Halbe-Halbe bei der TeilzeitVorstoß von AK und ÖGB: Zustimmung von SPÖ und Grüne, Ablehnung von FPÖ und Neos

Ein neues Familienarbeitszeit-Modell der Gewerkschaft und der Arbeiterkammer möchte Familienzeit für beide Elternteile attraktiver machen. Bei einer Arbeitszeit zwischen 28 und 32 Stunden pro Elternteil soll es einen Bonus von 250 Euro im Monat geben. Die Reaktionen darauf fallen gemischt aus.

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Beide Elternteile sollen beim neuen Modell Arbeitszeit reduzieren und bekommen dafür eine Pauschale
Beide Elternteile sollen beim neuen Modell Arbeitszeit reduzieren und bekommen dafür eine Pauschale © imago images/photothek (Janine Schmitz/photothek.de via www.imago-images.de)
 

Frau in Teilzeit und Mann in Vollzeit - das ist das klassische Familienarbeitszeit-Modell in Österreich - mit den bekannten Nachteilen für Frauen wie weniger Gehalt und später weniger Pension. ÖGB und Arbeiterkammer wollen das mit einem neuen Arbeitszeitmodell ändern. Ein Bonus vom Staat soll den Anreiz dafür geben, die Arbeitszeit beider Eltern im gleichen Ausmaß zu reduzieren. So könnte einer Familie sogar mehr bleiben als bisher, rechnet die Gewerkschaft vor. 

Eltern leisten im Durchschnitt nach der Geburt eines Kindes 60 Stunden pro Woche Erwerbsarbeit, die Frau meist 20 Stunden in Teilzeit, der Mann Vollzeit. Das liegt meist daran, dass die Frauen weniger verdienen und man den Einkommensverlust besser abfedern kann, wenn die Frau Teilzeit arbeitet und nicht der Mann.

Halbe-halbe bei der Teilzeit

ÖGB und Arbeiterkammer wollen mit ihrem Modell erreichen, dass die Männer mehr Zeit für ihre Kinder haben und die Frauen finanziell nicht benachteiligt sind. Daher schlagen sie vor, dass es eine Pauschale von 250 Euro im Monat geben soll, wenn die Arbeitszeit 28 bis 32 Stunden pro Woche beträgt. Wenn sowohl der Mann als auch die Frau jeweils auf 80 Prozent Teilzeit reduzieren, dann erhöhe sich auch das verfügbare Haushaltseinkommen, erklärt ÖGB-Frauenvorsitzende Korinna Schumann heute im Ö1-Morgenjournal. Auf Dauer würde die Familie jedenfalls besser dastehen, als mit dem klassischen "Eineinhalb-Verdienermodell". 

Rechtlich orientiert man sich an den Regelungen für Elternteilzeit, Bildungsteilzeit und Altersteilzeit, diese sollen unverändert bestehen bleiben. Die neue Familienarbeitszeit soll für mindestens vier Monate bis zum vierten Geburtstag des Kindes in Anspruch genommen werden können. Finanziert werden soll sie über den Familienlastenausgleichsfond. "Es rechnet sich in Zukunft für die Familien, aber auch für die Frauen, die dadurch eine höhere Pensionsleistung zu erwarten haben", meint Korinna Schumann vom ÖGB. Bezahlte und unbezahlte Arbeit müsse besser aufgeteilt werden, die bisherigen Anreize würden zu wenig wirken.

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Von der 250 Euro-Pauschale würden Frauen mit niedrigem Einkommen tendenziell mehr profitieren, die Pauschale sei außerdem transparent und leicht zu verwalten. Zugänglich sein soll das Modell soll sowohl in der Privatwirtschaft als auch im Öffentlichen Dienst.

