Erst vergangenen Herbst feierte die Kleine Zeitung ihr 120-jähriges Bestehen. „Das war unter anderem möglich, indem wir uns ständig gehäutet und neu erfunden haben“, begründet Herausgeber Hubert Patterer den Erfolg – und eröffnete mit diesen Worten die Jubiläums-Business-Stage seiner Kleinen Zeitung. Präsentiert wurde die Diskussionsrunde von Wüstenrot und Fulbright Austria. In der Wiener Dependance, die er liebevoll die „schönste Redaktion Wiens“ nennt, gingen fünf heimische Unternehmen und Institutionen, die selbst auf eine eindrucksvolle Geschichte zurückblicken können, unter der Moderation des stellvertretenden Chefredakteurs der Wiener Redaktion, Michael Jungwirth, den Fragen nach: Was bedeutet unternehmerischer Erfolg heute? Welche Strategien braucht es für die Zukunft? Und wie viel Veränderung kann – oder muss – ein Unternehmen aushalten?

Die Business Stage zum Nachschauen:

Erfolg hat viele Gesichter – und noch mehr Geschichten

Susanne Riess-Hahn, Generaldirektorin von Wüstenrot, erklärt: „Unsere DNA basiert auf einem soliden Geschäftsmodell – dem Grundbedürfnis nach Wohneigentum und Vorsorge.“ Seit mittlerweile 100 Jahren begleitet das Finanzinstitut seine Kund:innen beim Vorsorgen, Versichern und Finanzieren – und das mit denselben Werten. Was sich geändert hat? „Das Wie“, so Riess-Hahn. Die digitale Beratung sei längst neben der persönlichen zur Normalität geworden. Entscheidend sei aber in jedem Fall, dass das Erlebnis für den Kunden stimmig sei. Kritik übt sie an der heimischen Mentalität: „Wir neigen dazu, Leistung zu beziehen statt zu erbringen – das muss sich ändern.“ Auch das Thema Scheitern brauche ein Re-Branding. „In den USA ist es völlig normal, mehrere Anläufe zu brauchen. Bei uns wird ein Misserfolg stigmatisiert.“

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Zwischen Institution und Innovation

Eine ähnliche Sicht auf Erfolg vertritt auch Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG. Der Kreditschutzverband – gegründet 1870 – ist mit Krisen und Insolvenzen vertraut. „Insolvenz ist nichts Tragisches. Sie ist Teil des unternehmerischen Risikos“, so Vybiral. Entscheidend sei, ob man daraus lerne. „Disney, Ford, Zotter – alle waren insolvent. Aber das ist nur in Österreich ein Makel.“ Der Appell an die Politik: mehr Fokus auf die Industrie. „Sie macht fast ein Drittel unseres BIP aus – da darf man nicht sparen.“

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Auch im Kulturbereich geht es um Beständigkeit und Erneuerung. Wolfgang Bergmann, STAGEGeschäftsführer Belvedere, erinnert daran, dass das heutige Museum einst eine „Partylocation“ für Prinz Eugen war. Erst Maria Theresia habe es für das Volk geöffnet. Heute sind Werke wie Klimts „Kuss“ ein internationales Pilgerziel – besonders für Besucher:innen aus Südkorea. Das Besondere an Kunst sei ihr Live-Charakter. „Das Original will man live sehen, nicht nur digital erleben.“ Innovation scheitere oft nicht an der Idee, sondern an der Institution.

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Von der Säge zum Start-up

Victoria Neuhofer bringt mit ihrem Unternehmen „Damn Plastic“ frischen Unternehmergeist auf die Bühne. Das junge Start-up mit Wurzeln in einem über 360 Jahre alten Familienbetrieb sieht sich als mutiger Gegenentwurf zur klassischen Karriere. „Ein junger Mensch braucht eine Spielwiese – da ist Tradition oft zähes Fleisch“, sagt sie. Gleichzeitig weiß sie um den Wert von Erfahrung. Im eigenen Unternehmen herrscht nach wie vor „Start-up-Konstrukt“, bei dem jede helfende Hand zählt. Der Idee von Work-Life-Balance kann sie wenig abgewinnen: „Ich brauche sie nicht, weil ich tue, was ich liebe.“

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Wissen schafft Wandel

Bildung, Austausch und Internationalität standen im Zentrum der Ausführungen von Hermann Agis, Executive Director von Fulbright Austria. Die Institution steht für den kulturellen und akademischen Austausch zwischen den USA und über 160 Ländern weltweit. „Wir müssen raus aus dem alten Wissen“, so Agis. Auch Studierende müssten bereit sein, „über die Klinge zu springen“, statt sich auf Erlerntes zu verlassen. Trotz politischer Spannungen sei das Interesse an den USA ungebrochen. Besonders: In den USA werde Unternehmertum bereits an Universitäten gezielt gefördert – in enger Kooperation mit der Wirtschaft.

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Fazit einer vielschichtigen Gesprächsrunde

Ob Finanzdienstleister, Kunst, Bildung oder Start-up: Die Geschichten, die auf der Business Stage erzählt wurden, sind so unterschiedlich wie die Branchen selbst. Doch sie eint ein klares Bekenntnis zur Weiterentwicklung, zur Offenheit für Wandel – und zur Einsicht, dass Scheitern Teil jeder echten Erfolgsgeschichte ist.

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