Das angebliche Dilemma ist annähernd gleich alt wie die Diskussion um den Umstieg von Straße auf Schiene. Man würde sehr gern die Bahn nutzen, war da jahrelang zu hören, doch es mangle an einem entsprechenden Angebot. Zumindest für den Süden Österreichs ist diese Behauptung inzwischen obsolet geworden. Mit der Inbetriebnahme der Koralmbahn wird zwischen Klagenfurt und Graz ein Siedlungs- und Wirtschaftsraum entstehen, der mit öffentlichem Verkehr so gut versorgt ist wie kaum eine andere Region in Österreich – mit Ausnahme von Wien vielleicht.

Wirtschaftsraum mit Zukunft

Den Vergleich mit dem Großraum Wien greift auch Eric Kirschner auf, wenn er die Dimension des Koralmbahn-Projekts erklärt. Bei JOANNEUM RESEARCH leitet Kirschner die Forschungsgruppe Regionalökonomie und Strukturpolitik und war an einer Studie beteiligt, die die Auswirkungen des Projekts auf den Wirtschaftsraum Südösterreich untersuchte. „Von Deutschlandsberg nach Klagenfurt zu pendeln, wird mit der Koralmbahn ähnlich unkompliziert und bequem sein wie von Wiener Neustadt nach Wien. Das wird eine Tagespendlerdistanz“, sagt Kirschner.

Dadurch entsteht ein neuer Wirtschaftsraum mit rund 1,2 Millionen Menschen – ein wirtschaftlich bedeutender Ballungsraum, der sich von der südlichen Obersteiermark bis nach Villach erstreckt. Die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird Standorte entlang der Strecke für Unternehmen deutlich attraktiver machen. Wolfsberg und Deutschlandsberg etwa werden Teil eines erweiterten Arbeitsmarktes, der Unternehmen eine größere Auswahl an qualifizierten Fachkräften bietet.

Beitrag zur Nachhaltigkeit

Auch der ökologische Effekt des Projekts ist offensichtlich: In Kärnten ist der Verkehr für 49 % aller CO2-Emissionen verantwortlich. Die Koralmbahn kann diesen Prozentsatz signifikant senken, da sie sowohl den Personen- als auch den Güterverkehr dekarbonisiert. Während LKW-Transporte pro Tonne Güter 88 bis 90 Gramm CO2 verursachen, liegt der Wert bei der Bahn unter 5 Gramm.

Die Koralmbahn ist zudem Teil des baltisch-adriatischen Korridors, einer zentralen europäischen Verkehrsachse. In Kombination mit dem geplanten Semmering-Basistunnel wird Kärnten zum Drehkreuz für Warentransporte zwischen Mitteleuropa und den Seehäfen der Adria. So kann Fürnitz zu einem bedeutenden Umschlagort im internationalen Güterverkehr werden, was neue Chancen für die regionale Wirtschaft eröffnet.

Neue Chancen für Kärnten

Die Koralmbahn eröffnet nicht nur neue Arbeitsmöglichkeiten, sondern stärkt auch die Innovationskraft Kärntens. Kooperationen mit dem Silicon Alps Cluster oder dem Green Tech Valley schaffen Potenziale in Zukunftsbranchen wie Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Kärnten und der Steiermark entwickeln gemeinsam nachhaltige Lösungen, die weltweit Maßstäbe setzen.