Retourware wird teils zerstörtAnzahl der zurückgeschickten Pakete in Österreich explodiert

Fast jedes vierte transportierte Packerl ist eine Rücksendung: 2020 wurden in Österreich um 44,5 Prozent mehr Pakete an Händler zurückgeschickt als ein Jahr davor. Weil zudem immer wieder Retourware zerstört wird, fordern Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace jetzt von der Politik ein "Vernichtungsverbot für neuwertige Ware".

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Die Retourenquote steigt bei Paketen überproportional
Die Retourenquote steigt bei Paketen überproportional © Daria Nipot - stock.adobe.com
 

Lockdown-Zeiten sind Paket-Zeiten: Schon seit geraumer Zeit wächst der heimische Paketmarkt, in den vergangenen Monaten legte die Zahl noch einmal rasant zu. Dazu kommt, dass eine Online-Bestellung zunehmend auf mehrere Pakete aufgeteilt wird, weil die Waren aus unterschiedlichsten Lagern kommen oder nicht gleichzeitig verfügbar sind.

Den exaktesten Branchenblick haben in Österreich diesbezüglich die Marktanalysten von "Branchenradar". Wie Geschäftsführer Andreas Kreutzer im Gespräch mit der Kleinen Zeitung schildert, wurden 2020 in Summe 139 Millionen Pakete von Händlern an heimische Privathaushalte versendet. Zusätzlich kam es im größten Paket-Segment zu einer stattlichen Anzahl von 46 Millionen retournierten Packerln. Um 44,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Ein "überdurchschnittlich starkes Wachstum bei Retouren-Paketen" sieht man daher auch bei Branchenradar. "Fast jedes vierte transportierte Paket" sei 2020 eine Rücksendung gewesen. Bei der Post, dem österreichischen Pakete-Marktführer, bestätigt man naturgemäß steigende Zahlen in Sachen Retouren. Als Rücksendungsquote nennt das Unternehmen auf Nachfrage "zehn Prozent".

Bücher oder Elektronik werden kaum retourniert

"Als Treiber der Retouren fungiert vor allem das Bekleidungsgeschäft", sagt indes Branchenspezialist Kreutzer. Sprich: Jemand bestellt beispielsweise online Hosen in unterschiedlichsten Farben und Größen, behält sich aber am Ende nur eine davon. Der Rest wird zurückgeschickt. "Kaum" Retournierungen sieht Kreutzer, der seine Zahlen direkt von den ausliefernden Betrieben einholt, zurzeit bei Büchern oder Elektronikwaren. 

Die steigende Anzahl von Retouren ruft auch Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace auf den Plan. In einer Hochrechnung kommt Greenpeace nämlich zum Schluss, dass im Vorjahr 1,4 Millionen der zurückgeschickten Pakete im Bereich Kleidung und Elektronik von Amazon und Co. vernichtet wurden. In erster Linie, weil es für die Konzerne günstiger sein soll, die Ware zu zerstören, als sie wieder zu lagern. Die Umweltschützer fordern daher von der österreichischen Bundesregierung ein Vernichtungsverbot für neuwertige Ware.

"Amazon und Co. überschwemmen den Markt mit Billigware und animieren zu Impulskäufen, die immer häufiger zurückgesendet werden", kritisiert Greenpeace. Die Online-Giganten würden zu diesem Thema eher schweigsam sein.

Unito will nur "im Promillebereich" vernichten

"Auf Anfrage von Greenpeace zu konkreten Zahlen, hat Zalando nicht geantwortet, der Versandhändler Unito berichtet, dass retournierte Ware 'im Promillebereich' vernichtet wird. Amazon verweist auf seinen Unternehmensblog. Während Amazon dort behauptet, nur in Ausnahmefällen Waren zu vernichten, zeichnen die Recherchen von Greenpeace ein anderes Bild. Mindestens eine Lkw-Ladung nicht verkaufter Versandartikel landet allein an einem einzigen Amazon-Standort in Deutschland jede Woche im Müll", kritisiert Greenpeace-Expertin Lisa Panhuber.

