Nach Ankündigungen für WienHandel erfreut, Gastronomen fassungslos, Hoteliers empört

Gastro-Branche sieht Weihnachtsgeschäft verloren und fordert Unterstützung – Nachtgastro "perspektivlos". Hotels sehen "sachbefreite" Entscheidung. Handel hofft auf Umsätze.

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CORONAVIRUS: THEMENBILD WIENER GASTRONOMIE
CORONAVIRUS: THEMENBILD WIENER GASTRONOMIE © (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
 

Sehr unterschiedlich sehen Handel, Hotels und (Nacht-)Gastronomie in Wien die Ankündigungen von Bürgermeister Michael Ludwig zum Ende des Lockdowns. Der Handel, der am 13. Dezember öffnen soll, ist zufrieden. Teils harsche Kritik gibt es von der Gastronomie und der Hotellerie, die keinen sachlichen Grund dafür erkennen, erst später wieder arbeiten zu können. Auch die Nachtgastronomie fordert eine Perspektive, wann wieder geöffnet werden darf.

Der Gastronomie fehlt jedes Verständnis, dass man erst am 20. Dezember öffnen darf, sagte Obmann Peter Dobcak. Dadurch, dass die Gastronomie nicht am 13., sondern erst am 20. Dezember öffnen dürfe, sei für sie die Weihnachtssaison vorbei. Denn über die Feiertage sei Familienzeit, da werde mehr gekocht und die Verwandtschaft besucht, so Dobcak, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Wien, zur APA. Die Branche fordere daher einen hundertprozentigen Umsatzersatz und flankierende Maßnahmen wie die Verlängerung der fünfprozentigen Mehrwertsteuer – nachdem wegen des Lockdowns die Gastronomie davon bisher nur beschränkt profitieren konnte. Außerdem sollten die Lohnnebenkosten gesenkt werden "und das beginnt einmal bei den Kommunalabgaben in Wien, denn da hat der Herr Bürgermeister direkt einen Einfluss darauf", so Dobcak.

Empörung in der Hotellerie

Mit heller Empörung reagieren die Hoteliers auf die Ankündigung des Wiener Bürgermeisters, die Hotels eine Woche länger geschlossen zu halten als den Handel. "Das halte ich für eine völlig sachbefreite und falsche Entscheidung", sagte Michaela Reitterer, Chefin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Gerade in Wien sei das absurd, da Wien eine vorbildliche Infrastruktur für PCR-Tests habe, eine österreichweit sehr niedrige Corona-Inzidenz und es in Wien noch keinen Hotel-Cluster gegeben habe. Nun würden die Gäste ins Ausland abwandern, der wirtschaftliche Schaden sei noch nicht einmal abschätzbar.

"Wir können das nur begrüßen"

Erfreut reagierte nur Margarete Gumprecht, Obfrau der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Wien. Sie sagte zur Regelung, wonach der Handel am Montag für Geimpfte und Genesene wieder aufsperren darf: "Wir können das nur begrüßen." Es sei zwar "bitter", dass die Gastronomie nicht zeitgleich öffnen könne und das werde auch Umsatz kosten, aber Gumprecht geht davon aus, dass die Menschen nach dem Lockdown "gezielt einkaufen gehen werden". Ein Teil des Umsatzes sei zwar an Online-Geschäfte verloren gegangen, viele Menschen hätten sich aber inzwischen online informiert und würden in die Geschäfte gehen, schon wissend, was sie wollen. Besondere Freude macht dem Handel der offene Sonntag am 19. Dezember.

Nach allen bisherigen Ankündigungen wird der Lockdown nur für Geimpfte und Genesene (2G) enden. Die Kontrolle, wer allenfalls ungeimpft ist, sei zwar "eine sehr große Herausforderung", aber eine Besprechung der Handelsobleute habe "eine Bereitschaft gezeigt, sich Gedanken zu machen, wie man das kontrollieren kann", so Gumprecht. Die größte Katastrophe wäre es, wenn es noch einen Lockdown gäbe, aber "bevor wir noch einmal zusperren, muss man einfach eine Lösung finden, wie man es besser kontrolliert". Und, so Gumprecht zuversichtlich: "Wir haben schon vieles gelöst in Österreich und werden auch das lösen können."

