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SteiermarkPlanen für morgen: Raum, Farbe und Licht für kreatives Lernen

Die Gestaltung der Schulgebäude hat nachweislich Einfluss auf das Lernen. Wie Bildungsbau gelingen kann, zeigt die NMS Leutschach.

Die NMS Leutschach als Beispiel für modernen Bildungsbau © paul ott photografiert (Paul Ott)
 

Ein Atrium, um das sich ringförmig die Klassen anordnen, eine Bibliothek als Herzstück des Gebäudes, ein Orchesterproberaum, ein 400 Quadratmeter großer Turnsaal und überall Holzoberflächen und viel Licht und Freiraum: Im September sind die Schüler nach zwei Jahren Bauzeit
in die Neue Mittelschule in Leutschach an der Weinstraße eingezogen. 7,6 Millionen Euro wurden investiert.

Realisiert wurde das Konzept des Grazer Architekturbüros „,tmp architekten“. Ulrike Tischler und Martin Mechs sind aus dem von der Gemeinde beauftragten Wettbewerb aus acht teilnehmenden Architekturbüros als Sieger hervorgegangen. Besonders wichtig war es, so Bürgermeister Erich Plasch, den Musikverein Leutschach in das Projekt zu integrieren und entsprechend Raum für diesen zu schaffen.

Holz, viel Licht und Freiraum sowie vielfach nutzbare Flächen ... Foto © paul ott photografiert (Paul Ott)

„Die Ausstattung der Schule gewährleistet jetzt einen modernen Unterricht auf dem technischen Letztstand“, freut er sich. „Gute Schulen sind Voraussetzung dafür, dass Kinder Spaß am Lernen haben, und Lehrer ihrer Arbeit bestmöglich nachgehen können. Dafür werden geeignete Räume benötigt, die als ‚dritter Pädagoge‘ fungieren“, sagt Rainer Wührer, stellvertretender Vorsitzender der Sektion der Architekten in der Kammer der Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten. Gerade dieser „dritte Pädagoge“ müsse aber häufig quasi „winkerlstehen“.

... nach der Sanierung und Erweiterung der NMS Leutschach Foto © paul ott photografiert (Paul Ott)

Wettbewerb bringt Qualität

Der Architekturwettbewerb ist ein wirksames Instrument zur Qualitätssicherung in der Projektvorbereitung. Er bietet die Möglichkeit, aus einer Vielzahl an Ideen und Vorschlägen die bestgeeignete und wirtschaftlichste Lösung durch eine unabhängige Expertenjury auszuwählen“, betont Rainer Wührer von der Kammer der Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten.

Gleich mehrere Entwürfe könnten so in einer Jury mit Experten diskutiert und die Vor- und Nachteile verglichen werden. Beurteilt werde nach der Qualität innerhalb eines vorgegebenen Kostenrahmens. Und der Vorteil, so Wührer, sei dann am Ende des Wettbewerbs „eine hohe Akzeptanz aller Beteiligten, weil der Vorentwurf ja von allen mitgetragen wurde“. Die Kosten eines solchen Wettbewerbsverfahrens würden rund zwei Prozent der Baukosten ausmachen. Gebäude sollten „aber nicht nach Baukosten, sondern nach Lebenszykluskosten“ und damit nach der Planungsqualität beurteilt werden.

„Das wirksamste Mittel zur qualitativen Steuerung auf Ebene der Gemeinden sind die Bedarfszuweisungen. Für eine Qualitätsoffensive bei öffentlichen Bauten wie eben beispielsweise Schulen sind Förderprogramme notwendig, die an qualitätssichernde Maßnahmen gebunden werden. Faktoren wie nachhaltiges Bauen und Lebenszykluskosten, Standortbezogenheit sowie funktionelle und gestalterische Qualität müssen berücksichtigt werden“, erklärt der Experte.


Weshalb der Bildungsbau auch ein so wesentliches Thema in Österreichs sei. Mehr als die Hälfte aller öffentlichen Schulen seien älter als 50 Jahre, zwei Drittel seien vor 1990 errichtet worden. Die Digitalisierung, neue Lernkonzepte sowie ganztägige Betreuung und der damit verbundene Verpflegungsbedarf würden aber neue Denk- und Planungsansätze im Bildungsbau erfordern, so Wührer. Vorhandene Schulgebäude müssten an neue pädagogische Anforderungen angepasst sowie technisch, energetisch und ökologisch erneuert werden. „Die Forschung hat längst gezeigt, wie groß der Einfluss ist, den Schulgebäude auf das Lernen haben.

Und auch, wie Räume und Möbel, Farbgestaltung, Lichteinfall oder Frischluft sich auf das Wohlbefinden und die Kreativität von Schülern und Lehrern auswirken“, sagt der Experte. Die NMS Leutschach sei hier in jeder Hinsicht ein gelungenes Beispiel für den modernen Bildungsbau. Und auch die Projektvorbereitung sei von Anfang professionell begleitet
worden. „Der Architekturwettbewerb ist von allen Vergabemöglichkeiten das einzige Verfahren, das projektbezogen und qualitätsorientiert zum Zuschlag führt“, sagt Barbara Frediani-Gasser, Vizepräsidentin der Kammer der Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten.

244_Hr. Wuehrer Rainer am 09.10.2020
Rainer Wührer, ZT-Kammer Foto © Foto Fischer

Bauherren, die das Instrument des nArchitekturwettbewerbs nicht nutzen, werden nie wissen, ob es eine bessere Lösung gegeben hätte.

Rainer Wührer, ZT-Kammer

Man habe die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Projekten das geeignetste für das geplante Bauvorhaben auszuwählen. „Bauherren welche dieses Instrument nicht nutzen, werden nie wissen, ob es eine bessere Lösung gegeben hätte“, sagt Wührer. Gerade im Bildungsbau sei eine unabhängige Projektbegleitung wichtig, um zum bestmöglichen Ergebnis zu kommen. Immerhin 2,4 Milliarden Euro will die Regierung ja bis 2030 in den Neu-, Zu- und Umbau der österreichischen Schulen investieren.