Globale Abhängigkeit Werksschließung in Vietnam kostet Adidas 500 Millionen Euro

Seit geraumer Zeit lassen Sportartikelhersteller in Billiglohnländern fertigen. Das wird jetzt Adidas zum Verhängnis. Aus Sorge vor Corona ließ die Regierung in Vietnam alle Produktionsstätten schließen.

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Adidas lässt viele Schuhe in Vietnam produzieren
Adidas lässt viele Schuhe in Vietnam produzieren © AFP
 

Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas leidet unter erheblichen Einschränkungen bei der Produktion von Sportschuhen in Vietnam. Die Produktionsstätten in dem asiatischen Land seien von der Regierung aus Sorge vor der Ausbreitung der Coronapandemie geschlossen worden, sagte Vorstandschef Kaspar Rorsted am Donnerstag in Herzogenaurach. Die Schließung treffe nicht nur Adidas, sondern die gesamte Branche.

Zusammen mit anderen Einschränkungen, Lieferengpässen und politischen Problemen in aller Welt bezifferte Finanzvorstand Harm Ohlmeyer die erwarteten Umsatzausfälle für Adidas auf rund 500 Millionen Euro.

Trotzdem hat Adidas seine Prognose für das Gesamtjahr 2021 erhöht. Der Umsatz soll währungsbereinigt um bis zu 20 Prozent steigen, wie das Unternehmen am Donnerstag in Herzogenaurach mitteilte. Bisher hatte Adidas einen Anstieg "im hohen Zehner-Prozentbereich" in Aussicht gestellt. Auch der Gewinn im fortgeführten Geschäft soll etwas höher ausfallen als geplant: Hier geht das Unternehmen von 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro aus, nach zuvor erwarteten 1,25 bis 1,45 Milliarden Euro.

Gewinn und Umsatz steigen stark

Im zweiten Quartal erzielte der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller nach Nike ein starkes Wachstum im Vergleich zum pandemiebedingt schwachen Vorjahr. So nahm der Umsatz um etwas mehr als 50 Prozent auf rund 5,1 Milliarden Euro zu. Alle Regionen konnten dabei zulegen - mit Ausnahme von China. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft betrug im zweiten Quartal bei Adidas 387 Millionen Euro, nach einem Verlust von 243 Millionen Euro im Vorjahr. Analysten hatten mit weniger gerechnet.

Der wichtige Markt China verzeichnete im zweiten Quartal einen währungsbereinigten Rückgang von 16 Prozent. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Adidas wie auch andere westliche Hersteller auf die Verwendung chinesischer Baumwolle aus der Region Xinjiang verzichtet, aus der es Berichte über Menschenrechtsverletzungen gegen die Minderheit der Uiguren gibt. Daraufhin hatte China einen Teil der Produkte boykottiert. China bleibe aber für Adidas ein extrem wichtiger Markt, sagte Rorsted. Das Land gilt als der am schnellsten wachsende Markt für Sportartikel weltweit.

Reebok-Verkauf bis Sommer abgeschlossen

Anhalten werde auch nach Abklingen der Coronapandemie der Megatrend zur Freizeitkleidung. Davon profitiere die Sportartikelbranche, sagte Rorsted. Einen Verlust von Marktanteilen sieht Rorsted für Adidas nicht. Dass der Lokalrivale Puma im zweiten Quartal schneller gewachsen sei, sei möglicherweise auf eine Reihe von Sondereinflüssen in turbulenter Zeit zurückzuführen.

Der Verkauf der Marke Reebok soll bis Ende des Sommers abgeschlossen werden, sagte Ohlmeyer. Es gebe reges Interesse an der US-Marke, die Adidas vor 15 Jahren übernommen hatte. Der damalige Adidas-Chef und heutige Bayern-München-Präsident Herbert Hainer hatte damals 3,1 Milliarden Euro bezahlt. Der Kaufpreis dürfte jetzt deutlich darunter liegen.

