jahr als Berufseinstieg
Die 24-Jährige schnupperte vor drei Jahren im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres nach der Matura das erste Mal in den Sozialbereich. Die Arbeit bei LebensGroß mit Menschen mit Behinderungen war erfüllend. Sophie Gratz blieb. Es folgte ein Wechsel in die Arbeitsgruppe der Postpartnerfiliale und schließlich bekam sie das Angebot, gemeinsam mit einer Kollegin das Kindergartenprojekt durchzuführen. „Bei LebensGroß hatte ich immer das Gefühl, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird. Auch in meiner Ausbildung wurde ich super unterstützt.“
Dabei war ihr beruflicher Weg nicht so geradlinig. Sie wollte Goldschmiedin werden, absolvierte ein Praktikum als Zahntechnikerin. „Es hat ein bisserl gedauert, bis ich den Sozialbereich für mich entdeckt habe.“ Genauso wie bei Dominik Reinmüller. Nach der Hauptschule begann er eine Lehre im Bereich Maschinenbau, schnupperte in der Caritas-Schule für Sozialberufe und jobbte bei einem Wachdienst. „Aber ich habe nie etwas durchgezogen“, sagt er.
Das soll sich jetzt ändern. Die Abschlussprüfung zum Kindergartenhelfer hat Dominik Reinmüller bestanden. Jetzt ist er auf der Suche nach einer Anstellung. LebensGroß unterstützt ihn auch dabei. Weil Dominik ein Vorreiter sein kann für inklusive Beschäftigungsmodelle. Weil Menschen wie er nicht nur persönliche Träume verwirklichen, sondern an einer fairen Zukunft für alle arbeiten.
Entstanden in Kooperation mit LebensGroß.