Als Kryotherapie bezeichnet man den gezielten Einsatz von Kälte, um therapeutische Effekte wie zum Beispiel Entzündungshemmung, Abschwellung oder Schmerzstillung zu bewirken. Auch Leistungssportler nützen sie – zum Regenerieren und als Trainingsvorbereitung.

Das Kärntner Unternehmen Panacool aus Gödersdorf bei Villach produziert das Equipment dafür: Kältekammern und zwar die "extremsten", die gebaut werden können – sie kühlen auf minus 110 Grad Celsius.

Panacool existiert seit 2019 und hat den Immunsystem-Boom durch Corona wirtschaftlich für sich verwertet. Panacool-Kabinen stehen mittlerweile in den Humanomed-Kurkliniken, bei Vivamayr in Maria Wörth und immer öfter auch in Privathaushalten. Richard Lugner und der deutsche Drogerieketten-Magnat Erwin Franz Müller haben sich eine einbauen lassen. Das Bundes­sport- und Frei­zeit­­zentrum Südstadt in Wien, eine Burn-out-Klinik bei St. Moriz in der Schweiz. Gerade hat das Kurzentrum Warmbad Villach eine bestellt, verrät einer der Geschäftsführer und Eigentümer, Manfred Pesek, während er gerade zu einem Kunden nach Salzburg fährt. 

© Panacool

Die Tatsache, dass medizinische Anwendungen in Wellness-Resorts verstärkt nachgefragt werden und diese sich damit wiederum eine zusätzliche Einnahmequelle schaffen können, verstärkt die Nachfrage. Eine Panacool-Kammer kostet samt Einbau 300.000 Euro. Hotels verlangen für eine dreiminütige Sitzung ihrerseits zwischen 50 und 70 Euro. Die meisten von ihnen – etwa 80 Prozent – leasen die Kabine und verdienen sich durch die Eintritte die Raten zurück. Laut dem Kurhaus Bad Gleichenberg, ebenfalls Panacool-Kunde, ist die Kryotherapie buchungsrelevant.

Die Kammer als Umsatzgenerator

Gleichzeitig dienen die Resorts und Kliniken dem Hersteller als coole Werbefläche. So hat die deutsche Unternehmerin Bianca Höschel, die auf Vivamayr-Kur in Kärnten war, sich in die Kabine verliebt und sie jetzt in ihr neues House of Beauty in Berlin einbauen lassen. Dort wiederum unterziehen sich neuerdings die Fußballer des 1. FC Union Berlin zweimal wöchentlich dem Kärntner Frostschock. Dass der britische Formel-1-Star Lewis Hamilton auf Instagram ein kurzes Tanzvideo aus der Panacool-Kammer postet und dazu "Nie so gut gefühlt" schreibt, kühlt die Attraktivität der Kryokammer nicht gerade ab. Auch nicht das sympathisch unverfrorene Posting des monegassischen Rennfahrers Charles Leclerc.

Panacool
Union Berlin-Spieler vor der Panacool-Kabine im House of Beauty in Berlin
© KK

"Die Nachfrage ist riesig. Jetzt geht es erst richtig los", sagt Pesek. Und: "Wir arbeiten an der Vergrößerung unserer Kapazität." Schon 2023 will er auf eine Jahresproduktion von 20 bis 30 Kabinen kommen. Wohlgemerkt: Panacool ist Assembler, also Zusammenbauer. Das Aggregat kommt von AMT Kältetechnik aus dem steirischen Kirchberg/Raab.

Posting von Lewis Hamilton in einer Panacool-Kältekammer
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