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Landbomeranze
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Aber leid muss einem

Adidas jetzt nicht tun. Das passt schon so! Hoffentlich erwischt es auch noch andere Fahnenflüchtige.

crawler
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Leid tun

brauchen die aber trotzdem niemandem. Der Zwang der Jüngeren zu Markenartikeln lässt auch noch höhere Preise zu und gleicht somit die Verluste wieder aus.

HeWa66
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Bei

den Preisen dachte man sowieso, die werden bei uns erzeugt.
Jahrelang wurde der Kunde abgezockt, jetzt bekommen diese Firmen ihre Rechnung präsentiert.
Billigst produzieren und überteuert verkaufen.
Die Produkte sind nichts mehr wert und kosten zu viel.
Würde mir ein umdenken wünschen, leider nicht machbar.

stern000
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👍

Das Mitleid hält sich in Grenzen: das Unternehmen war sehr überheblich: eine neue Sohle für teure Ledergolfschuhe: unmöglich und nicht einmal ein Ansprechpartner in Europa!!!

JohannAmbros
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SOFORT

Produktion zurück nach Europa EU !!

Saufnix
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In 50 Jahren

Sind wir in Europa wieder Billiglohnland. Dann sind die Fahnenflüchtigen wieder da.. Nurmehr lässtdasdann sprichwörtlich kalt

Saufnix
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Edit

Nur mich lässt das dann....

Lepus52
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In Europa hätte die Firma

Kurzarbeit und Fördergelder bekommen!

Jondrick
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Adidas?

Das wird vor allem den Vietnamesischen Arbeitern zum Verhängnis! Wen kümmert’s ob die Schließung schlecht für Adidas ist...

Peterkarl Moscher
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Wahrheit tut weh !

Adidas super rein Deutsche Ware , einfach zum Kotzen !

Peterkarl Moscher
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Wahrheit tut weh !

Adidas super rein Deutsche Ware , einfach zum Kotzen !

hausverstand58
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Zeit wird's, dass wir die Produktionen nach Europa verlegen

Wir hatten die beste Textil-, Leder-, Mode-, Schuhfabrikation in Europa und die großen Konzerne sind nach China gewandert. Jetzt hat jeder ein Lieferproblem und keine Chance zur bestellten Ware zu kommen. Ich hoffe auf ein Umdenken vieler Unternehmen in Europa, damit die Produktion auch wieder in Europa stattfinden kann.

hausverstand58
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Finde ich super

Vielleicht geht es noch mehreren Unternehmen so und dann wird die Produktion wieder nach Europa verlagert, was nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch gesündere Produkte garantiert. Hoffentlich ist das der Anfang vom Ende der China-Korea, etc Produktion.

Hildegard11
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Ich fürchte, ....

....dass teure Marken genau das tun: billig produzieren und 1000 % draufschlagen. So gesehen schlimmer als kik und Co.

heku49
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1% der in Österreich verkauften Schuhe werden auch in Österreich gefertigt!

.......und so verschwindet möglicherweise wieder ein Berufszweig.....
...sehr, sehr schade..??.

dieRealität2020
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Und?

Dann werden Menschen eben etwas mehr Geld für Schuhwerk egal welcher Art auch immer zahlen müssen und nicht mehr alle Jahre Schuhe wechseln, sondern etwas pflegen damit sie 2-3 Jahren halten. Kann das ein Problem sein?
.
Man stelle sich vor Smartphones werden wesentlich teurer und nicht mehr jährlich zum Auswechseln leistbar. Und nur alle 2-3 Jahre ausgewechselt. Kann das ein Problem sein?
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Man sollte es nicht glauben. Dazu bleibt die Möglichkeit auch Teile seines Einkommens anzusparen. Und ist trotzdem in der Lage glücklich bis an Ende seiner Tage zu leben. Kann das ein Problem sein?
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Ich denke nicht. Da es ja schon heute Menschen tun.