Pandemie, Personalmangel, Energiekrise, Inflation: Trotz all dieser schwierigen Umstände entscheiden sich in Kärnten auch in diesem Jahr viele Menschen dazu, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Schon im ersten Halbjahr waren es laut Daten der Wirtschaftskammer 1200 Personen - mehr als vor der Pandemie. Lucija Wakounig, Leiterin des Gründerservice der Kärntner Wirtschaftskammer hält das für „ein starkes Zeichen für den Standort Kärnten“.

Drei von vier Neugründern starten als Einzelunternehmer oder -unternehmerin. Knapp die Hälfte gleich hauptberuflich. Die beliebtesten Sparten für Gründer sind Gewerbe, Handwerk, Handel und Information sowie Consulting. 44 Prozent der Gründer sind Gründerinnen. 36 Jahre beträgt das durchschnittliche Alter der „Neustarter“ in Kärnten.

Lucija Wakounig, Leiterin des Gründerzentrums der Kärntner Wirtschaftskammer: "Starkes Zeichen für den Standort"
© Hannes Krainz

Gründung mit zwei Jahren Verspätung

Noch nicht einmal 30 Jahre alt ist Gründerin Ines Ganner (29). Die gebürtige Osttirolerin und studierte Psychologin hat gemeinsam mit Fabio Wilhelmer das Start-up NeedNect Solutions gegründet, das seinen Sitz jetzt in Liesing im Lesachtal hat. Es vernetzt Hotels und deren Gäste mit einer speziellen Software. NeedNect sollte eigentlich schon 2020 gegründet werden, schließlich entstand die Idee bereits 2019. Die Pandemie und die vielen Lockdown machten Ganner und ihren Geschäftspartnern aber einen Strich durch die Rechnung. Doch auch während den Lockdown entwickelte und perfektionierte das Kärntner Start-up das Produkt.

Schlussendlich erfolgte die Gründung Anfang 2022. „Für uns wäre es keine Option gewesen, noch länger zu warten“, sagt Ganner, die ebenso wie die anderen im Team in einem elterlichen Betrieb groß geworden ist. Aufgrund der derzeitigen Herausforderungen „läuft es nicht perfekt nach Plan“, aber schlaflose Nächste hat Ines Ganner trotzdem nicht.
Sie plant sogar bereits den NeedNect-Markteintritt in Slowenien. Warum hat sie gegründet? „Ich habe vorher als Angestellte in größeren Unternehmen gearbeitet. Die Entscheidungen haben mir immer zu lange gedauert.“ Angst? „Das Risiko gehört zum Unternehmersein dazu“, sagt Ganner.

Möbel aus Plastik

Auch Arno Trinkler, Absolvent der Wiener Universität für Bodenkultur, hat gemeinsam mit Wolfgang Rauter vor kurzem in Kärnten ein Unternehmen gegründet. Es nennt sich Trastic, hat seinen Sitz in Villach und vertreibt Möbel bzw. Einrichtungsgegenstände aus recyceltem Plastik über den eigenen Onlineshop: Weinständer, Esstisch, Couchtisch, Schneidebrett.

Arno Trinkl und Wolfgang Rauter Trastic Villach Moebel aus Kunststoffabfall
Möbel des Villacher Start-ups Trastic
© Trastic


Heike Glantschnig ist CEO des jungen Softwareentwicklers Alpsware mit Sitz im Lakesidepark in Klagenfurt, wo sich das Gründerzentrum build! um Start-up-Gründer kümmert. Alpsware hat das Ziel, Klein- und Mittelbetriebe bei der Digitalisierung zu unterstützen - also auch Gründer.