Wie Greenpeace auf die Zahl der vernichteten Pakete kommt? Die Organisation verweist auf das Institut für Ökologie und Politik. Dieses habe 2021 für das Europäische Umweltbüro (EEB) eine Studie veröffentlicht. Dort schätzt man, dass bei Textilien zehn bis 20 Prozent und bei Elektroartikeln vier bis zehn Prozent der Rücksendungen entsorgt werden. Daraus rechnete Greenpeace die Menge für Österreich hoch. Im Jahr 2020 sind den Zahlen der Umweltschützer zufolge hierzulande 1,31 Millionen Pakete mit Textilien und rund 120.000 Pakete mit Elektroartikel vernichtet worden.

Kommentare (27)
pescador
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Das wäre leicht zu beheben

Rücksendungen dürfen für den Besteller nicht gratis sein.

yzwl
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Greenpeace

soll sich lieber um ihre Wassertaxis kümmern, ich werde denen nichts mehr spenden.

SeCCi
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wait,

wait!

woher kommen die zahlen bitte?

eine (grüne) NGO _schätzt_ zahlen und greenpeace rechnet daraus die entsorgungsmenge für österreich hoch? und SOWAS soll seriös sein?

wenn ich in meiner beruflichentätigkeit schätze und daraus hochrechne bekomm ich maximal die kündigung und keine mediale aufmerksamkeit .oO

gberghofer
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Habe bei UNITO gearbeitet

Die Zahlen stimmen bei Modeartikel. Das ist keine Phantasie.

Hako2020
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Und

wieviel wird nach Weihnachten beim heimischen Handel
umgetauscht oder zurück gegeben?

achimausgraz
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Unsinn.

Bei allem Respekt vor Greenpeace-Aktivitäten … hier reiten sie ein Pferd, das es nicht gibt: Retouren werden schon aus wirtschaftlichen Gründen zu 99 Prozent aufbereitet und wieder angeboten/verkauft. Alles Anderslautende ist schlicht falsch.

hbratschi
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endlich...

...aufhören mit den gratis retouren. beim jetzigen system werden die potentiellen kunden geradezu zum bestellen und zurückschicken "eingeladen". der großteil der kunden denkt dann weder an umwelt noch sonstwas sondern nimmt das angebot nach dem motto "kost ja nix" dankend an...

Vordersdorf
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Einmal ehrliche Gleichberechtigung.



Es gibt für Frauen Vorteile bei PKW Versicherungen.

Für die Rücksendungen sind erwiesen Frauen verantwortlich.
Ein Bonussystem nur für Männer im Internet wehre logisch.

Ba.Ge.
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Vorteile für Frauen bei der Versicherung?

Kann ich mir nicht vorstellen… Wie kommen sie darauf? Das wäre ganz klar Diskrimierungen und daher wohl nicht verwirklichbar.

Was eventuell der Fall sein dürfte, dass Frauen eher schwächere Autos fahren als Männer und daher durchschnittlich weniger zahlen.

melahide
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Leider

gibt es ja keine bequeme regionale Alternative. Wäre doch gut, gäbe es zb für Graz ein Portal, wo ich das PRODUKT das ich suche angeben kann und das dann zentral bestellen kann. Gerne auch mit Abholubg, Postversand oder Radkurier. Derzeit kann man immer nur nach Geschäften suchen. Nicht nach Produkten …

Hildegard11
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Warum keine Ökoabgabe für Rücksendungen?

Der Staat hebt 20 € pro Rücksendung ein und basta.

Guccighost
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Bestellen und retour senden

Aber Freitags auf die Straße gehen

erstdenkendannsprechen
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weil das ganz bestimmt die gleichen sind, oder wie?

mit sicherheit kaum: die fff-demonstranten sind zum großteil noch nicht im erwerbsleben und können somit wenig eigenständig "bestellen". das machen schon die "älteren".
und noch was: auch bei den jugendlichen gibt es den großen teil jener, die sich um nichts schert. die, die demonstrieren, können sie mit denen nicht in einen topf werfen.
woher der hass auf jene, die dorthin zeigen, wo es sinn macht genau zu schauen?

