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Normalisierung erwartetAuch heuer soll kein "Insolvenz-Tsunami" über uns schwappen

Ob es 2022 wieder zu einem "normalen Insolvenzgeschehen" kommt, hängt auch davon ab, ob Finanz und Sozialversicherungen wieder Insolvenzanträge stellen. Deren Aussetzung könnte verlängert werden.

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Insolvenzantragspflicht könnte bis Ende September verlängert werden
Insolvenzantragspflicht könnte bis Ende September verlängert werden © Gina Sanders - stock.adobe.com
 

Nach dem Einbruch der Firmenpleiten seit Beginn der Coronakrise erwarten Experten der Creditreform nunmehr keinen "Insolvenztsunami" mehr, wenn staatliche Unternehmenshilfen und Eingriffe ins Insolvenzrecht auslaufen. "So lange die Eingriffe aufrecht sind, wird sich ohnehin nicht viel tun. Wenn die freien Kräfte wieder greifen, dann ist wieder ein normales Insolvenzgeschehen zu erwarten", so Gerhard Weinhofer von Creditreform Österreich. Damit sei spätestens 2022 zu rechnen.

"Vorerst rechne ich weiter mit zurückgehenden Firmeninsolvenzen", so der Fachmann bei einem Pressetermin am Donnerstag weiter. Er deutete zudem an, das die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht verlängert werden könnte. Derzeit läuft diese wie andere direkte Coronahilfen, Stundungen usw. bis 30. Juni. Möglich sei eine Verlängerung bis Ende September. Darüber gebe es politische Gespräche, "konkrete Informationen gibt es noch nicht", so Weinhofer. Die Gespräche wurden aus Regierungskreisen auf Nachfrage bestätigt. Der Ausgang ist aber offen. In Deutschland lief eine solche Regelung im Mai aus.

Rückstau von 2000 Firmeninsolvenzen

Alleine aus dem Vorjahr gibt es aus Österreich einen Rückstau von rund 2000 Firmeninsolvenzen. Statt rund 5000 bis 5200 Pleiten gab es nur rund 3000. "Es gibt also 2000 Firmen, die aufgrund der Coronamaßnahmen nicht pleitegegangen sind. Wann sich der Rückstau auflöst, kann man noch nicht sagen. Aber heuer zum Jahresende oder spätestens 2022 sollten wir in Österreich wieder einen Anstieg der Insolvenzen sehen."

Es hängt von Finanz und Versicherung ab

Viel werde davon abhängen, wie sich die Finanz und die Sozialversicherung verhalten, wenn sie wieder Insolvenzanträge stellen. Von dort kommen üblicherweise 95 Prozent aller Insolvenzanträge. In Deutschland seien die offiziellen Stellen "derzeit sehr zurückhaltend beim Anzeigen von Insolvenzen. Das wird absehbar auch so bleiben und trägt dazu bei, dass es keinen sprunghaften Anstieg der Firmeninsolvenzen gibt", erläuterte Patrik-Ludwig Hantzsch, Chef der Creditreform-Wirtschaftsforschung im deutschen Neuss.

Grundsätzlich sei es aktuell sehr wichtig, dass die Impfungen richtig angelaufen seien, so Weinhofer. "Das schafft Vertrauen bei Unternehmen und in der Bevölkerung - bei Firmen für die Investitionsbereitschaft, bei den Menschen für Konsum."

Einbruch in Österreich besonders hoch

Dass der Einbruch der Insolvenzen im Europavergleich in Österreich 2020 mit fast 41 Prozent besonders hoch war, ist laut Weinhofer nicht nur den hiesigen Wirtschaftshilfen geschuldet, sondern auch der vergleichsweise sehr guten Eigenkapitalausstattung von heimischen Betrieben. Nur Frankreich (-39 Prozent), Dänemark (-33,8) und Belgien (-32) verzeichneten in Westeuropa ansonsten Rückgänge von mehr als 30 Prozent. Italien (-28,5) und Großbritannien (-27,7) kratzten an der minus 30-Prozent-Marke. Gesamt ergab sich ein Minus von 26,9 Prozent.

Die Lage der Unternehmen selbst befinde sich allerdings auf einem historischen Tiefstand, sagte Hantzsch. "Seit der Weltfinanzkrise gab es keinen so dramatischen Einbruch der Lage bei Umsatz, Absatz und Aufträgen - ein Tiefstand seit 2008/09." Aber: "Die Erwartungen für eine Erholung sind sehr positiv. Es wird besser, so die Erwartung."

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