Inszenierung ist Politik-Alltag, Erfolge wollen verkauft werden. Ist es ein Erfolg, wenn Bundeskanzler Karl Nehammer, Finanzminister Magnus Brunner und Klimaministerin Leonore Gewessler bei den Scheichs in Abu Dhabi vorbeischauen und eine Schiffslieferung LNG-Gas versprochen bekommen? Aber ja. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat das auch gemacht. Derart symbolträchtige Aktionen mögen einen zum Schmunzeln bringen oder nicht, sie gehören einfach zum Politikbetrieb.
Ein Schiff wird also kommen. Mit so viel Gas an Bord, wie 65.000 Haushalte in einem Jahr verheizen. Das ist natürlich nicht nichts, mengentechnisch aber verschwindend wenig für die Versorgung des Landes. Ein Erfolg ist die Mission dann, wenn sich Österreich mit größeren LNG-Mengen aus dem Mittleren Osten noch unabhängiger von russischem Gas machen kann – und wir parallel noch ein bisschen mehr Gas bei der Energiewende geben.

Dass die Mengen-Ausweitung auch gelingt, dafür ist in der Praxis die OMV zuständig, an der die Abu Dhabis über ihren Staatsfonds Mubadala 24,9 Prozent der Anteile halten.

Mehr Teil der Lösung als Teil des Problems

Wenn in Österreich in diesem Winter kein Gasnotstand droht und die Panikorchester leiser trommeln dürfen, dann ist das zu einem ganz bedeutenden Teil dem teilstaatlichen Konzern mit den heuer monströs gestiegenen Gewinnen zu verdanken. Bevor die Empörung über den Profit von 4,7 Milliarden Euro zu groß wird, darf dies gesagt sein: Die OMV ist in dieser Krise viel mehr Teil der Lösung als Teil des Problems.
Um einen „Solidarbeitrag“ aus dem Gewinn wird die OMV dennoch nicht umhinkommen. Auch das ist Teil der Lösung in einer gesamtgesellschaftlichen Betrachtung. Wie viel das sein wird, ist noch offen. Man wird dem Konzern schon nicht das „Weiße aus dem Aug’“ nehmen. Das wäre zumindest zu erwarten: Dass der Staat seinen eigenen Unternehmen, die investieren können und müssen, gerade in Zeiten einer möglichen Rezession nicht noch schadet.

So richtig Sinn würde ja ein massiv aufgestocktes Investitionsprogramm zur Nutzung der Geothermie machen. Die ersten beiden Projekte hat die OMV schon gestartet, aber hier ginge grundsätzlich an fast jeder Ecke in Österreich extrem viel mehr. Wer schon wie der Innviertler Flugzeugteilezulieferer FACC seine Prozesswärme großteils aus Geothermie bezieht, kann sich glücklich schätzen. Das Potenzial ist groß, hier wird sicher mehr kommen.

Ohne markige Ansagen ...

Was kommt eher nicht: Dass die OMV-Strategie 2030 gekippt oder der Konzern gespalten wird oder größere Teile abgetrennt werden. Nichts davon brächte Nutzen. Immerhin wurde ein politischer Fehler aus dem Frühjahr nicht wiederholt. Ohne markige Ansagen wird die erste Gewinn-„Abschöpfung“ bei der OMV ganz korrekt in Form einer Sonderdividende erfolgen. Das Timing war kein Zufall. So wurde der unausweichlichen Kritik am „Übergewinn“ schon etwas Wind aus den Segeln genommen.