Materialengpässe E-Bikes, Mixer, Matratzen & Co.: Viele Produkte bleiben Mangelware

Knapp gewordene Halbleiter, aber auch Stahl und Kunststoffe stecken in vielen Konsumgütern - von Elektrogeräten bis hin zu Matratzen. Sie sind nicht mehr überall zu haben oder mit längeren Lieferzeiten verbunden. Wo es hakt, wo es klemmt. Ein Überblick.

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© (c) mmphoto - stock.adobe.com (Sebastian Rothe)
 

Die Verbraucher bekommen die Materialengpässe im Zuge der Coronakrise zusehends zu spüren. Knapp gewordene Halbleiter, aber auch Stahl und Kunststoffe stecken in vielen Konsumgütern - von Elektrogeräten bis hin zu Matratzen. Diese sind nicht mehr überall zu haben oder mit längeren Lieferzeiten verbunden - ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft. Viele Einzelhändler befürchten negative Folgen. Und, es drohen neue Störungen durch den Mangel an Abgasreinigungsmitteln für Lkw. Hier ein Überblick, wo es akut hakt:

HAUSHALTSGERÄTE

Die Hersteller der sogenannten Weißen Ware leiden sehr unter dem globalen Mangel an Halbleitern. "In den Geräten steckt eine Menge Elektronik drin. Verbraucher müssen sich auf längere Lieferzeiten für ihr Wunschgerät einstellen, aber keiner muss jetzt den Waschzuber herausholen", versichert Werner Scholz, der beim deutschen Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) für Elektro-Haushalt-Großgeräte zuständig ist. Die Hersteller hoffen, dass sich die Situation im ersten Halbjahr 2022 erholt. "Die Lage ist angespannt, aber nicht katastrophal. Man muss als Verbraucher flexibel sein und sich umschauen, dann bekommt man auch schnell einen neuen Geschirrspüler." Die Auswahl sei aber deutlich kleiner als vor einigen Monaten.

FAHRRÄDER

Besonders lang dürften die Lieferprobleme im Fahrradhandel währen. Wer einen neuen Drahtesel oder ein E-Bike möchte, muss mit Wartezeiten rechnen. Einer Umfrage des Ifo-Instituts zufolge erwarten die Händler noch 18 Monate lang Lieferschwierigkeiten.

HOLZ

Die Holzindustrie meldet zwar leichte Entspannung bei Preisen für Schnittholz. Jedoch verteuerten sich fast alle anderen Rohstoffe und Vorprodukte der Holz- und Kunststoffindustrie. Knapp sind auch Klebstoff und Verpackungen: "Mit einer deutlichen Entspannung der Versorgungs- und Preissituation ist auch in den kommenden Monaten nicht zu rechnen", warnt der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie.

PAPIER

Lieferprobleme treffen auch den Papiermarkt, so dass sich zur Papierherstellung notwendige Rohstoffe wie Altpapier oder Zellstoff überdurchschnittlich verteuern. Die Großhandelspreise für sogenanntes gemischtes Altpapier haben sich im September binnen Jahresfrist mehr als verdreifacht. "Die Altpapierpreise gehen durch die Decke", heißt es beim Verband der Papierindustrie. Zeitungsverlage dünnen bereits ihre Blätter vorübergehend aus, um Papier zu sparen. So reduziert etwa die Lüneburger Zeitung den Umfang, das Mindener Tagblatt kappt das TV-Programm und die Terminseiten. Der DuMont-Verlag ("Kölner Stadt-Anzeiger", "Express") hatte ähnliche Schritte angekündigt.

NUDELN

Durch die Missernte im Hauptexportland Kanada, aber auch in Frankreich und anderen wichtigen Erzeugerländern fehlen dieses Jahr auf dem Weltmarkt etwa zwei bis drei Millionen Tonnen Hartweizen, schätzt der deutsche Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS. Das hat unmittelbar Auswirkung auf den Markt. "Hartweizen ist verzweifelt gesucht", sagt VGMS-Geschäftsführer Peter Haarbeck. "Die Nudelregale im Supermarkt werden in den kommenden Monaten nicht leer sein. Das Angebot wird aber schon jetzt deutlich kleiner."

MATRATZEN

Die Mehrheit der Matratzenhersteller ist stark von globalen Materialengpässen betroffen und geht davon aus, dass diese bis weit ins Jahr 2022 hineinreichen werden, wie eine Sprecherin des Fachverbands der Matratzen-Industrie sagt. "Die Lage ist angespannt." So seien Rohstoffe zum Teil nicht verfügbar und es fehlten Transportmöglichkeiten. Bei manchen Containerschiffen gebe es Preissteigerungen von 400 Prozent. Zudem stiegen die Kosten für Produkte wie Polyurethan-Schaum, Garne, Stoffe, Federkerne, Aluprofile oder Verpackungsmaterialien aus Papier, Pappe und Kunststoff seit Ende 2020 stetig.

Die Lieferprobleme haben laut Verband verschiedene Ursachen: Neben Corona auch Dürren und Naturkatastrophen. So gebe es etwa für die in Deutschland beliebten Kaltschaum-Matratzen für ein bestimmtes Produkt nur eine Handvoll Lieferanten. Einer davon sei durch einen Hurrikan massiv beeinträchtigt worden, so dass die Produktion viel geringer als üblich ausgefallen sei.

BAUMÄRKTE

Viele Baumärkte haben ihre Lager hochgefahren und spüren derzeit Entspannung im Vergleich zum Frühjahr und Frühsommer, als es auch Lücken im Regal gab. Dennoch gehen viele Ketten auf Nummer sicher, um Kunden das volle Angebot zu bieten. So will Hornbach kein Risiko eingehen, dass das Weihnachtssortiment aus Asien per Container zu spät kommt. "Wir haben mehr Geld in die Hand genommen, um Waren mit der transsibirischen Eisenbahn über Russland nach Deutschland zu holen", sagt ein Konzernsprecher. Offen sei, ob das für die Kunden teurer werde. Grundsätzlich würden höhere Kosten zum Teil weitergereicht, hieß es. Der Wettbewerb in Deutschland sei aber extrem stark und werde vor allem über den Preis ausgetragen.

ABGASREINIGUNGSMITTEL

Der Mangel an dem für viele Lkw und Busse benötigten Abgasreinigungsmittel AdBlue treibt die Logistikbranche um. In einem Schreiben an den deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) warnte sie jüngst vor einem "drohenden Versorgungskollaps" angesichts des AdBlue-Mangels. Ein flächendeckender Engpass hätte "dramatische Folgen für ca. 90 Prozent der Lkw-Verkehre in Deutschland, aber auch für Busse, die auf AdBlue angewiesen sind", heißt es in dem Schreiben vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo). "Die Fahrzeuge müssten faktisch stehen bleiben, da sie ohne AdBlue nicht mehr betrieben werden dürfen." Die Lieferketten wären dann akut gefährdet, die Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen nicht mehr sicher. Auch der Personennahverkehr, die Bustouristik und der Fernlinienbusverkehr stünde infrage.

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