LOW-BUDGET-HÄUSERWie man beim Bauen sparen kann

Der Architekturbuchautor Thomas Drexel im Gespräch über seine persönliche Auswahl der 50 besten Low-Budget-Häuser und wie man zu möglichst viel Haus für wenig Geld kommen kann.

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Ein hochkompaktes Kleinhaus mit 32 bzw. 60 Quadratmeter Nutzfläche und wahlweise mit Pergola stellt sich mit dem „Coodo“ des Hamburger Unternehmens „LTGLofts togo“ vor. Das Haus gibt es ab 91.000 Euro. © Joachim Müller
 

Kostengünstiges Bauen bei hoher Architekturqualität beschäftigt Sie als Autor jetzt schon seit mehr als zehn Jahren. Nach fünf Büchern zum Thema legen Sie jetzt eine Sammlung der besten kostengünstigen Projekte vor, die Ihnen bei Ihrer Recherche jemals untergekommen sind. Was lernen wir daraus?

THOMAS DREXEL: Dass im Low-Budget-Bereich unglaublich viel möglich ist - entgegen der Meinung sogenannter Experten, die ständig erzählen, dass das alles nicht geht. Das Buch zeigt die Bandbreite an Möglichkeiten.

Thomas Drexel ist einer der meistgelesenen Architekturbuchautoren im deutschsprachigen Raum. Seit ein paar Jahren bietet er auch Bauberatungen an. Foto © DREXEL

Die Gesamtpreise, die Sie für die Häuser angeben, sind immer hochgerechnet auf das Jahr 2018, von welchen Preissteigerungen pro Jahr darf man dabei ausgehen?

THOMAS DREXEL: Das ist ganz verschieden, weil man berücksichtigen muss, dass die günstigen Preise auf unterschiedliche Weise zustande gekommen sind: Manchmal steckt zum Beispiel besonders viel Eigenleistung drin. 1:1 sind die Kosten ohnehin nie übertragbar, weil ein Haus immer ein Unikat ist. Alle 50 Häuser sind aber im Vergleich zu heutigen Maßstäben aufgrund verschiedener Faktoren wie ihrer Kompaktheit und Kubatur, besonderer Ideen bei der Konstruktion und Materialeinsatz oder Raumaufteilung besonders günstig.

PPAG Architects aus Wien zeigen mit einem Low-Budget-Wohnhaus mit rund 100 Qaudratmeter Wohnfläche im Burgenland, dass außergewöhnliche Architektur gut mit genialen Sparmaßnahmen zusammenpasst. Die Bruttobaukosten dafür betragen mit Stand 2018 nicht mehr als 150.000 Euro. Foto © DREXEL

Sie stellen ausschließlich Architektenhäuser vor. Das Vorurteil, dass Architektenhäuser teuer sind, lässt sich damit widerlegen?

THOMAS DREXEL: Ja. Der Architekt ist im Idealfall einer, der Kosten spart. Wenn es ideal läuft, übernimmt er die ganze Aufgabe der komplexen Planung eines sehr günstigen Hauses von der Grundstückswahl über die Festlegung von Kubatur und Abgleichung der Erwartungshaltung mit dem vorhandenen Budget. Im Idealfall vermeidet man dadurch die klassischen Fehler.

Welche sind das?

THOMAS DREXEL: Dass man ein zu großes Grundstück kauft und für den Bau zuwenig Geld übrig behält. Oder dass man weder bei der Hausgröße noch bei der Innenausstattung auf die Kosten achtet und sich denkt, man könnte die Mehrausgaben durch große Eigenleistung kompensieren. Das geht meistens schief, weil das Kind da schon in den Brunnen gefallen ist.

Am wirkungsvollsten lässt es sich immer bei den Quadratmetern sparen. Wo könnte man sonst noch ansetzen?

THOMAS DREXEL: Neben dem Sparen bei Fläche und Volumen ist es wichtig, auch einen guten Grundriss zu verwirklichen - dass man im Haus lange Sichtachsen und Ausblicke hat, dass bei kompakter Abmessung kein Gefühl von Enge aufkommt. Man muss innenarchitektonisch sehr bewusst planen. Und möglichst keine Unterkellerung in Erwägung ziehen, weil der Nutzwert im Vergleich zu den Kosten zu gering ist! Besser, Sie schaffen auf geschickte Weise Stauraum - zum Beispiel im Raum unter der Treppe. Man braucht auch nicht immer eine betonierte Bodenplatte, Streifenfundamente sind in vielen Fällen günstiger, das muss freilich immer im Einzelfall geprüft werden. Ein weiterer Faktor ist auch das Dach: Wählt man eine komplizierte Form mit vielen Erkern, Eckausbildungen und komplizierten Anschlüssen oder eine kompakte, geradlinige Form?

Gibt es eine Empfehlung fürs Baumaterial?

THOMAS DREXEL: Nein, das sollte man immer vom Einzelfall abhängig machen.

Was ist Ihr bester guter Rat für alle, die ans Bauen denken und dabei sparen müssen?

THOMAS DREXEL: Machen Sie nicht den Fehler, sich auf sogenannte Fachexperten zu verlassen, die meinen, sie wüssten, wie es geht. Es ist günstiger mit einem engagierten - gerne auch mit einem jungen -, freundlichen und fachlich auf höchstem Niveau arbeitenden Architekten zu planen. Haben Sie außerdem Geduld und reduzieren Sie Ihre Erwartungen, gerade was Fläche und Volumen angeht. Wenn Sie das nicht von vornherein machen, gibt es später die große Krise.

 

Foto © KK

 

Nachlese

Thomas Drexels neues Buch „Best of Low Budget Häuser“ (Dt. Verlagsanstalt, 30,90 Euro) zeigt 50 Projekte für zeitgemäßes Wohnen (der Großteil davon steht in Deutschland und Österreich) zwischen 20.000 und 300.000 Euro, vom kleinen Anbau bis zum großzügigen Familienheim.

 

 

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