Im April endete beim steirischen Anlagenbauer Andritz AG eine Ära, nach 27 Jahren als Vorstandschef verabschiedete sich Wolfgang Leitner in den unternehmerischen Ruhestand. Im Zuge der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen trat nun erstmals "das neue Gesicht" (Neo-Lenker Joachim Schönbeck über Joachim Schönbeck) vor die Presse. Und dieser hatte neben einem Gewinn- (auf 167,2 Millionen Euro) und Umsatzplus (auf 3,3 Milliarden Euro) auch gleich historische Zahlen im Gepäck.

Der Auftragsbestand der Andritz AG erreichte Ende Juni mit 9,9 Milliarden Euro nämlich ein neues Hoch. Das, obwohl der Konzern 80 Millionen aus bestehendem Russlandgeschäft ausbuchte. Neuaufträge aus Russland nimmt die Andritz bereits seit Längerem keine an. Eine völlige Abkehr aus dem Markt vollzog das Unternehmen allerdings nicht. "Es gibt natürlich noch Bestandsgeschäft", sagt Schönbeck auf eine Frage der Kleinen Zeitung. "Wir befinden uns ja nicht im Krieg mit unseren Kunden. Kunden, mit denen wir seit 100 Jahren Geschäft machen." Man werde in dem Umfang liefern, "in dem wir liefern dürfen".

Kunden hat der in Graz-Andritz verwurzelte, global agierende Konzern auch in Indien. Etwa "Greenko", den größten indischen Produzenten von Strom aus erneuerbarer Energie. Die Steirer zogen heuer einen Auftrag im "niedrigen dreistelligen Millionenbereich" (Schönbeck) an Land und rüsten ein neues 1680-Megawatt-Pumpspeicherkraftwerk aus. In Finnland wiederum bekam Andritz vom Zellstoffproduzenten Metsä Fibre den Zuschlag für die Lieferung der weltgrößten Anlage zur Produktion und Aufbereitung von Biomethanol.

Ein weiteres Werk wird bald in Indien stehen: Schematische Schnittdarstellung eines Pumpspeicherkraftwerkes
Ein weiteres Werk wird bald in Indien stehen: Schematische Schnittdarstellung eines Pumpspeicherkraftwerkes
© Andritz AG