Kärnten, SteiermarkAufwärtstrend im Tourismus, noch kein Grund zum Jubeln

Der Sommertourismus zieht zwar österreichweit an, bleibt aber noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Kärnten und die Steiermark behaupten sich besser als andere Bundesländer. Die deutsche Debatte um Reiserückkehrer trübt aber die Stimmung.

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Die Bäder rund um den Wörthersee sind nicht ganz so gut gefüllt, wie sonst im Sommer © Elisabeth Peutz
 

Auf die Perspektive kommt es an. Im Juni hat der Tourismus in Österreich an Fahrt aufgenommen, liegt bei den Nächtigungen laut Statistik Austria 43 Prozent über 2020. Das sorgt für gute Stimmung – und für ein Aber: Zum Vorkrisenniveau von Juni 2019 fehlen noch 40 Prozent. Dass Wien im Vergleich der Bundesländer am meisten Boden gutzumachen hat (78 Prozent), verwundert nicht – der Städtetourismus hinkt weiter hinterher.

Kärnten liegt gut in diesem Vergleich, das Minus zu 2019 hält sich mit 26,6 Prozent in Grenzen. Ein wenig besser sogar die Steiermark, der nur knapp ein Fünftel fehlt zur Zeit vor Corona.

„In Summe sind wir froh, dass wir offen haben dürfen und die Saison zufriedenstellend gestartet ist“, sagt Christian Kresse, Chef der Kärnten Werbung. Der Saisonstart ist erst zwei Monate her. Zu bedenken sei, dass aber nicht alle Bereiche so gut gebucht seien wie die gehobene Hotellerie an den Kärntner Seen. „Es gibt viele, die noch leiden, etwa jene, die sich auf Seminar- und Kongresstourismus spezialisiert haben“, erklärt Kresse. Im Mai und Juni seien zudem Veranstaltungen ausgefallen, die Gäste bringen; so wurde das Ironman-Spektakel am Wörthersee in den September verschoben.

Kärnten Werbung-Chef Christian Kresse: Nicht alle Bereiche der Branche sind gut gebucht Foto © Markus Traussnig

„Im Städte- und Tagestourismus und bei den Gästen aus dem Ausland sind wir noch nicht da, wo wir vor Corona aufgehört haben, das muss man klar sagen“, bestätigt der Chef von Steiermark Tourismus, Erich Neuhold. „Wir sind gut unterwegs, aber die Pandemie ist noch nicht vorbei.“ Die Buchungslage sei für die Betriebe zufriedenstellend, „aber den Juli und August 2020 werden wir wohl nicht übertreffen können“, so Neuhold. Denn im Vorjahr urlaubten die Österreicher mangels möglicher Auslandsreisen alle im Inland, „das waren absolute Rekordmonate“. Nun gebe es bei Auslandsreisen einen Nachholeffekt.

Erich Neuhold, Steiermark Tourismus Foto © Jürgen Fuchs

Das heißt auch, dass 2021 wieder mehr Ausländer Urlaub in Österreich machen dürfen. Österreichische Gäste hatten im Juni mit 62,1 Prozent am Gesamtergebnis den Löwenanteil. Die Nächtigungen von Deutschen stiegen im Juni um 68 Prozent, womit sie einmal mehr den größten Auslandsanteil stellen, vor der Schweiz und Liechtenstein. „Besonders die für uns wichtigen deutschen Gäste zieht es nach Kärnten“, betont der Kärntner Tourismusreferent in der Landesregierung, Sebastian Schuschnig.

Rückkehrer nach Deutschland

Doch die für den Fremdenverkehr so wichtigen Nachbarn befeuern gerade wieder die Unsicherheit. Angesichts sich häufender Cluster in europäischen Urlaubsdestinationen denkt die deutsche Regierung über schärfere Regeln für Reiserückkehrer nach – einen Test; das würde auch für Heimkehrer aus Österreich gelten. „Sobald es solche Überlegungen gibt, wirkt sich das negativ aus“, sagt Hotelier Johann Spreitzhofer, Spartenchef in der steirischen Wirtschaftskammer. Von rückkehrenden Flugreisenden verlangt Deutschland den Coronatest bereits, nun ist er auch für jene, die per Bahn oder Auto ins Land kommen, in Diskussion. Die Stimmen, die sich dafür aussprechen, mehren sich.

Hotelier und Spartensprecher in der Steiermark, Johann Spreitzhofer Foto © WKO

Und wenn es so kommen sollte? „Das ist mit ein Grund, warum wir heuer das Ergebnis von 2019 nicht erreichen werden“, meint Neuhold und betont: „In der Steiermark kann man aber einen sehr sicheren Urlaub verbringen, denn die Betriebe nehmen die Maßnahmen ernst.“ Hier hakt Spreitzhofer ein: „Die 3-G-Kontrollen werden von den Gästen positiv aufgenommen.“ Blickt er auf die Buchungslage, hellt sich seine Stimmung auf. „Wir stopfen derzeit nur noch einzelne freie Löcher, bis in den September hinein sieht das sehr gut aus.“

Diesen Optimismus teilt aktuell auch Helvig Kanduth, Chefin des Hotels Sandwirth in Klagenfurt. Habe sie bis vor zwei Wochen noch große Zurückhaltung bei den Buchungen verspürt, sei sie nun „sehr zufrieden“, erzählt sie der Kleinen Zeitung. „Die Gäste kommen auch von überall aus dem Ausland. Und es wird sehr kurzfristig gebucht.“

Sandwirth
Hotelierin Helvig Kanduth: Buchungen haben deutlich angezogen © Sandwirth

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