Nachtgastro beklagt "Perspektivlosigkeit"

In der Club- und Discoszene herrscht indes "nach wie vor Perspektivlosigkeit", beklagte Nachtgastronomiesprecher Stefan Ratzenberger. Nun gehe es endlich darum, "eine Ansage" zu bekommen – etwa wonach man einhergehend mit der Umsetzung der Impfpflicht wieder öffnen dürfe, forderte er im Gespräch mit der APA. "Wir brauchen Planungssicherheit", so Ratzenberger, der daran erinnerte, dass die Nachtlokale bald – mit einer nur kurzen Unterbrechung – seit zwei Jahren geschlossen haben. Auch er forderte weitergehende staatliche Hilfen. Man rechne damit, schlussendlich mit 2G-plus wieder öffnen zu dürfen. Nur wann – das ist offen.

Kommentare (40)
wischi_waschi
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Hoteliere

Vielleicht kapiert Ihr es ........
Eure Wirtschaftsvertretung ist die schwächste die es je gegeben hat........
Aber , man sieht halt im Wirtschaftsblatt immer noch die Gastwirte herauslachen.....
So wird es Euch doch nicht so schlecht gehen......
Ich, persönlich merke mir die Gasthäuser die nur Geimpfte bedienen.......
Werde diese Lokale für immer meiden.......

david965bc
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Werdet nicht wie Ross und Maultier, die ohne Verstand sind. Mit Zaum und Zügel muss man ihr Ungestüm bändigen, sonst folgen sie dir nicht.

Dieser um die 3 tausend Jahre alte Bibelvers passt zur Pandemie.

In Österreich geht es scheinbar nicht ohne Zügel, damit es zu keiner Überlastung der Intensivstationen kommt.

Beim Klimawandel wird es womöglich ohne Zügel auch nicht gehen.

Landbomeranze
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Wenn der Ludwig die Gastronomie und Hotels

erst später aufmachen lässt, dann zahlt er den Verdienstengang hoffentlich aus seinem Gemeindebudget und nicht wir den Wienern.

stimmtnicht
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Absolut verständlich!

Bitte, regt euch endlich mehr auf! Die Gastro, Frisöre, Floristen,.....etc. waren sicher NIE die Virustreiber! Bei einem Lockdown hätten auch die Schulen für 2 Wochen in Distanz Learning gehen müssen. Die Schule musste offen bleiben, wobei offensichtlich war, dass da die höchste Inzidenz ist.
Denkt mal drüber nach.....
Abgesehen davon, bin ich strikt gegen eine Impfpflicht 🙂.

UHBP
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@stim...

Ich bin eigentlich auch gegen eine Impfpflicht.
Der Staat sollte sich nicht einmischen und die Entscheidung der Bürger respektieren und akzeptieren.
Wenn sich jemand freiwillig gegen die Medizin (Impfung, ICU) entscheidet, dann sollten das die Politiker aber auch die Ärzte akzeptieren.
Freiwillig Ungeimpft sollte für das medizinische Personal der Hinweis sein:
"Lasst es die Natur regeln - pfuscht mit der Intensivmedizin nicht rein!"
Das wäre dann ja auch gelebte (wenn's gut geht und sonst auch OK) Eigenverantwortung

checker43
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Der

Handel darf ja aufsperren. Und die Gastro war wesentlicher Treiber der Pandemie, wie Untersuchungen aus den USA und Deutschland zeigen. Nur weils in Ö nicht untersucht wurde (oder die AGES alle unbekannten Infektion in den Haushalt schiebt), heißt das nicht, dass es in der Gastro kaum Infektionen gegeben hätte.

regiro
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Die Empörung der Hotellerie kann ich verstehen.

Hier haben sich gute und konsequente Konzepte durchaus bewährt und werden auch kontrolliert.
Solange sich aber in der Bottega bei uns um die Ecke im hinteren Teil des Ladens noch immer die Altherrengruppe trifft und auch bewirtet wird und am Tennisplatz munter gegrillt und gefeiert wird trotz Lockdown, solange wird das Vertrauen in die Gastro nicht da sein. Meinem Gefühl nach sind hier die schwarzen Schafe in der totalen Überzahl.

david965bc
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Ein hohes Maß an privaten Kontakten führt zu hohen Zahlen an Neuinfizierten,

die private Kontakte gehen dann zurück, wenn die Intensivstationen voll sind.

