Der Winter ist die Zeit der Ruhe – eine Verschnaufpause für Garten sowie Gartelnde. Nicht ganz, wie Wolfgang Palme, Abteilungsleiter für Gemüsebau an der Höheren Bundes- und Forschungsanstalt in Schönbrunn sowie Pionier des Wintergärtnerns erklärt: „Wir haben gelernt, dass im Herbst die Beete geräumt und die Ernte-Reste entfernt werden, damit der Boden ruhen kann. Man hat so ein beschauliches Bild vor Augen, das sich aber mehr an den eigenen Wollsocken und dem warmen Kamin orientiert und weniger an Boden und Pflanzen. Das gilt es zu durchbrechen, denn dem Boden geht es am besten, wenn er bewachsen und begrünt ist, wenn er durchwurzelt und belebt ist.“
So funktioniert es
Beim Wintergärtnern werden Sommer und Herbst gezielt als wichtige Wachstumszeit genutzt, damit Gemüsearten so weit entwickelt sind, dass man sie im Winter ernten kann. Wann angepflanzt wird, hängt jeweils von der Gemüseart ab. „Manche Gemüsearten muss man schon im Sommer setzen, damit man sie jetzt im Jänner ernten kann. Bei anderen hat man wiederum Zeit bis in den Herbst oder Spätherbst.“ Lesen Sie hier, wie Gemüse im Winter frisch und knackig bleibt.
Auslöser für die Forschungen zum Thema war eigentlich eine Panne, wie der Wissenschafter verrät. Vor 15 Jahren wurden Asiasalate in der Versuchsstation Zinsenhof, einer Außenstelle des Lehr- und Forschungszentrums Schönbrunn, getestet. Dafür wurden sie zeitlich gestaffelt angebaut, um mehr über die Flächenerträge zu erfahren. „Den letzten Satz, der im Herbst fertig werden und ausgewertet hätte werden sollen, haben wir aber leider stehen lassen müssen, weil uns der Winter vorzeitig erwischt hat. Und siehe da, die Salate sind nicht erfroren – sie waren sogar ziemlich frisch und auch knackig. Wir dachten uns: Wie konnten sie überleben? Seitdem forschen wir zu dem Thema.“
Wolfgang Palme und sein Team erarbeiteten im Laufe der vergangenen Jahre neue Anbautabellen, da die herkömmlichen Anbaustaffelungen den Winter bisher komplett ausgeklammert haben. Dabei zeigte sich, dass sich 77 Gemüse- und Kräuterarten für das Wintergärtnern eignen. Dazu zählen Klassiker wie Kohlgemüse, aber auch Frischgemüse erwies sich als wesentlich frosthärter als erwartet.
Prinzipiell, so Palme, lassen sich die winterharten Sorten in zwei große Gruppen einteilen: jene, die im Freien stehen können wie Mangold oder Freilandkräuter und jene, die ein Dach über dem Kopf in Form von Cloches, Frühbeetkästen, Hochbeethauben oder auch kalten Gewächshäusern brauchen. Hierzu zählt unter anderem das Feingemüse wie Salate oder Küchenkräuter. „Dieses Dach soll die Pflanzen in erster Linie vor Feuchtigkeit oder Schnee schützen und nicht vor Frost oder Schnee, wie vielleicht viele glauben“, führt der Experte aus. „Es geht um die Boden-, Blatt- und Luftfeuchtigkeit. Wenn es regnet und schneit, werden Blätter und Boden nass. Diese trocknen nicht gut und es kann zu unangenehmen Pilzkrankheiten kommen, die auch im Winter sehr massiv werden können. Zum Beispiel Grauschimmel, falscher Mehltau oder Fäulnis.“
Praktisch am Wintergärtnern: Die Pflanzen brauchen kaum Pflege, denn Düngen ist nicht notwendig, Gießen höchstens am Ende des Winters ein- bis zweimal. Außerdem, so Palme: „Was gibt es Schöneres, als den Garten ohne viel Aufwand rund ums Jahr zu nutzen?“