Es war ein inspirierender und auch unglaublich spannender Abend im Rahmen der Business Stage der Kleinen Zeitung. Das Thema Cybersecurity bzw. „Wie schützt man sich als Privatperson oder Unternehmen vor Cyberkriminalität?“ ist schließlich eines, das kaum jemanden kaltlässt. Auf der Bühne des Kleine Zeitung Skyrooms diskutierten: Michael Brönner (Mastercard Österreich), Xenia Daum (Kleine Zeitung), Thomas Hausegger (NTS), Marco Triller (Zivilschutzverband Steiermark) und Jürgen Spandl (A1 Telekom Austria).
Herr Triller, warum ist das Thema Cybersicherheit auch für den Zivilschutzverband Steiermark wichtig?
Marco Triller: Weil er es auch als eine seiner zentralen Aufgaben sieht, unsere Bürger:innen präventiv auf mögliche Gefahren durch Cyberkriminalität in ihrem Alltag aufmerksam zu machen. Wir wollen u. a. auch mit dem Irrglauben „Mir kann so etwas nicht passieren!“ aufräumen.
Frau Daum, welche Verantwortung hat ein Medium wie die Kleine Zeitung bei diesem Thema?
Xenia Daum: Eine sehr große, denn wir sind als Zeitungsmedium bzw. als Medienhaus für Hacker:innen natürlich besonders interessant. Vor ein paar Jahren mussten wir bei einem unserer Medien schon so einen Angriff abwehren. Der Gedanke, dass irgendwer aus dem Darknet heraus die publizistische Plattform ansteuern und darauf selbst Inhalte veröffentlichen könnte, ist besorgniserregend. Dazu kommt noch der Schutz der Daten unserer Abonnent:innen. Deswegen hat die Abwehr von Cyberkriminalität bei uns oberste Priorität.
Herr Brönner, wie groß ist denn die wirtschaftliche Dimension der Cyberkriminalität?
Michael Brönner: Es sind leider beeindruckende Zahlen, wenn es um die Dimension der Cyberkriminalität geht. Deren Wirtschaftsleistung beträgt weltweit rund 10,5 Billionen Dollar. Wenn Cybercrime ein Land wäre, dann wäre es hinsichtlich der volkswirtschaftlichen Leistung rund 20 Mal so groß wie Österreich. Es ist also wirklich Big Money, das da im Umlauf ist.
Herr Spandl, wie sehen Sie hierzulande das unternehmerische Risikobewusstsein hinsichtlich Cybersecurity?
Jürgen Spandl: Unsere Erfahrung zeigt, große Konzerne sind bei der Umsetzung von Cybersecurity-Strategien kleineren Unternehmen meist voraus. Mit NIS 2 – einer neuen EU-Verordnung zur Erhöhung der Cybersicherheit – müssen sich auch mehr kleine Unternehmen ernsthaft mit dem Thema beschäftigen.
Herr Hausegger, welche Strategie verfolgt NTS bei der Implementierung von Cybersecurity-Architekturen?
Thomas Hausegger: Da niemand vor einem Cyberangriff gefeit ist, geht es darum, den Schaden möglichst klein zu halten. Das Stichwort dazu ist Mikro- oder Makrosegmentierung. Das heißt, wenn wir Netzwerke designen, halten wir deren Bereiche möglichst klein. Man kann das mit einem Haus vergleichen: Wenn jedes Zimmer abgesperrt und zwischen jedem Zimmer und dem nächsten Zimmer wieder eine versperrte Türe ist, dann kann jemand vielleicht in ein Zimmer rein, von dort aber nicht weiter oder muss wieder mit großem Aufwand die nächste Türe aufbrechen.
Was ist aus Ihrer Sicht der erste Schritt zu mehr Cybersecurity in einem Unternehmen?
Hausegger: Ich würde bei der Awareness der Mitarbeiter:innen anfangen, denn die größten Gefahren lauern oft in den kleinen Dingen. Dann erstellt man eine Bedrohungsanalyse und leitet daraus die organisatorischen und technischen Maßnahmen ab.
Daum: Ich kann den Kontakt zu einer Cybercrime-Versicherung empfehlen. Damit ist nämlich ein sehr aufschlussreicher Fahrplan hinsichtlich der notwendigen Maßnahmen verbunden.
Ihr Top-Tipp für mehr Cybersecurity?
Spandl: Jeder kann ein Ziel von Cyberkriminellen werden – besser niemandem blind vertrauen!
Brönner: Kritisch sein, genau hinschauen, lieber einen Schritt zurück machen – und erst dann handeln.
Triller: Don’t trust!
Daum: Regelmäßige Schulungen für alle!
Hausegger: Legen Sie mehr Aufmerksamkeit auf die Funktionalität Ihrer Back-ups!