Sie wollen Strom sparen, weil er so teuer ist? Sie drehen das Licht ab, wenn Sie einen Raum verlassen, um das Klima zu schonen? Oder Sie wollen einen Beitrag leisten, um das Risiko eines Blackouts zu reduzieren? Nein, Sie sind nicht falsch abgebogen. Stromsparen macht tatsächlich aus verschiedenen Gründen Sinn. Das Klimaschutzministerium und der Stromnetzbetreiber APG Austrian Power Grid geben Verbrauchern jetzt sogar ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie sehr konkret dazu beitragen können, hohe Spitzen im Verbrauch zu verhindern.

Über die Webseite energie.gv.at ist ab sofort ersichtlich, in welchen Zeitfenstern am nächsten Tag das Stromsparen besonders entlastend ist. Die gezielten Vorhersagen basieren auf den komplexen Wetter- und Rechenmodellen der APG. Spitzen in der Produktion aus Sonnen- und Windstrom sollen so besser ausgenutzt werden. Spitzenverbräuche zu den stärksten Zeiten ließen sich reduzieren. Mindestens fünf Prozent Strom könnte so gespart werden, erwartet APG-Chef Gerhard Christiner. Österreichs Gaskraftwerke müssten dann deutlich seltener anspringen, um die Spitzenbedarfe zu decken.

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"... dann ist damit viel geholfen"

"Wenn Sie die Möglichkeit haben, beispielsweise den Wäschetrockner nicht in der Hochverbrauchszeit zu starten, sondern das vielleicht auf 20 oder 21 Uhr zu verlegen, dann ist damit viel geholfen", sagt Christiner. Was für den Einzelnen gering wirken möge, sei in Summe aber nicht nur messbar, sondern ein signifikant wichtiger Beitrag.

Die allgemeinen Verbrauchsspitzen werden in Österreich zwischen acht und zwölf Uhr sowie von 17 bis 19 Uhr verzeichnet. Schon im Oktober waren fünf Prozent Einsparung ganz ohne "Werbung" gelungen. In den Spitzen liegt der österreichweite Verbrauch bei 10.000 Megawatt. Zum Vergleich: Ein Gaskraftwerk liefert etwa 500 Megawatt Leistung.

"Sicherstes Mittel, um gut durch den Winter zu kommen"

Dass der vergangene Oktober besonders mild war, hat für die zuletzt gelungene Einsparung übrigens keine maßgebliche Rolle gespielt. Die APG misst die Verbräuche über langfristige Zeiträume, üblicherweise gibt es da nur sehr geringfügige Abweichungen. 

Echtzeit-Apps anzubieten, wird eine Aufgabenstellung für die Energieversorger selbst sein. Erzeuger von Wechselrichtern und Batteriespeichern bei PV-Anlagen bieten bereits Apps an, die aktuelle Erzeugung und Verbrauch zeigen.

"Verbrauchsreduktion ist das sicherste Mittel, um gut durch den Winter zu kommen", so der Leiter der Sektion "Klima und Energie" im Ministerium, Jürgen Schneider. "Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Haushalte und der Unternehmen um die Bedeutung der Versorgungssicherheit wissen und entsprechend mitmachen."

Im Ministerium wird auch bereits an einem "Stromverbrauchreduktionsgesetz" gearbeitet. Es soll die Basis für ein Ausschreibungssystem für Unternehmen sein. Firmen können dann Verbrauchslasten aus Spitzenzeiten in Nicht-Spitzenzeiten verschieben, was finanziell honoriert werden soll.