Die jüngsten Zahlen vom Arbeitsmarkt bleiben alarmierend. Zum Jahreswechsel waren österreichweit 426.012 Personen auf Jobsuche. Das sind um 27.007 mehr als zum Jahresende 2023 (plus 6,8 Prozent). Noch dramatischer präsentieren sich die steirischen Zahlen: 52.920 Steirerinnen und Steirer starten ohne Job ins neue Jahr – ein Plus von 7,3 Prozent. Und die hartnäckige Konjunkturflaute wird auch 2025 ihre Spuren hinterlassen.
Entsprechend nachdrücklich fordert der steirische Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk umfassende und nachhaltige Reformschritte seitens der Politik im Rahmen einer „Arbeitsmarktagenda“. Zukünftig muss ein noch größerer Schwerpunkt auf die Qualifizierung von Fachkräften gelegt werden“, drängt Herk und verweist auf die demografische Entwicklung als „Brandbeschleuniger“.
Denn während die geburtenstarken Jahrgänge nach und nach das Pensionsalter erreichen, kommen parallel immer weniger Junge nach. Das wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Bis 2040 werden in der Steiermark 50.610 Arbeitskräfte weniger zur Verfügung stehen als heute. Schon jetzt gelten mehr als hundert Berufe als Mangelberufe.
Vor diesem Hintergrund müsse auch das Arbeiten nach Erreichen des gesetzlichen Pensionsantrittsalters erleichtert werden. „Sowohl für selbstständige wie unselbstständige Erwerbstätige muss in diesem Fall die Kranken- und Pensionsversicherungsbeiträge entfallen“, so Herk, der zudem für eine Attraktivierung der Vollzeitbeschäftigung einerseits durch eine Senkung der Grenzsteuersätze in der Einkommensteuer und andererseits durch einen Frei- oder Absetzbetrag für Vollzeitbeschäftigte sowie die Ausweitung von steuerbegünstigten Überstunden eintritt: „Eine Arbeitszeitverkürzung mindert die Produktivitätsrate und führt so zu einer Schwächung des Standorts.“
Auf einen Blick: Reformpaket für die Wirtschaft
Welche Maßnahmen die Wirtschaft gegen den Arbeits- und Fachkräftemangel fordert.
- Qualifizierungsmaßnahmen in Kooperation mit Unternehmen ausbauen. Im Rahmen von AQUA (Arbeitsplatznahe Qualifizierung) sowie von Implacement-Stiftungen haben Unternehmen die Chance, in relativ kurzer Zeit für ihre individuellen Anforderungen auszubilden und qualifiziertes Personal zu erhalten. Diese Instrumente gehören weiter gestärkt.
- Größerer Schwerpunkt auf die Qualifizierung von Fachkräften. Die Beteiligung des Landes an den Maßnahmen des AMS sollte einerseits monetär ausgeweitet und andererseits inhaltlich stärker auf wirtschaftsnahe Maßnahmen fokussiert werden.
- Mobilisierung des vorhandenen Arbeitskräfte-Potenzials durch eine verstärkte überregionale Vermittlung durch das AMS. Konkret soll dabei die Nachfrage der Betriebe mit dem Angebot an Arbeitskräften innerhalb der steirischen Regionen beziehungsweise über die Bundesländergrenzen noch intensiver zusammengeführt werden.
- Überbetriebliche Lehre praxisorientierter gestalten. Aus einem Überhang an Lehrstellensuchenden wurde ein eklatanter Mangel an Lehrlingen. Daher muss der Fokus von der mehrjährigen überbetrieblichen Lehre auf eine unternehmensnahe Kurzform gelegt werden.