Keine Kapazitätsbeschränkungen, keine Abstandsregeln mehr: Heimische Skiberge sollen in diesem Winter beinahe wie früher erobert werden. Lediglich die FFP2-Masken in den Warteschlangen vor den Liftanlagen und bei der Auffahrt werden uns daran erinnern, dass nach wie vor eine Pandemie wütet. Neu ist, dass die gewohnte 3-G-Regel auch an bzw. in den Aufstiegshilfen gilt. Doch jede Regel ist nur so gut, wie sie eingehalten und kontrolliert werden kann.

Der 3-G-Nachweis soll beim Verkauf von Eintrittskarten überprüft werden. Klingt gut, doch bekanntlich gibt es aber nicht nur Tages- und Stundentickets, sondern auch Wochen- oder Saisonkarten. In diesem Fall soll der gültige 3-G-Nachweis auch "stichprobenartig kontrolliert" werden. Wer macht das, wann und wie oft? Das kann man ja bis zum ersten echten Wintereinbruch klären, oder? Wirklich beruhigend ist diese latente Unsicherheit bei der Auffahrt in der nicht mehr kapazitätsbeschränkten Gondel nicht. 3-G-Regeln, angepasst an den 3-Stufen-Plan bzw. die Auslastung der Intensivbetten, werden - teilweise verschärft durch PCR- statt Antigentests (wie in der Nachtgastronomie) - auch in Aprés-Ski-Lokalen und auf Weihnachtsmärkten gelten.

Der Wintertourismus, das war die zentrale Botschaft von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), wird in diesem Jahr stattfinden. Dafür am 20. September einen Plan vorzulegen ist um keinen Tag zu früh. Das Leitprinzip, dass für Geimpfte und Genesene kaum mehr Einschränkungen (mit Ausnahme der FFP2-Maske) gelten, zieht sich durch das Konzept durch.

Zumindest Erklärungsbedarf löst die Bestimmung aus, wonach zwar Gäste ab Stufe 2 (tritt bei einer Intensivbettenauslastung mit Coronapatienten von 15 Prozent oder höher in Kraft) kein Aprés-Ski-Lokal mehr besuchen dürfen, ungeimpfte Mitarbeiter aber sehr wohl noch bei zünftiger Hüttengaudi ausschenken werden - wenn die sich dreimal pro Woche PCR-testen lassen. Ein Passus, den man auch als "Lex Personalmangel" bezeichnen könnte. 

Eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Aprés-Ski-Cluster von Ischgl, der massiv zur weltweiten Verbreitung des Virus im März 2020 beitrug, soll sich also der Winter 2021/2022 für Geimpfte und Genesene wie damals anfühlen, Aprés-Ski inklusive. Ob sich das angesichts nach wie vor viel zu niedriger Impfraten wie geplant durchziehen lässt? Es wird letztlich auch an der Konsequenz der Kontrollen und Schärfe von Sanktionen liegen, ob dieser Skiwinter den Gästen die erhoffte Erholung bringen wird.

Wenn jedoch im Aprés Ski-Lokal im Winter so lax kontrolliert wird wie in der Gastronomie oder im Handel im Sommer und Herbst, dann wird dieser Plan nicht halten. Ein Ischgl 2.0 braucht freilich niemand, daher gilt es, schnellstmöglich nachzubessern.