Die privaten Kontaktbeschränkungen sind das einzige, was schnell die Zahl der Neuinfizierten runterbringt.

Das kann man eben nur dann etwas kontrollieren, wenn auch die Geschäfte zu sind.

Aber wenn die Bürger freiwillig ihre privaten Kontakte reduzieren, auch wenn die Geschäfte offen sind, dann braucht man die Geschäfte nicht zu schließen.

Eine vernünftige Gesellschaft ist eben notwendig, wenn man Lockdowns vermeiden will.

david965bc
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Die Impfpflicht muss deshalb in Österreich kommen,

weil die Gesellschaft und alle politischen Parteien nicht zur Triage bereit sind.

Wir wollen lieber die Triage als die Impfung, das sollte eigentlich der Leitspruch der Impfgegner sein. Aber die Impfgegner haben gar nicht den Mut, dieses so auszusprechen.

david965bc
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Wenn die Bürger freiwillig die privaten Kontakte reduzieren,

dann kann man viel öffnen.

Diese Eigenverantwortung funktioniert in Schweden, aber nicht in Österreich.

Balrog206
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Bist

Du öfter in Schweden ?

romagnolo
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Ja

.

david965bc
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Die Schweden werden unterrichtet,

wenn die Lage schlimm ist, und die Bürger befolgen das in der Regel.

Wenn das freiwillig eingehalten wird, dann braucht man eben keine Geschäfte schließen.

So funktioniert das in Schweden, habe ich gehört.

retepgolf
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Das hätten sich

den Ludwig seine Vorgänger nicht getraut!
Beim Zilk hatten’s die Lokale überhaupt nie zugesperrt….

Schladming47
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Extrawurst

Warum muß Wien immer eine Extrawurst machen? Kann man nicht mal Österreich weit die gleichen Regeln machen? Da kennt sich keine Sau mehr aus

romagnolo
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Weil der Ludwig die Sau rauslassen will,

er will zeigen, dass eine Pandemie von Landeshäuptlingen bekämpft werden will. Lächerlich

lucie24
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Ludwig

Rücktritt!

lucie24
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Unbegründet zulassen

ist also OK?

rb0319
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@lucie

Hab ich was verpasst? Die Zahlen auf den Intensivstationen steigen weiterhin(!), mit welcher Begründung soll jetzt schon aufgesperrt werden? Wollen Sie im Jänner den nächsten 3 bis 4-wöchigen Lockdown? Also ich nicht!

KVKG
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Rb0319

Den habens sowieso. Das Aufsperren ist nur temporär, Unsere Angestellen in der Poilitik werden noch vor Silvester wieder alles zudrehen. Also laberns nicht herum und sinds froh, dass ein paar Tage geöffnet ist.

lucie24
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Begründung:

Infektionszahlen auf Talfahrt.

UHBP
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Die Branche fordere daher einen hundertprozentigen Umsatzersatz und flankierende Maßnahmen wie die Verlängerung der fünfprozentigen Mehrwertsteuer

Ja sicher. Dann ist der nächste Südafrikaurlaub auch wieder gesichert.
Warum nicht gleich 200%?

levis555
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…und eine goldene Uhr für jeden Unternehmensführer dazu…

Wegen der ganzen unbilligen Härten…

rb0319
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100% Umsatzersatz bei Mitarbeitern in Kurzarbeit

Sonst haben die aber keine Schmerzen, oder?

ronin1234
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Reaktion

Aus virologischer Sicht das beste. Voriges Jahr begann der Lockdown bei 700 Intensivpatienten und jetzt öffnet man bei 700.

redlands
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Und? Schweden hatte KEINEN „lockdown“ (kann das Wort nicht mehr hören…man ersetze es durch „Unfähigkeit“)

Hierzulande entwickelt sich schleichend ein neues Krankheitsbild: der „lockdownjunkie“…; wie geifernd sich viele über die weitere Gastroschliessung freuen…weil ja alle nur Säufer sind, welche dorthin gehen…; wie schon zuvor die Raucher auch alle nur Säufer waren…; sehr eigenartig

 
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