Eine europäische Metropolregion mit mehr als 1,8 Millionen Einwohnern, rund 150.000 Unternehmen und 770.000 Beschäftigten. Das ist die „AREA SÜD“, die eine neue Zukunft für Kärnten und die Steiermark einleiten soll. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch. Worin bestehen die Chancen und welche Herausforderungen gibt es zu bewältigen?

Darüber diskutierten unter der Leitung von Michael Sabath, ehemaliges Mitglied der Chefredaktion der Kleinen Zeitung, Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten, Nikolaus Juhász, Vorstandsvorsitzender der BKS Bank AG, Roland Waldner, Vorstand des Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds und Eric Kirschner, Stv. Direktor für Policies am Standort Kärnten und Forschungsgruppenleiter am Joanneum Research.

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Was kommt Ihnen persönlich spontan in den Sinn, wenn Sie die derzeit noch virtuelle Reise mit der Koralmbahn antreten?

Jürgen Mandl: Die Verkürzung der Reisezeit zwischen Klagenfurt und Graz und umgekehrt ist wirklich beeindruckend und ich bin hoffnungsvoll, dass wir daraus das Beste machen.

Nikolaus Juhász: Als gebürtiger Grazer wurde ich durch meine Arbeit vor 26 Jahren zum Kärntner. Für mich gibt es jetzt die schöne Vision, zukünftig innerhalb einer Stunde meine beiden Heimatorte und Wohnsitze erreichen zu können. Das entspricht in vielen anderen Städten der Fahrt mit einer Straßenbahn.

Roland Waldner: Endlich gemeinsam – das steht für mich im Vordergrund. Ich habe zehn Jahre in Graz gewohnt und freue mich, dass ich künftig in nur 45 Minuten diese Stadt besuchen werde können.

Eric Kirschner: Für mich wird es eine große Erleichterung sein, da ich oft mehrmals in der Woche zwischen Graz und Klagenfurt pendle. Das Wesentliche ist für mich das verbindende Element, das die Koralmbahn mit sich bringen wird.

Herr Mandl, wir sprechen von der Metropolregion AREA SÜD Was verstehen Sie und die Wirtschaftskammer darunter?

Wir bewegen uns mit der AREA SÜD in einer Größenordnung mit europäischem Ausmaß. Das bedeutet Sichtbarkeit und ich bin zutiefst überzeugt, dass dieses Projekt den dringend notwendigen wirtschaftlichen Schub bringen wird, der sich aber nicht nur entlang der Bahntrasse, sondern in alle Teile des Landes entfalten soll. Es ist eine Jahrhundertchance für mehr Wachstum, mehr Lebensqualität und weniger Abwanderung.

Zu Gast: Schüler:innen des Stiftsgymnasiums St. Paul verfolgten die Podiumsdiskussion mit großem Interesse
Zu Gast: Schüler:innen des Stiftsgymnasiums St. Paul verfolgten die Podiumsdiskussion mit großem Interesse © Dieter Kulmer

Herr Juhász, was bedeutet aus Ihrer Sicht der Koralmtunnel für die Märkte und Unternehmen in den beiden Regionen?

Durch den Tunnel wird es zu einer Veränderung der Angebotsstruktur für die Menschen in beiden Bundesländern kommen. Eine bisher regionale Wettbewerbssituation wird sich, im positiven Sinne, zu einer internationalen entwickeln. Wir sollten jetzt aber nicht nur darüber nachdenken, welche Seite sich etwas von der anderen holen kann, sondern wie wir insgesamt Menschen und Unternehmen von außen in diese Region holen, die jetzt noch nicht da sind. Denn wenn wir nur den Grazer nach Klagenfurt bringen oder umgekehrt, dann haben wir nicht viel gewonnen. Der Tunnel hat 10 Milliarden Euro gekostet, jetzt gilt es, diese riesige Investition bestmöglich zu nützen. Es gibt nicht viel lebenswertere Wirtschaftsstandorte als diese Region. Das sollten wir gut nach außen kommunizieren. Darin sehe ich die große Aufgabenstellung für die Zukunft.

Herr Waldner, worin sehen Sie die größten Herausforderungen im Entstehen dieses neuen Wirtschaftsraumes?

Innovationen laufen nicht von heute auf morgen mit großem Erfolg. Wir müssen deshalb alle daran arbeiten und den Menschen die Ängste nehmen, die oft mit Neuerungen verbunden sind. Denn langfristig gewinnen wir mit der „AREA SÜD“ alle. Das ist das Wesentliche dabei. Es gibt viele Möglichkeiten, die wir mitdenken müssen, etwa die Kooperationen im Bildungs,- Wirtschafts,- und Forschungsbereich. Ein wichtiger Aspekt wird es sein, auch abseits der Koralmbahn die Menschen und Unternehmen zu mobilisieren, damit sie sich Gedanken darüber machen, wie sie diese große Chance für sich nützen können. Aktiv werden, ausprobieren, den Mut haben, Pilotprojekte zu starten.

Herr Kirschner, Sie haben die Standortstudie gemacht. Wie würden Sie die Kernaussage dieser Studie zusammenfassen?

Das ist das größte sozialökonomische Projekt seit 1854, als die Semmeringbahn eröffnet wurde. Infrastruktur ist die Basis, auf der Menschen und Unternehmen agieren und ich glaube nicht, dass wir uns jetzt schon vorstellen können, welche Dynamik durch die verbesserten Erreichbarkeiten entwickelt wird.

Die Chancen, dass Unternehmen auf einem größeren Arbeitsmarkt die passenden Mitarbeiter finden, werden massiv steigen. Ebenso die Chancen für Arbeitnehmer, in einem größeren Jobpool einen entsprechenden Arbeitsplatz zu finden. Davon profitieren also alle. Noch wichtiger ist die internationale Sichtbarkeit, durch die man hoch qualifizierte Mitarbeiter in die Region bringen kann. Das Gemeinsame muss dabei immer im Vordergrund stehen.

Das Publikum erlebte einen spannenden Abend in den Räumlichkeiten der Kleinen Zeitung Klagenfurt
Das Publikum erlebte einen spannenden Abend in den Räumlichkeiten der Kleinen Zeitung Klagenfurt © Dieter Kulmer

Was wird die neue Verbindung bei jungen Menschen bewirken?

Eric Kirschner: Sie werden bei der Wahl des Berufes oder des Wohnortes freier sein. Weil man etwa in Klagenfurt wohnen und in Graz arbeiten kann und umgekehrt. Das ist für junge Leute unglaublich wichtig. Und sie werden die Chance auf ein Bildungssystem haben, das zu ihnen passt.

Roland Waldner: Die Unter-25-Jährigen werden diese Chance weit früher nützen als alle anderen. Weil sie es nicht als Gefahr, sondern als Möglichkeit und Chance sehen.

Nikolaus Juhász: Es ist eine Tatsache, dass viele Jugendliche Kärnten für Beruf, Ausbildung oder Studium zuerst einmal verlassen. Unsere Hoffnung ist, dass wir zukünftig leichter qualifizierte jungen Menschen in diese Region holen können.

Jürgen Mandl: Ich bin überzeugt, dass wir die nötigen Angebote schaffen und das wird eine Sogwirkung für junge Menschen entfalten.

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