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Beschimpft, beleidigt, bedrohtZunehmende Gewalt gegen Handelsangestellte

Hohe Dunkelziffer bei Betroffenen. Probleme werden oft nicht gemeldet. Arbeitgeber gegen eigenen Gewaltschutzbeauftragten.

Handelsangestellte werden immer öfter Opfer von Gewalt © Robert Kneschke - stock.adobe.co
 

Beschimpfungen, Beleidigung und Bedrohungen gegenüber Handelsangestellten haben in den letzten Jahren zugenommen, warnte die Gewerkschaft für Privatangestellte (GPA-djp) in einer Pressekonferenz. Die GPA fordert Gegenmaßnahmen von Unternehmen und Respekt für die Arbeit von Handelsangestellten, auch von Kunden.

Angeschrien oder eingeschüchtert

Ein Viertel der befragten Handelsangestellten gab in einer IFES-Umfrage an, selbst schon am Arbeitsplatz angeschrien oder eingeschüchtert worden zu sein, geht aus einem Bericht des Meinungsforschungsunternehmens hervor. Mehr als 40 Prozent der Befragten haben derartige Situationen an ihrer Arbeitsstelle wahrgenommen. "Die Ergebnisse zeigen hier wirklich einen dringenden Handlungsbedarf auf", so GPA-Wirtschaftsbereichssekretärin Anita Palkovich.

Steigender Arbeitsdruck

Auslöser für die zunehmende Gewalt gegen Handelsangestellte sei vor allem der steigende Arbeitsdruck und zu wenig Personal: "Man darf hier nicht einfach nur wirtschaftliche Kennzahlen heranziehen, um Personaleinsatz und Ressourcen zu planen", so Palkovich. Außerdem ortet sie eine zunehmende Gewaltbereitschaft: "Je mehr sich Kunden hinter Anonymität verstecken können, desto niedriger ist auch die Hemmschwelle".

Dunkelziffer ist sehr hoch

Konkrete Zahlen könne man nur schwer nennen, "die Dunkelziffer ist sehr hoch. Viele kommen damit in Berührung, aber das wird vielleicht im Team besprochen, nicht irgendwie weitergemeldet", sagte dm-Betriebsratsvorsitzender Josef Hager.

Viele Arbeitgeber schauen weg

"Das Problem ist, dass sehr viele Arbeitgeberinnen sehr zögerlich mit dieser Problematik umgehen, beziehungsweise auch wegschauen", erklärte auch der Vorsitzende des GPA-Handelsbereichs, Martin Müllauer. Er fordert deshalb schnelle und unbürokratische Hilfe für Betroffene, eine Mindestbesetzung bei hoher Frequenz im Geschäft, einen Gewaltschutzbeauftragten in Filialen ab 20 Mitarbeitern und "gewaltfrei gestaltete" Arbeitsplätze, mit Rückzugsmöglichkeiten für Angestellte: "Ich fordere den Respekt, den alle ArbeitnehmerInnen verdient haben, auch für die Handelsangestellten".

Positive Beispiele

Auch den positiven Umgang einiger Unternehmen mit der Problematik betonen die Gewerkschafter. Als Beispiele nennen sie die Unternehmensgruppe Rewe und den Drogeriemarkt dm. "Das Thema ist ja nicht ganz schwarz und weiß: auf der einen Seite gibt es eben hier sehr gute Angebote und Unterstützungsleistungen für die Beschäftigen und auf der anderen Seite gibt es auch sehr zögerliches Herangehen an das Thema", erklärt Palkovich.

Weniger statt mehr Bürokratie

"Wir stehen selbstverständlich auch für einen respektvollen Umgang mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern." betonte der Obmann der Handelssparte der Wirtschaftskammer (WKÖ), Peter Buchmüller, in einer Aussendung am Donnerstag. Er verwies auf die (Lehr-)Ausbildung, mit der Mitarbeiter "bestmöglich vorbereitet werden". Sollte es dennoch zu Übergriffen kommen, sollen Betroffene rasche, unkomplizierte Hilfe bekommen. Einen eigenen Gewaltschutzbeauftragten lehnt die WKÖ jedoch ab, "wir stehen für weniger anstatt mehr Bürokratie".

Kommentare (10)

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paulrandig
1
5
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Unhöflichkeit ist NIE gerechtfertigt.

