Das Kurzarbeitsgeld, das derzeit – je nach Einkommen – zu 80, 85 oder 90 Prozent des Letztbezuges ausbezahlt wird, wird ab 1. Juli generell auf 90 Prozent erhöht. Zumindest aus Sicht der Arbeitnehmer. Unternehmen bekommen vom AMS 85 Prozent der Gesamtkosten für die Ausfallsstunden.

Auf diese Regelung verständigten sich nun die Sozialpartner. Die Einigung für die sogenannte "Nettoersatzrate" gilt bis Ende 2022, spruchreif wurde das heute im "Ö1-Mittagsjournal". Die Wirtschaftskammer wollte eigentlich bei der bestehenden Regelung mit dem Korridor von 80 bis 90 Prozent bleiben, hat am Ende aber der Gewerkschaftsforderung "90 Prozent für alle" zugestimmt.

Mit der Attraktivierung ist jedenfalls auch eine strengere Kontrolle verbunden. Wer ab nächsten Monat Kurzarbeit braucht, muss vorher ein dreiwöchiges Beratungsverfahren beim AMS absolvieren, in dem Alternativen aufgezeigt werden sollen. Als Beispiele führte AMS-Chef Johannes Kopf heute den Abbau von Zeitguthaben und Überstunden oder Bildungskarenz an. In Regionen mit hohem Fachkräftemangel könnte auch die Kündigung eine Alternative sein. Wenig Bedarf nach Kurzarbeit werde gesehen, wenn nur einzelne Mitarbeiter dafür gemeldet werden.

Derzeit sind rund 28.000 Personen in Kurzarbeit, bei gleichzeitig fast 140.000 offenen Stellen, die beim AMS gemeldet sind.

Twitter-Dialog zwischen Franz Schellhorn und Johannes Kopf
Twitter-Dialog zwischen Franz Schellhorn und Johannes Kopf
© Screenshot/Twitter

Kritische Stimmen ließen am Mittwoch nicht lange auf sich warten. "Eine Einladung für Unternehmen, für Kapazitätsschwankungen die Steuerzahler aufkommen zu lassen", ortet indes Agenda-Austria-Chef Franz Schellhorn. "Inhaltlich kann ich's auch nicht nachvollziehen", antwortet ihm per Twitter Johannes Kopf. Auf Schellhorns Argument, wonach die Regierung das Kurzarbeitsgeld auf 90 Prozent des Letztbezugs "erhöht" hätte, sagt Kopf: "Die Regierung hat nichts erhöht. Unsere Förderung ist unverändert. Die Sozialpartner haben sich darauf geeinigt, dass die Kurzarbeitenden mehr vom Unternehmen bekommen."

Mittlerweile ließ Johannes Kopf eine ausführlichere Erklärung folgen: