Wer mit dem Auto auf der B 69 von Gosdorf nach Halbenrain unterwegs ist, erblickt auf etwa halber Strecke zur Rechten einen Glashauskomplex. Den Wenigsten dürfte bewusst sein, dass sie in diesem Moment jenen Ort passieren, an dem der größte Teil des steirischen Gemüses aus der Erde gekrochen kommt. - Kann nicht stimmen, Gemüsebauern gibt es schließlich im ganzen Land? Schon, aber die haben ihre Pflanzen höchstwahrscheinlich vom Familienbetrieb Scherr in Weixelbaum bezogen. Einen Steinwurf nördlich der slowenischen Grenze arbeitet die größte Jungpflanzenzucht Österreichs.
50 Millionen Paradeiser, Gurken, Salatpflanzen und andere Gemüsesorten erwachen in den Gewächshäusern der Familie Scherr das ganze Jahr über zum Leben. Auf dreieinhalb Hektar Fläche züchten Leo und Christa Scherr Jungpflanzen und beliefern damit Bauern in Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Tschechien und in der Slowakei. Ihr Unternehmen gilt als einer der Paradebetriebe im Land.
Gestartet hat das Ehepaar vor 20 Jahren ganz klein. "Wir hatten damals einen ganz normalen gemischten bäuerlichen Betrieb", sagt Leo Scherr. "Aber wir wollten unbedingt etwas verändern, etwas Neues machen." Also stiegen Leo und Christa Scherr in den Freiland-Gemüseanbau ein, produzierten selbst ihre Jungpflanzen. Das zog Kreise. "Zuerst sind die Nachbarn gekommen, um Jungpflanzen zu kaufen, heute kommen sogar die Nachbarstaaten", sagt Scherr.
Unter den Glasdächern stehen sie Blatt an Blatt: 70.000 Paradeiserpflanzen in der ersten Halle, die ihre Köpfe in weißen Kisten aus der Erde recken. Ein grün-braun-weißes Meer bis an den Horizont. "Die gehen nächste Woche in den Raum Wien", erläutert Scherr, in einen weißen Overall gehüllt. "Jungpflanzen sind sensibel, da dürfen keine Bakterien hingetragen werden."
Über Grenzen schauen
An der Decke rühren Ventilatoren die feuchte Luft um, durch die Hallen winden sich Heizungsrohre, gespeist mit Bioenergie (siehe rechts unten). Gearbeitet wird hier das ganze Jahr über, zeitweise mit bis zu 50 Mitarbeitern. "Da ist für uns nix mit Montag bis Freitag, 8 bis 17 Uhr", sagt Scherr. Die Samen für seine Pflanzen bezieht der Bauer aus aller Welt. Dass er die Jungpflanzen auch ins Ausland exportiert, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. "Bei der Lage unseres Betriebs muss man über die Grenzen hinausschauen."
Dort wartet freilich auch Konkurrenz. Doch Scherr ist sich sicher: "Wer innovativ genug ist, der besteht auch europaweit."