Auch ich habe gelegentlich etwas zu bemängeln.
In diesem Fall bemühe ich mich, zuerst IRGENDETWAS Positives zu finden, und sei es nur ein Bemühen oder ein anderes, besseres Einkaufs- oder Serviceerlebnis bei diesem Betrieb oder auch irgendeinen Aspekt, der in dem ganzen Thema wenigstens so funktioniert, wie er soll.
Dann kommt das "Aber". Wenn ich etwas bemängle, versuche ich zumindest eine mögliche strukturelle Ursache zu vermuten. Böser Wille ist es so gut wie nie. Manchmal ist es allerdings einfach harte Kalkulation, dass sich eh niemand beschwert oder gelegentliche Beschwerden billiger sind als etwas zu verbessern. Jedenfalls bekomme ich dann oft eine Bestätigung oder eine Korrektur.
Dann versuche ich, oft bewusst naiv, eine Lösung vorzuschlagen um zu zeigen, dass ich für alle das Beste will und es mir nicht nur ums Abreagieren oder Stunkmachen geht.
Sollte ich bei alledem den Eindruck gewinnen, dass mir das als Schwäche ausgelegt wird, ziehe ich die Schrauben an und betone, dass das durchaus ernst ist und dem Unternehmen Schaden zufügt, wenn Kunden so behandelt werden. Notfalls bleibt mir auch nichts anderes übrig als mich an die nächsthöhere Instanz zu wenden, wo das Spielchen erneut läuft.
Ich kann mit Worten gut umgehen und lasse mich nicht leicht in den Boden reden. Und das Schönste ist, dass es der "Gegner", wenn er als "Partner" behandelt wird, sehr schwer hat, auf Abwehr zu gehen und fast gezwungen ist zu kooperieren (hab ich von Columbo gelernt).

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Amadeus005
1
11
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Ich war auch etwas ungehalten - muss ich zugeben

Beim Telefonanbieter im Call Center. Nach 20 Minuten wurde abgehoben. Da muss ich sie in die Technik verbinden. Nach 10 Minuten: Da muss ich sie in die Kabelabteilung verbinden. Thema war aber schon vorher gleich. Nach 30 Minuten jemand, der mein Problem lösen konnte. Mein Problem? Ich bekam seit der Fusion im April die Rechnungen nicht mehr zugesendet ... Die Abbuchungen funktionierten aber schon ... Da hat die Art der Dame in der Hotline einfach dazu geführt, dass ich doch etwas intensiver erklärt habe, dass es wohl nicht mein Fehler sein kann.

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sandor026
0
8
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Ich kann Ihren Ärger nachvollziehen,

ist mir auch schon passiert. Das nächste Mal schreiben Sie vielleicht eine E-Mail. Geht schneller und wenn Sie dann ungehalten werden, besteht sogar die Chance, dass sie nicht einer unterbezahlten Call-Center-Mitarbeiterin den Job zur Hölle machen.

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semperubique
8
21
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es gibt leider oft aber auch situationen, wo du dich als kunde bschi..en vorkommst.

wer muss den ärger ausbaden?
eben der kleine handelsangestellte... und warum?
weil du als kunde genau weißt, dass du an keine kompetente entscheidungsperson herangelassen wirst.
die verschanzen sich alle in ihren klimatisierten abteilungsleiterbüros.

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brosinor
13
21
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Schrecklich

eine schreckliche Entwicklung!
Andererseits sind Handelsangestellte, egal welcher Branche, oft so dermaßen ungebildet und unwissend dass einemschon mal der Geduldsfaden reißen kann.
Ich wollte bei Spar ein Viertel von einem Fladenbrot. Die junge Dame wusste nicht wieviel ein Viertellaib ist......

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sandor026
0
7
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Feinkostmitarbeiter

Fragen Sie einen x-beliebigen Filialleiter, ob er einen Feinkostmitarbeiter sucht. Die Antwort wird ja sein. Weil er keinen kriegt. Und Warum? auch ganz klar - das ist ein Job, der wirklich nicht einfach und auch nicht gut bezahlt ist.

Eine Alternative als Kunde wäre ein Bauernladen oder eine kleine (!) Bäckerei oder Fleischerei zu besuchen. Dann bezahlt man natürlich mehr für die Serviceleistung, aber auch die Qualität sollte dann besser sein.

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semperubique
5
19
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ach ja, das kenn ich...

wollte mal zwei rindschnitzl für rindsrouladen beim spar.
angeboten wude mir als erstes rindslungenbraten.
ich sagte "rinsschnitzel"!
danach griff sie zum gulaschfleisch.
ich sagte "NEIN! rinsschnitzel"! und deutete auf das in der vitrine liegende schnitzlfleisch hin.
ok, irgendwie sind wir uns dann ja doch näher gekommen.
letztendlich konnte ich sie noch davon abhalten, mir die schnitzl nicht entlang der faser sondern gegen die faser zu schneiden...
aus den erwarteten 2 dünnen rinsdsschnitzeln zu etwa je 150g- max. 200g wurde es ein gesamtpaket von 900g.

ich hatte damals wirklich einen guten tag und war verständnisvoll. warum?, das weiß ich nicht mehr...

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Amadeus005
0
7
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Kommt mit bekannt vor

Ich hab mir das Fleisch im Ganzen geben lassen und Zuhause selbst aufgeschnitten

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erstdenkendannsprechen
6
24
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ist aber nicht wirklich schwer zu erklären

manchmal muss man halt ein wenig ausführen. das ist aber noch kein grund, unhöflich zu werden.

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ratschi146
3
47
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wo....

bleiben die guten Manieren und die Werte die jeder von uns als Kind mitgegeben bekommen hat?

Aber es zählt heute nur eins, I bin I.... also der pure Egoismus

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