Ich wollte immer wissen, wie Geräte und Anlagen funktionieren“, erklärt Jana Rainer das Hauptmotiv ihrer Ausbildungswahl. Bestärkt durch ihren Bruder hat sie sich dann für eine Elektronik-Lehre bei TDK Electronics in Deutschlandsberg entschieden – und sofort Feuer gefangen. Allein ist sie mit dieser Begeisterung nicht. Elektrotechnik zählte im vergangenen Jahr neben Metalltechnik zu den zehn meistgewählten Lehrberufen von jungen Frauen in der Steiermark. Sie treffen damit den Bedarf der Industrie: Elektrotechnik gehört – neben Metalltechnik-Modulen und Mechatronik – zu den aktuell am häufigsten angebotenen Lehrberufen in der steirischen Industrie.
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Zwischen Platine und Bergbau
Bereut hat Jana Rainer ihre Wahl bis heute nicht. Im Gegenteil. „Wir sind eine richtige Gang“, beschreibt die 19-Jährige das von Teamgeist geprägte Klima unter den Lehrlingen, die in eine bunte Belegschaft integriert sind: 25 Nationen finden sich unter den 700 Mitarbeitern am weststeirischen Standort, der flächenmäßig europaweit der größte des internationalen Elektronikkonzerns ist. „Mit Teilen aus unserem Haus kommt jeder täglich in Kontakt“, verweist Jana Rainer auf TDK-Komponenten in Smartphones. Sie selbst ist vor allem mit dem Bestücken und Löten von Platinen, Schaltschrankbau und Qualitätskontrolle beschäftigt: „Teile, die wir herstellen, sind so klein, dass man sie nur unter einer Lupe sieht“, so Rainer beim „Business Talk“ der Kleinen Zeitung zum Thema „Lehre in der Industrie“.
Mit deutlich größerem Gerät hat Christian Schaffer bei seiner Arbeit zu tun. 100 bis 250 Tonnen haben die Großgeräte von Sandvik Mining and Construction, die weltweit unter anderem im Bergbau und Tunnelbau zum Einsatz kommen. Schaffer hat die Dimension der Maschinen nicht zuletzt auf Youtube-Videos fasziniert.
Heute arbeitet er als Jungfacharbeiter am Sandvik-Standort in Zeltweg, führt daneben einen familieneigenen forstwirtschaftlichen Betrieb und ist regelmäßig für Montageeinsätze im Ausland unterwegs. So geht es in Kürze in den Norden Indiens, wo es in einem Kohlebergwerk Sandvik-Maschinen zu servicieren gilt. Als vor wenigen Tagen die Anfrage kam, habe er sofort zugesagt. „Man lernt viel für den Beruf“, begründet der 21-Jährige – auch wenn es beim ersten Mal vor zwei Jahren „ein echter Kulturschock war“, blickt er schmunzelnd zurück: sprachliche Hürden, der verrückte Verkehr, die Arbeitsbedingungen – „das war sehr gewöhnungsbedürftig, aber man lebt sich schnell hinein“.
Es zahlt sich aus, die Extrameile zu gehen
Franziska Angerer, Leiterin Human Resources bei der Saubermacher AG, schätzt diese Neugier, Offenheit und Bereitschaft von Jugendlichen, internationale Erfahrung zu sammeln und den eigenen Horizont zu erweitern: „Man kann nie weit genug über den Tellerrand blicken“, sagt sie und verweist auf wichtige Erfahrungen und Schlüsselkompetenzen, die man sich dabei aneigne. Gerade in wirtschaftlich herausfordernderen Zeiten wie aktuell, in denen der Transformationsdruck steigt, sei es wichtig, „diese Extrameile zu gehen“ und sich Wissen in Fremdsprachen, in der Digitalisierung und Automatisierung anzueignen.
Digitale Kollegen
Elisabeth Simon sieht digitale Werkzeuge längst als „normale Kollegen“. „Wer sie nicht als solche sieht, sondern sich diesen Entwicklungen verschließt, für den können sie zur Konkurrenz werden“, sagt die 24-Jährige bautechnische Zeichnerin. Sie arbeitet bei Haas Fertigbau im Holzbauwerk in Großwillfersdorf und ist dort kürzlich bereits in die Abteilungsleitung aufgerückt. Für Unternehmen sei es umgekehrt eine unglaubliche Chance, die „natürlichen Begabungen und die Furchtlosigkeit der jungen Generation im Umgang mit Digitalisierung stärker in Entscheidungsprozesse miteinfließen zu lassen und gewinnbringend zu nutzen“, unterstreicht Angerer.
Im Mix aus der Erfahrung der älteren Generation und den Stärken der heutigen Jugend, die deutlich gegenwartsfokussierter ist als ihre Vorgänger-Generation, liege ein enormes Potenzial. Diesbezüglich sieht die Personalexpertin vor allem auch in der Gestaltung von Lehrplänen Reformbedarf: „Es wäre hilfreich, mehr auf die Bedürfnisse der Auszubildenden zu hören.“
Auch Elisabeth Simon sieht in den Berufsschulen Verbesserungspotenzial – nicht zuletzt aufgrund des Tempos des technologischen Fortschritts. Vor fünf Jahren hat sie ihre Lehre mit Matura abgeschlossen. Damals wurde noch alles in 2D gezeichnet, heute läuft längst alles in 3D. Der Innovationsgrad ist hoch. „Kunden können heute am Grundstück stehen und mittels VR-Brille bereits das Haus sehen, das sie einmal haben werden und das ich für sie geplant habe“, ist Simon angesichts der Anwendungsmöglichkeiten begeistert.