Der deutsche Volkswirt Alexander Krüger spricht bereits von einem "Konsumschlamassel". Der enorme Inflationsanstieg erschwere es vielen Privathaushalten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Folge: Sie kaufen weniger, streiken sogar beim Kauf von Lebensmitteln. Diese Käuferzurückhaltung ist auch in Österreich zu spüren – besonders bei Bio- und höherpreisigen Lebens- bzw. Genussmitteln. Man lässt das weg, worauf man verzichten kann. Das könnte jetzt ausgerechnet die Erdbeeren in die Bredouille bringen.

"Die Menschen müssen sparen. Erdbeeren gönnt man sich oder gönnt man sich nicht", sagt Siegfried Quendler, Obstbau-Chef in der Kärntner Landwirtschaftskammer. Zugleich steigen die Kosten für die Bauern: vor allem bei Dünger und Diesel, den sie für die Traktoren brauchen, mit denen sie die Felder bestellen, die Zäune aufziehen und das Stroh einstreuen. 60 Hektar Erdbeer-Felder gibt es in Kärnten insgesamt. "Dünger ist zum Teil doppelt so teuer wie im Vorjahr", sagt Kärntens größter Erdbeerbauer Ronny Weber, der die Marke "Erdbeerland" hierzulande exklusiv nutzen darf. Er betreibt 13 Felder auf 18 Hektar Fläche. Weber musste die Preise für Selberpflücker heuer um zehn Prozent anheben – auf 3,40 Euro pro Kilo. Ab acht Kilo verlangt er 2,85 Euro. Doch die Pflückmengen gehen tendenziell zurück. Mit vorgepflückten Erdbeeren sei es sowieso schwierig. Dazu kommen die mühsame Personalsuche und die gestiegenen Personalkosten. Weber sieht zwar nicht "Rot", "aber einfacher", sagt er, "wird das Erdbeergeschäft nicht". Und dabei hat er das Wetter-Risiko noch nicht erwähnt. Vier Frostjahre liegen hinter ihm bzw. seinen Feldern. Vorige Woche hat der Hagel einige seiner Flächen verwüstet. Er ist nicht dagegen versichert – zu teuer.

Brigitta Mikl: "Teurer Spaß"
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Um jene Erdbeeren, die gepflückt verkauft werden, vor Regen und Trockenheit zu schützen, hat sich Familie Mikl aus Riegersdorf Erdbeer-Stellagen geleistet – eine Art Hochbeet. Der geschützte Anbau sei allerdings "ein teurer Spaß", sagt Brigitta Mikl. Die vier Felder bzw. vier Hektar, die unter Mikl's Erdbeereck zum Selberpflücken bereit sind, haben gerade erst aufgesperrt.

Während die deutsche "Bild"-Zeitung bereits den "Erdbeer-Wahnsinn" ausgerufen hat, weil das Angebot heuer viel höher sei als die Nachfrage, hofft Mikl dennoch auf eine gute Saison und sagt: "Der Konsument hat es in der Hand. Wenn er sich schon Erdbeeren leistet, dann sollten es doch heimische sein."