Mehr als 500 Milliarden Euro Umsatz und mehr als zwei Millionen Angestellte. So viele wie kein anderer Konzern auf diesem Planeten. Hat man es mit US-Handelsgigant Walmart zu tun, stehen numerische Spitzen an der Tagesordnung.

Auch die aktuellste Investition des US-Konzerns hat es in sich. Gebaut werden in den nächsten drei Jahren gleich vier "fulfillment centers", also hoch automatisierte Distributionszentren mit jeweils mehr als 100.000 Quadratmetern Fläche. Von einer "neuen Ära" spricht man bei Walmart deswegen. Allein mit diesen vier Zentren erreicht der Konzern nämlich "75 Prozent der US-Bevölkerung" binnen zwei Tagen. Vom Moment der Online-Bestellung bis zur Auslieferung aus einem der neuen Logistiktempel soll es "weniger als 30 Minuten dauern".

So soll eines der neuen Logistik-Zentren aussehen
So soll eines der neuen Logistik-Zentren aussehen
© Walmart

Hintergrund der Offensive Walmarts: Auch im US-Handel verändert sich die Struktur – und Amazon treibt die Branche gewaltig vor sich her. Der Trend hin zu mehr E-Commerce bedingt wiederum eine höhere Automatisierung in den Lagern. Am Ende des Tages gilt es, bestellte Ware möglichst schnell zu den Kunden zu bringen. Gefragt sind deswegen Logistikzentren mit komplexen Anforderungen und einem besonders hohen Warendurchsatz als Ziel. Sprich: Heiß begehrt sind jene Lösungen, mit denen sich die steirische Knapp AG in den letzten Jahren einen Namen machte. Ein Name, der nun global noch stärker nachhallt. Denn der US-Riese Walmart setzt in Sachen Lager-Logistik in allen vier Zentren auf die Knapp AG aus Hart bei Graz.

Das Zusammenfinden mit Walmart geschah kontinuierlich, wie Knapp-Manager Heimo Robosch, als "Executive Vice President" in der Geschäftsleitung tätig, im Gespräch mit der Kleinen Zeitung schildert. Über mehrere Jahre lief das Projekt, in dessen Zuge 2020 gar eine Art "Testlager" in New Jersey eröffnet wurde. Die steirische Logistik-Technologie überzeugte und führte Walmart zum Ergebnis, dass man die "Anzahl der bearbeiteten Kundenbestellungen an einem Tag verdoppeln konnte". So kam es zum Zuschlag und der Partnerschaft in den vier neuen Großstandorten.

Knapp-Manager Heimo Robosch
Knapp-Manager Heimo Robosch
© Knapp

Deren Bau soll eine der größten Investitionen sein, die Walmart je in einem Zuge tätigte. Vielleicht ist es gar die größte, so wirklich weiß man es nicht. Geht es um Finanzierungs- und Auftragssummen, übt sich der US-Riese gerne in Stillschweigen. So auch diesmal. Dass es für die Knapp AG allein ob des Ausmaßes ein Milliardenauftrag ist, scheint naheliegend. Bestätigen oder dementieren kann es dennoch niemand der Beteiligten. Nur so viel: Es sei jedenfalls der "größte Einzelauftrag" in der Geschichte des 1952 gegründeten steirischen Logistikers.

Und dieser soll nicht der letzte sein. "Eine langfristige Beziehung mit Walmart ist das Ziel", sagt Robosch. Der auch mit einem Nachzieheffekt anderer Kunden rechnet: "In der Branche schauen viele, was die ganz Großen machen."

1000 neue Mitarbeiter sind wohl nicht das Ende

Die Walmart-Lager selbst werden sukzessive "live" gehen. Das kleinste, in Illinois, wird noch heuer im Sommer in Betrieb genommen, im Frühjahr 2024 soll das letzte offiziell ans Walmart-Netz angeschlossen werden. In den riesigen Hallen selbst wird dann Knapps Lager- und Kommissioniersystem "OSR Shuttle Evo" die zentrale Rolle spielen. Und dafür sorgen, dass die Millionen Artikel, die in den Lagern schlummern, schnell und effizient zur Verfügung gestellt werden.

Bei Knapp selbst löste der Auftrag freilich abermals einen starken Mitarbeiterimpuls aus. Allein im Vorjahr stellte das Unternehmen, wie berichtet, 1000 neue Beschäftigte an. Heuer werden wohl ziemlich sicher wieder einige dazukommen.

Walmart setzt auf steirische Logistik-Technologie
Walmart setzt auf steirische Logistik-Technologie
© Walmart/Lubetkin