Mehr Menschen, mehr Märkte und mehr Miteinander: Das Projekt „AREA SÜD“ ist eine von den Wirtschaftskammern der Steiermark und Kärnten entwickelte Vision, die für rund 1,8 Millionen Menschen, ca. 770.000 Arbeitende sowie knapp 150.000 Unternehmen gleichzeitig Jahrhundertchance, Herausforderung und Lebensraum sein soll. Das logistische Rückgrat dieses neuen Wirtschaftsraumes wird die Koralmbahn sein.
Am 14. Dezember 2025 wird der erste Zug durch den Koralmtunnel brausen – und mit ihm die Bahnverbindung Graz-Klagenfurt bzw. Klagenfurt-Graz in nur 45 Minuten Realität werden. Rund ein Jahr vor diesem bahnhistorischen Event haben Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark, Thomas Krautzer, Leiter des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte (Uni Graz), Bernhard Lamprecht, GF der Lakeside Science & Technology Park GmbH sowie Markus Gössl, Geschäftsleitung VENTA Consulting GmbH, bei einem exakt 45-minütigen Gipfeltreffen im Kleine Zeitung-Skyroom des Styria Media Centers darüber diskutiert, was diese revolutionäre Bahnverbindung zwischen der Steiermark und Kärnten an wirtschaftlicher Kraft bringen wird.
Die Highlights des Events
Die komplette Podiumsdiskussion als Stream zum Nachschauen
Die Koralmbahn ist für den Süden Österreichs viel mehr als nur eine neue Bahnstrecke – sie ist vor allem eine Hoffnungsträgerin für eine prosperierende wirtschaftliche Zukunft. Was sehen Sie in der neuen Strecke?
Josef Herk: Sie wird zweifelsohne die zentrale Verkehrsader für den gerade entstehenden zweitgrößten Wirtschaftsraum Österreichs, die AREA SÜD, sein. Sie ist aus meiner Sicht eine Jahrhundertchance für Wirtschaft, Bildung, Kultur und nicht zuletzt für die Lebensqualität der hier lebenden Menschen.
Thomas Krautzer: Das Spannende an der Koralmbahn ist, dass sie die erste österreichische Hochleistungsbahnstrecke ist, die nicht mehr auf Ideen aus der K.-u.-K.-Zeit basiert. Ihre Wirkungen werden wir vom ersten Tag an spüren können, aber bis sie ihre volle Leistungskraft entwickeln kann, wird es wohl noch ein wenig dauern, Wie so was funktionieren kann, kann man am Beispiel von Hollywood und Santa Barbara in den USA sehen: Die waren einst nicht mehr als Straßenbahnstationen, die ein Visionär gebaut hat – und daraus ist Los Angeles geworden.
Markus Gössl: Ich möchte als wesentlichen Aspekt das Thema Nachhaltigkeit ins Spiel bringen. Gerade punkto Güterverkehr haben wir die Chance, einiges von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Die Koralmbahn ist für mich ein Paradebeispiel, wie man Regionen nachhaltig miteinander verbinden kann.
Bernhard Lamprecht: Für mich ist das Faszinierende die Möglichkeit, mit der Koralmbahn eine zusammenwachsende Großregion international sichtbar zu machen. Und sie so bekannt zu machen, dass sich neue Unternehmen und Top-Fachkräfte aus allen Ländern bei uns ansiedeln.
Welche Auswirkungen wird die neue Bahnverbindung grundsätzlich auf den Wirtschaftsstandort Südösterreich haben, Herr Krautzer?
Ich sehe drei wesentliche Bereiche: Erreichbarkeiten, Agglomerationseffekte, also Ballungseffekte für den Standort sowie einen wesentlich verbesserten Güterfluss. Zu den Ballungseffekten zählt, dass man mehr Kund:innen, mehr Zulieferer, mehr potenzielle Mitarbeiter:innen etc. zur Verfügung hat. Dazu wird die Bahnstrecke die sogenannte untere bzw. obere Reichweite von Gütern und Dienstleistungen erhöhen. Diese beiden Faktoren haben einen großen Einfluss darauf, wie attraktiv eine Region für Unternehmen aber auch für ihre Bewohner:innen ist. Die untere Reichweite definiert, vereinfacht gesagt, ob in einer Region überhaupt genug potenzielle Abnehmer:innen für ein Produkt leben. Die obere sagt aus, wie viel ein Konsument maximal an Zeit investieren würde, um ein Produkt oder eine Dienstleistung in Anspruch nehmen zu können.
Und was kann man hinsichtlich der potenziellen Immobilienentwicklung im Zuge der Koralmbahn sagen, Herr Gössl?
Spannend für Neuentwicklungen sind die Ballungsräume Graz und Klagenfurt sowie alle Regionen entlang der neuen Bahnstrecke. Mehr Mobilitätsmöglichkeiten sind für die Immobilienbranche nie schlecht. Grundsätzlich bieten sich in den Bereichen Shopping und Gewerbe, Wohnen, Büroentwicklung, Hotels & Tourismus neue Möglichkeiten und die Chancen für Synergien.
Was lässt sich punkto Wissens- und Technologietransfer erwarten, Herr Lamprecht?
Ich bin mir sicher, das da vieles zusammenwachsen wird. Wenn man die aktuellen Entwicklungstendenzen bei Science- und Technologieparks betrachtet, dann sieht man, dass Grenzen immer mehr verschwinden und überregionale Zusammenarbeit großgeschrieben wird. Für mich ist das Wichtigste, dass die Region für Top-Mitarbeiter:innen attraktiv ist – denn Unternehmen wachsen dort, wo sie diese Fachkräfte auch bekommen können.
Wie wollen Sie Unternehmen und junge Menschen für die Vision begeistern?
Josef Herk: Wir müssen sie mit unserem Optimismus anstecken, sie mit ihren Ideen einbinden, rasch die notwendigen politisch-administrativen Weichen stellen und noch viel Aufklärungsarbeit leisten. Jungen Menschen möchte ich vermitteln, dass hier ein einzigartiger Lebens-, Wirtschafts-, Kultur und Bildungsraum entsteht, der ihnen zahllose Möglichkeiten bietet.
Thomas Krautzer: Ich kann beiden nur versichern, dass die AREA SÜD tolle Chancen bieten wird, die man nur nutzen muss.
Markus Gössl: Wir brauchen ein hohes Maß an positiver Kommunikation, denn, wie wir wissen, erzeugen Veränderungen immer auch Sorgen und Ängste.
Bernhard Lamprecht: Wir müssen den Menschen zeigen, was alles möglich sein wird und vorleben, dass wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen.