Wifo-Prognose bis 2026Gute Aussichten für Österreichs Wirtschaft, doch Risiken bleiben

Neue Mittelfrist-Prognose: Österreichs Wirtschaft soll bis 2026 um jährlich 2,6 Prozent wachsen, Arbeitslosigkeit sinkt. Ökosoziale Steuerreform und Zwangssparen als Treiber.

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Österreichs Wirtschaft wächst bis 2026 laut Prognose um jährlich 2,6 Prozent
Österreichs Wirtschaft wächst bis 2026 laut Prognose um jährlich 2,6 Prozent © Doreen Salcher - stock.adobe.com
 

Nimmt man Maß an der neuen Mittelfrist-Prognose des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), stehen Österreichs Wirtschaft außerordentlich gute Jahre mit kräftigem Wachstum und sinkender Arbeitslosigkeit bevor. Über den Prognosezeitraum (2022 bis 2026) erwartet das Wifo einen jährlichen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 2,6 Prozent. Gegenüber dem Euro-Raum sehen die Forscher einen Wachstumsvorsprung von 0,2 Prozent. Damit wird Österreichs Wirtschaft sich auch deutlich besser erholen als es in der Zwischenkrisenperiode 2010–2019 der Fall war, damals betrug das Wachstum im Schnitt nur 1,5 Prozent pro Jahr.

Bereits seit dem Frühjahr, mit dem Abklingen der letzten Covid-bedingten Rezession, setzte eine deutliche Erholung der internationalen Wirtschaft ein, eine Lokomotive, die auch Österreichs Wirtschaft mitgezogen hat. Dazu kommen positive Effekte wie die Investitionsprämie und der Investitionsfreibetrag sowie die Steuerreform, die in den kommenden Jahren die Inlandsnachfrage weiter stimulieren werden.

Stark inlandsgetriebenes Wachstum

„Das BIP-Wachstum ist sehr stark inlandsgetrieben von Konsum und Investitionen“, sagt Wifo-Experte Josef Baumgartner. Bei der Entlastung der Haushalte durch die ökosoziale Steuerreform erwartet das Wifo einen Anstieg von 2,8 Milliarden Euro im Jahr 2022 – 1,2 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens – auf 7 Milliarden (2,5 Prozent mehr für Haushalte) bis 2026. Im Vollausbau entfallen 15 Prozent der Entlastung auf das unterste Haushaltseinkommensdrittel, 36 Prozent auf das mittlere und 49 Prozent auf das oberste Drittel. In Summe sieht das Wifo-Modell eine über den Prognosezeitraum eine kumulierte Entlastung von knapp 27,5 Milliarden Euro.

Mehr als 50 Milliarden Euro stehen den Haushalten durch Zwangssparen und Steuerreform zur Verfügung.

Josef Baumgartner

Privater Konsum wächst 2022 kräftig

Besonders kräftig soll der private Konsum im nächsten Jahr wachsen, nämlich um real 6,4 Prozent. Zu einem wesentlichen Teil ist das auf den „Rebound-Effekt“ zurückzuführen, da von Jänner bis Mai 2021 Lockdowns teilweise den Konsum verhinderten und nach einem Halbjahr des Zwangssparens der Aufholeffekt kräftig ausfallen soll.

Wifo-Experte Baumgartner sieht neben der Entlastung durch die Steuerreform auch einen Corona-Sparpolster der Haushalte im Ausmaß von knapp 25 Milliarden Euro. Liquides Geldvermögen, das für den Konsum ausgegeben wird; daher soll anfangs nur ein Viertel des durch die Steuerreform zusätzlich verfügbaren Einkommens ebenfalls im Konsum landen, das Gros wird vorerst der Vermögensbildung zugeführt und soll erst über längere Zeit in den Konsum fließen. Die Sparquote dürfte daher mit Steuerreform auf 6,2 Prozent steigen, ohne läge sie nur bei 4,9 Prozent.

Risiken gibt es freilich jede Menge, meint Baumgartner: „Die Pandemie kann uns einen Strich durch die Rechnung machen.“ Im globalen Maßstab sind es die schwachen Durchimpfungsraten in Entwicklungsländern und die Gefahr einer Mutation, die die Impfung wirkungslos machen könnte; national würde ein ganzer oder teilweiser Ausfall der Wintersaison den Prognosen zuwiderlaufen. Auch eine eskalierende Immobilienkrise in China könnte Schockwellen durch das globale Finanzsystem schicken, warnt Baumgartner. Steigende Energiepreise und weiter brüchige Lieferketten könnten das erwartete Wachstum ebenfalls noch bremsen.

Inflation 2022: 3,1 Prozent

Die Inflation sehen die Forscher bei 3,1 Prozent im Jahr 2022, das Budgetdefizit sollte 2022 von 6,3 Prozent (2021) auf 2,4 Prozent sinken und 2026 auf 0,4 Prozent zurückgehen. Die Steuerreform erhöht das Defizit um jährlich 0,6 Prozentpunkte. Die Staatsschuldenquote soll bis 2026 von 83,8 auf 71 Prozent sinken.

Erfreulich fällt die Prognose auch für den Arbeitsmarkt aus: Das BIP-Wachstrum von 5 Prozent 2022 schlägt sich in 2 Prozent mehr Beschäftigung nieder; die Arbeitslosenquote wird von 9,9 Prozent 2020 auf 6,1 Prozent (2026) sinken, trotz um jährlich 1,1 Prozent steigendem Arbeitskräfteangebot.

 

Kommentare (2)
mtttt
0
8
Lesenswert?

Interessant

dass die Verwerfung durch den Arbeitskräftemangel auf allen Ebenen kein Konjunkturrisiko darstellen soll. Für mich ist es eine absolute Wachstumsbremse, nicht einmal ein geregelter Zuzug kann mehr helfen, um die Lücken zu füllen. Das wird die größere Herausforderung des Jahrzehnts. In einer Zeit, in der in immer kürzeren Zeitabständen Krisen auftreten, sind solche Prognosen so oder so fraglich.

huckg
6
4
Lesenswert?

Wahnsinn pur

Da hören wir, dass unser Planet auf eine Klima- und Umweltkatastrophe zusteuert und feiern gleichzeitig einen Wirtschaftswachstum welcher auf Energieverbrauch, vor allem von fossilen Energieträger aufbaut. Unser System des Konsums um jeden Preis ist nicht auf alle Menschen am Planeten skalierbar, aber wir freuen uns dass der "private Konsum" in Österreich um 6% steigen wird! Die Gier und Dummheit unserer Wirtschaftsbosse, der Politiker und Entscheidungsträger ist einfach unglaublich. Und das einfache Volk applaudiert. *#Kopfschütteln*