Am Standort Großwilfersdorf geht es jetzt Schlag auf Schlag. Im September wird der dort ansässige Fertigbau-Spezialist „Haas“ eine neue, sogenannte „Abbundanlage“ in Betrieb nehmen. Die stetig steigende Nachfrage an Dachkonstruktionen, Wandelementen und Leimholzprodukten hatte die Investition über 1,5 Millionen Euro und die damit einhergehende Kapazitätserweiterung notwendig gemacht. Die Anlage, der umfangreiche Umbauarbeiten im Werk vorangegangen waren, ermöglicht nun „auch komplizierteste Bearbeitungen an Balken und Platten durchzuführen und wir sind für jegliche Anforderungen im Abbund, Riegelbau und Ingenieurholzbau“, wie seitens der Geschäftsführer Robert Frischer und Stefan Theissl betont wird. Man sei jetzt in der Lage, „fix fertige Bauteile in nahezu unbegrenzter Bearbeitungsmöglichkeit durch modernste Technik und in höchster Präzision aus einer Hand zu liefern“.

Eine rasche und wirtschaftliche Montage auf Baustellen können durch den hohen Vorfertigungsgrad garantiert werden. Die Abbundkapazität von Haas Fertigbau werde um 3000 Kubikmeter pro Jahr gesteigert.

Bisher größte Investition steht bevor

Dieser Millionen-Investition soll im Mai/Juni 2022 die nächste folgen. Und zwar die größte in der Standortgeschichte. Konkret ist die Errichtung einer neuen automatisierten Produktionslinie für Wandelemente im Hausbau geplant. Gut fünf Millionen Euro soll in dieses Großprojekt fließen. Frischer betont: „Die neue zukunftsweisende Wandlinie ist – neben unserem neuen Traumhauszentrum und der neuen Abbundanlage – die größte Investition, die wir an unserem Standort in der Steiermark tätigen.“ Dies sei auch als klares Bekenntnis zu Großwilfersdorf zu verstehen. Aktuell beschäftige man mehr als 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, rund 20 zusätzliche Arbeitsplätze ziehe diese Investitionsoffensive nach sich. Digitalisierung und Automatisierung spielen eine Schlüsselrolle. Auf 7500 Quadratmetern Fläche erfolge die Fertigung von Wandelementen für den Hausbau wie auch für den Gewerbe- und Wohnungsbau.

Geschäftsführer von Haas Fertigbau, Stefan Theissl und Robert Frischer
Geschäftsführer von Haas Fertigbau, Stefan Theissl und Robert Frischer
© (c) Anja Koenig

Knapp 90.000 Quadratmeter Wand können mit der computergesteuerten Hochpräzisionsanlage, die eine millimetergenaue Wandfertigung ermöglicht, pro Schicht gefertigt werden. Das entspricht rund 250 Häusern, bis zu zwölf Metern Länge und 3,5 Metern Höhe sei alles möglich. „In nur vier Monaten soll die neue Produktionslinie aufgestellt und justiert werden. Das wird eine Meisterleistung aller beteiligten Personen“, sagt Theissl.

Explodierende Preise, hohe Unsicherheit

Die Auftragslage bei Haas hat sich zuletzt rasant entwickelt, man liege rund 40 Prozent über dem Vorjahr. Die aktuelle Situation präsentierte sich dennoch herausfordernd, betont Theissl. Wie in vielen anderen Bau- und Industriesegmenten steht auch Haas unter dem Eindruck eines Mangels von zentralen Fertigungsmaterialien sowie geradezu explodierender Preise, „die daraus resultierende Unsicherheit ist riesig“, so Theissl, zumal hier auch Festpreisgarantien ein Gegensteuern schwierig machen. Diese Gemengelage werde im laufenden Geschäftsjahr wohl eine Ergebnisdelle nach sich ziehen. Vor allem die Holzpreise, in einigen Bereichen liege das Plus bei 200 bis 400 Prozent, sowie auch Plattenwerkstoffe oder Sandwich-Paneele hätten sich seit Monaten massiv nach oben geschraubt. Das spüre man sowohl bei Fertigteilhäusern als auch bei landwirtschaftlichen Gebäuden, wo der Holzanteil in der Regel noch höher sei. Zwar zeichne sich eine leichte Entspannung in puncto Verfügbarkeit ab, „die Preise werden aber hoch bleiben“, prognostiziert Theissl.

Nicht eben einfach gestalte sich auch die Suche nach Fachkräften, „wir suchen händeringend nach weiteren Technikern, aber auch nach handwerklichen Facharbeitern“. Eine ganz zentrale Rolle nehme daher auch die Ausbildung von Lehrlingen ein.