Hapi67
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Ein krankes System

für kranke Menschen.

100% Kundenservice zum schnellsten Termin und günstigsten Preis, zu Lasten der Mitarbeiter.

Aber für den eigenen Vorteil darf dies gerne ausgeblendet werden.

Vielen Dank

yzwl
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Keiner

wird gezwungen dort zu arbeiten, wer nichts anderes kann muss halt dort arbeiten.

erstdenkendannsprechen
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sehr aufschlussreich

sind die rotstrichler. wenn jemand von ihnen den mumm hat sich zu äußern, warum er rot gegeben hat? mich würde das einfach brennend interessieren.

Horstreinhard
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Greenpeace schwurbelt halt auch so vor sich hin

Hochrechnen aus Annahmen - einfach unseriös

SANDOKAN13
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Hab noch nie

online was bestellt. Viel zu kompliziert, und aufwendig beim zurückschicken. Schaus mir im Shop an und kaufe analog. Hab noch nie was zrückgeben müssen. Die Onlinegesellschaft is einfach meschugge.

pinsel1954
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Wer etwas zurückschickt.....

...sollte gesetzlich verpflichtet sein, das Rückporto zu bezahlen.
Dann würde sich so macher/ manche übelegen gewisse Dinge zu bestellen, besonders Kleidung. Das würde dann automtisch auch der heimischen, stationären Wirtschaft zugutekommen.

SagServus
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Wer etwas zurückschickt sollte gesetzlich verpflichtet sein, das Rückporto zu bezahlen.

Es gibt im Fernabsatzgesetz als Konsument nur die Regelung, dass man das Produkt nach 14 Tagen zurückgeben kann. Der Händler ist aber nicht verpflichten dir das Rückporto zu ersetzen.

Ein Gesetz würde also nix daran ändern. Der gratis Rückversand ist ein Kulanzangebot des Händlers.

kukuro05
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krank

krank

krank

Steiermark14
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Heimische Wirtschaft

Bevor die lieben Leute die heimische Wirtschaft und den Handel vor Ort unterstützen wird lieber bei Amazon bestellt, den absolut schlimmsten Arbeitgeber den es gibt, beutet die Leute aus ùberwacht sie, ist noch ein großer Umweltsùnder, zahlt so gut wie keine Steuern , dafùr kann er seinen Hals nicht vollkriegen, bei so einem habe ich noch nie bestellt und werde ich auch nie bestellen, da unterstütze ich lieber die heimische Wirtschaft.

yzwl
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Wenn

der heimische Handel auch so Konsumentenfreundlich wird, kann ich wieder hier kaufen.

SagServus
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Bevor die lieben Leute die heimische Wirtschaft und den Handel vor Ort unterstützen wird lieber bei Amazon bestellt,

Wollte mir vor kurzem das neue Album vom Fendrich kaufen.

Am Bestelltag:

Shöpping: nicht gelistet
Libro: nicht gelistet
Thalia: 18€ exkl. Versand
Amazon: 13€ exkl. Versand

Ich hatte also die Wahl zwischen einem deutschen Buchriesen und Amazon.

Ich würde gerne oft die heimischen Händler unterstützen. Sie machens aber einem auch oft sehr schwer.

grolini
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vollkommen richtig

ich habe bei Conrad ein Produkt gesehen und den zuständigen Verkäufer gesagt, dass ich dies erst zuhause ausprobieren müsste ob es passt. Er sagte: "kein Problem sie können es jederzeit zurückgeben" - dafür gibt es aber nur eine GUTSCHRIFT!
Das gleiche Produkt habe ich dann bei Amazon bestellt - es hat leider zuhause eben nicht meinen Wünschen entsprochen und ich habe es zurückgesendet - KEINE GUTSCHRIFT, sondern GELD RETOUR!
Ich habe dies auch vorher den Conrad-Verkäufer gesagt, naja er kann nichts ändern
That's it

Jondrick
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Ja genau…

..den nächsten Fernseher kauf ich wieder beim Bauern.

 
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