Ingrid Moritz von der Arbeiterkammer sieht das neue Familienarbeits-Modell ebenfalls sehr positiv. "Der Anreiz, dass beide Elternteile ungefähr 30 Stunden arbeiten, ist eine bessere Motivation für Väter. Sie bleiben im Beruf und können auch weiterhin Karriere machen. Der Bonus gilt sowohl für die Mütter als auch für die Väter, wenn sie zwischen 28 und 32 Stunden arbeiten. In Summe sind das 500 Euro für die Familien." Auch Alleinerziehende sollen sie in Anspruch nehmen können.

Zustimmung in rot-grün

Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sagte dazu bei einer Pressekonferenz, aus Arbeitsmarktsicht sei es wichtig zu schaffen, dass mehr Frauen Vollzeit arbeiten bzw. ihre Teilzeit-Arbeit auf mehr Stunden pro Woche aufstocken. "Mir ist wichtig, dass es die Möglichkeit gibt, Vollzeit zu arbeiten". Dabei gehe es um den Ausbau der Kinderbetreuung, wo Österreich mehr Betreuung für Unter-Dreijährige Kinder brauche. "Es geht darum, dass Beruf und Familie vereinbar ist."

Zustimmung kam von der SPÖ und den Grünen. "Die Corona-Krise hat die Ungleichheit noch weiter verschärft. Da müssen wir dringend gegensteuern", fordert SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner. Es brauche ein ganzes Paket für die Frauen, etwa Halbe-Halbe in der Familie und im Beruf, ein Arbeitsmarktpaket für Frauen, die Hälfte der Mittel aus der Corona-Arbeitsstiftung für Frauen, Lohntransparenz und einen raschen Ausbau der Kinderbetreuung.

Die Grünen begrüßten das Modell ausdrücklich. "Vorschläge für eine gerechtere Aufteilung bezahlter Erwerbs- und unbezahlter 'Elternarbeit' gibt es schon länger und wurden auch schon von den Grünen bei den Regierungsverhandlungen eingebracht", so Markus Koza, Arbeits- und Sozialsprecher der Grünen, in einer Aussendung. Ein solidarisches Elternteilzeitmodell sei eine weitere wichtige Säule im Kampf gegen Frauenarmut im Alter und der gerechteren Verteilung von bezahlter Erwerbs- und oft genug unbezahlter Sorgearbeit", meinte auch Frauensprecherin Meri Disoski. Keine Reaktion gab es vorerst von der ÖVP.

Bei der FPÖ lehnt man das Modell ab. Eine Arbeitszeitverkürzung sei der falsche Weg, vielmehr sollten Kindererziehungszeiten besser angerechnet werden, meinte Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch im Ö1-"Mittagsjournal". Keine Zustimmung kam auch von NEOS-Familiensprecher Michael Bernhard: "Wir brauchen kein Halbe-Halbe bei Teilzeit, sondern ein System der Gleichberechtigung. Die Teilzeitfalle, die den Menschen nicht nur jede Selbstverwirklichung nimmt, sondern auch zu Altersarmut führt, auch noch zu fördern, ist der genau falsche Weg."

 

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Danke für Ihr Verständnis.

stprei
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Ungleich

Ein sehr ungleiches Modell, das Besserverdiener erst wieder dazu bringt, den schlechter verdienenden Elternteil (meist die Frau) daheim zu lassen. Pauschalen und Gießkannen waren noch nie gut, deswegen versteht auch keiner, warum die Gewerkschaft und die AK so drauf stehen.

Es braucht zugängliche, flexible Kinderbetreuung mit seriösen Öffnungszeiten und flexible Modelle bei der Arbeitszeit. Und Verständnis beim Arbeitgeber, es gibt noch immer genug, die Väterkarenz offen ablehnen und dann kündigen oder Karriere blockieren.

redlands
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wird für die Allermeisten wahrscheinlich trotzdem nicht erreichbar sein...wie der Papamonat, welcher ja so gut angenommen wird inkl. Väterkarenz...

