Drei ErfolgsbeispieleVom Lehrling zum Chef in derselben Firma

Sie schätzen die Lehre als Basisausbildung und machten den ganz großen Karriereschritt: Drei Beispiele für den beruflichen Aufstieg vom Lehrling zum Chef.

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Philipp Pötz, René Standmann, Jürgen Klingenschmid
Philipp Pötz, René Standmann, Jürgen Klingenschmid © KK (3)
 

Am elterlichen Hof in der Nähe des Pyramidenkogels sei seine Affinität zu Lebensmitteln als etwas Schönes gereift. Daher entschied er sich zunächst für die Landwirtschaftliche Fachschule Stiegerhof, später für eine Lehre bei Österreichs größtem Fleischverarbeiter, der Spar-Tochter Tann, die in Föderlach bei Villach eines von sechs Werken in Österreich betreibt.
Auch dort sah er den Mythos vom „groben Fleischer“ widerlegt. „Die Fleischerei ist etwas, wofür man Feingefühl braucht“, sagt René Standmann. „Und zwar nicht nur in Bezug auf die Zubereitung von Gewürzmischungen. Die Fleischerei ist ein schönes Handwerk. Maschinen können das nicht, auch keine Roboter.“ Der Fleischer: kein bloßer Knochenjob.

2005 begann der heute 33-Jährige die Lehre bei der Spar-Tochter. Er blieb, führte mehrere Abteilungen, darunter die Slicerei, wo die Servieraufschnitte gemacht werden. Fertig abgepackte Wurstaufschnitte also, die unter Reinraum-Bedingungen produziert werden. 2009 machte er seinen Meistertitel. Weil sein Vorgänger in Pension geht, wurde der zweifache Familienvater jetzt zum neuen Betriebsleiter und Chef des 280 Mitarbeiter starken Zerlegebetriebes bestellt, der aktuell gerade wieder fünf Lehrlinge ausbildet.

Auf den Spuren Fielmanns

Blaumann abgelegt, Nadelstreif angezogen? Das ist bei Standmann ohnehin kein Thema, denn durch die Hygieneschleusen des Fleischverarbeiters kommt er auch als Chef nur mit Schutzkleidung und Kopfschutz. In seiner neuen Funktion möchte er die hohe Qualität des Betriebs erhalten, ebenso wie das gute Betriebsklima: Weit mehr als die Hälfte der Belegschaft sind langjährige Mitarbeiter, die gekommen sind, um zu bleiben. „Ich habe keinen Tag bereut. Und ich kann nur jedem zu einer Lehre raten. Mein eigenes Beispiel zeigt, dass einem alle Karriereschritte offen stehen.“

Vom Lehrling zum Chef: Standmann reiht sich in eine lange Liste von zum Teil berühmten Persönlichkeiten, die aus einem Handwerksberuf zum Unternehmensleiter aufstiegen. Im selben Unternehmen. Günther Fielmann hat eine Optikerlehre gemacht, dm-Gründer Götz Werner ist gelernter Drogist.

Pichler Werke: 90 Prozent der Chefs mit Lehre

Auch Philipp Pötz, seit 2017 Geschäftsführer der Pichler Werke in Weiz, ist ein eindrucksvolles Beispiel für eine Karriere mit Lehre. Der vor 120 Jahren gegründete Traditionsbetrieb mit 200 Mitarbeitern ist spezialisiert auf Gebäudetechnik und Anlagenbau, national und international. „Dass ich den Betrieb von der Pike auf kenne, ist für meine jetzige Rolle ein Vorteil. Ich weiß um die Probleme bei der Aufgabenstellung draußen bei den Monteuren.“

Seine Lehre zum Elektrotechniker startete Pötz 2003 im Betrieb, den Lehrabschluss machte er 2007. Mittlerweile hat er ein FH-Studium nachgelegt und ist Diplomingenieur.

Als Basisausbildung hält der 33-jährige Familienvater die Lehre für „grund-gut“. „So viel Praxis kann man mit keiner anderen höheren Ausbildung nachholen. Eine Erfahrung, die einem keiner mehr nehmen kann.“ Die Pichler Werke selbst – sie ziehen in diesen Tagen in ein neues Betriebsgelände um – bilden derzeit 40 Lehrlinge aus, tragen das Zertifikat „Staatlich ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb“ und führen gerne an, dass 90 Prozent ihrer Führungskräfte eine Lehre gemacht haben.

Lehre verbinde "Wissen, Vorzeigen und Anpacken"

Was vor 40 Jahren mit einer Lehre zum Bürokaufmann begann, ist eine Bilderbuchkarriere geworden: Jürgen Klingenschmid (55) wird Anfang nächsten Jahres alleiniger Geschäftsführer des Sauna-Produzenten Klafs Österreich mit 65 Mitarbeitern. „Das Produktfeld Sauna hat mich von Anfang an fasziniert. Ich wurde von meiner Chefin Laura Kober sehr gefordert und gefördert. Sie ließ mich an allen Betriebsprozessen teilhaben“, so der Vater von zwei Töchtern. In weiterer Folge „bin ich mit dem Unternehmen mitgewachsen“. 1997 übernahm er gemeinsam mit Monika Kober die Geschäftsführung. Ein wertvolles gemischtes Doppel, das sich nun auflöst. Kober tritt Anfang 2022 ihren Ruhestand an. Klingenschmid bleibt.

Über die Lehre sagt der Vertriebsprofi, der auch selbst gerne in die Sauna geht: „Sie ist eine wertvolle Ausbildung, die Wissen, Vorzeigen und Anpacken verbindet. Mit einer Lehre kann man ein abwechslungsreiches, erfolgreiches und gut honoriertes Berufsleben mit Karriere schaffen.“ Er selbst ist das beste Bespiel dafür.

Kommentare (3)
hkgerhard
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Ich schlage Lehre als Basisausbildung für Politiker vor

Mit weniger Akademikern würde es auch in der Politik besser laufen. Wir bräuchten nämlich weniger Theoretiker, dafür aber mehr Anpacker, und Menschen mit Hausverstand. Basisausbildung

melahide
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Leider

stirbt das ja komplett aus. Lehre machen, ein paar Jahre arbeiten, sich dann Selbständig machen. Vor allem weil das die Kunden nicht mehr wollen. Was wirklich schade ist.

Balrog206
0
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Mel

Bitte was meinst du mit deiner Aussage ?