sehr verkürzt: DAS musste (muss) man sich einfach leisten können. Ich nahm den Papamonat nach der Geburt - erhielt hierfür vom Staat (erstmals in meinem Leben nach der Schule) ca- EUR 700,00....dann im Jahr darauf ging ich für 2 Monate in Väterkarenz (so wie sich unsere tolle Regierung das ja angeblich wünscht) - in dieser Zeit erhielt ich das Kinderbetreuungsgeld UND durfte dafür die im Vorjahr erhaltenen EUR 700,00 WIEDER ZURÜCKZAHLEN...d.h. ich erhielt einfach um diesen Betrag weniger Kinderbetreuungsgeld.....vom Verlust des anteiligen Urlaubs- u. Weihnachtsgeldes im regulären Job rede ich hier nicht - nur: der finanzielle Verlust ist exorbitant in dieser Zeit! Die Fixkosten für Eigenheit (inkl. Finanzierung etc.) laufen ja weiter. Man muss es sich halt einfach nur leisten können!!! ...so kurz war da jetzt garnicht...sorry ;-)

melahide
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Also

wenn Sie das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld gewählt haben, ist grundsätzlich der Anteil des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes inkludiert. Sie bekommen ja nicht 80 % des letzten Gehaltes, wie angegeben, sondern eine Abgeltung für Urlaubs- Weihnachtsgeld ebenso. Das mit dem Papamonat ist übrigens wirklich eine Frechheit. 1) nur die 700 Euro, 2) wird einem das dann wieder abgezogen. Gleich wie beim Mutterschutz. Geld vom Mutterschutz wird auch abgezogen ...

heku49
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Wann kommt endlich das Pensionssplitting?

....das meiner Meinung speziell für Frauen einzig faire Modell.....
.....Frauen bekommen um 40% weniger Pension als Männer...arbeiten aber meist mehr als 40 Stunden....im Halbtagsjob, in der Kinderbetreuung, im Haushalt, im Garten,.....

stprei
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hansi01
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Pensionssplitting finde ich gut

Soll aber jeder selbst entscheiden dürfen ob ja/nein. Kann man ja schon vor der Eheschließung ausmachen. Und möchte es der Besserverdiener nicht, sollte es sich der andere Partner nochmals überlegen ob man ja zur Ehe sagt.

Amadeus005
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Eigentlich ist Ehe nicht das wirkliche Thema

Sondern Kinder. Ein kinderloses Ehepaar hat selten nur einen erwerbstätigen Partner.

cockpit
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das mit Aussuchen funktioniert nicht. Die Partner gehen doch

mit einer rosaroten Brille in die Ehe; wenn der Besserverdienende sagt, wir bleiben eh zusammen das brauchen wir nicht, dann schaut der andere im Endeffekt durch die Finger. Sowas kann nur verpflichtend funktionieren!

cockpit
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das meine ich wohl auch

verpflichtendes Pensionssplittung, das einzig wahre! aber die Herren der Schöpfung wehren sich dagegen

Amadeus005
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Kann man gerne ausarbeiten

Mir fehlen da noch die Vorschläge. Wenn jemand bis zur Pension halbwegs friktionsfrei verheiratet wird, dann ist das ja nachvollziehbar. Wie ist das bei Scheidung, Wiederverheiratung , Witwe(r), gemeinsamen Kinder ohne verheiratet zu sein, …

melahide
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Empfinde ich

als zielführend und sehr gutes Modell nach der Karenz. Einerseits haben die Eltern hier mehr Zeit für den Nachwuchs, Betreuungseinrichtungen werden entlastet und man steht dem Arbeitgeber weiterhin zur Verfügung. Und der finanzielle Nachteil der Teilzeitarbeit wird ein bisschen abgefedert. Mit der ÖVP wird sich so ein Modell aber leider nicht ausgehen. Familienbonus mein ich... wer viel arbeitet, bekommt viel. Weniger arbeiten und etwas bekommen, das kommt in der neoliberalen Welt nicht vor...

Balrog206
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Naja

Nicht die Övp alleine hat das Sozial System mit Steuern auf Arbeit erfunden oder ? Da waren doch due anderen Abgaben u Steuer Weltmeister Erfinder dabei !