Lockdown musste nicht gleich Stillstand bedeuten. Der Hubertushof in Zeltweg etwa nutzte die Monate für eine Demografieberatung. Dieses Angebot, das vom Arbeitsministerium und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert wird, gibt es in Österreich noch nicht lange - genau genommen seit 2017. Es soll Unternehmen helfen, mit den Folgen des demografischen Wandels umzugehen.

"Es ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit - gleich neben dem Klimawandel", sagt Arbeitsminister Martin Kocher und lässt keinen Zweifel an der Dringlichkeit: Die Rede ist von der Alterung der Gesellschaft und dessen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Zu spüren seien diese bereits in Form des Fachkräftemangels, der durch die Corona-Pandemie teilweise verschärft wurde. In den nächsten zehn Jahren geht ein Großteil der so genannten "Baby Boomer" in Pension.

"Betriebe müssen dafür sorgen, dass Personen über 45 ihre Arbeitsfähigkeit erhalten, denn sie werden die größte Gruppe am Arbeitsmarkt", sagt Alexandra Weilhartner, Programm-Managerin der Demografieberatung für Beschäftigte und Betriebe, die Unternehmen in Österreich in dieser Thematik berät. Seit 2017 haben in Österreich 1700 Betriebe von diesem Angebot Gebrauch gemacht.

Minister Martin Kocher und Programm-Leiterin Alexandra Weilhartner
© Demografieberatung

Vom Nutzen gemischter Teams

Wie zum Beispiel der Hubertushof, Hotel-Restaurant und Caterer, Anbieter von Essen auf Rädern und für Schulkantinen. Michael und Sigrid Ranzmaier führen den Tourismusbetrieb seit 1998, anfangs mit zwei, mittlerweile mit 36 Beschäftigten, jeder vierte 45 Jahre oder älter. Die Restriktionen der Pandemie nutzte das Team für Workshops der Demografieberatung, die von den jeweiligen Beratern individuell auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten werden. Im konkreten Fall wurde der Nutzen altersgemischter Teams sichtbar gemacht und die Wichtigkeit des Wissenstransfers über Generationen hervorgehoben.

"Ohne diese Beratung hätten wir die Themen nie in Angriff genommen", erklärt Sigrid Ranzmaier. Das Ziel, so Michael Ranzmaier, sei Langfristigkeit und Kontinuität in der Beschäftigung, "sodass die Leute unseres Teams bei uns in Pension gehen können." Im Tourismus ist der Fachkräftemangel bekanntlich besonders prekär.

Altersgerechte Arbeitswelt

"Die Demografieberatung ist das größte Projekt des ESF in Österreich", betont Kocher. Ältere Beschäftigte müssten länger in den Betrieben gehalten werden, so Kocher, denn es werde immer schwieriger werden, jüngere Arbeitnehmer zu bekommen. "Aus volkswirtschaftlicher Sicht spricht viel dafür, Menschen länger in Beschäftigung zu halten", unterstreicht der Ökonom. Also gehe es auch darum, "alters- und alternsgerechte Arbeitswelten" zu schaffen. Unternehmen müssten die Lebensphasen der Mitarbeiter mit einplanen und könnten so mithelfen, Arbeitslosigkeit zu verhindern, sagte der Politiker.

Die Themen für die Betriebe sind laut der Demografieberatung vor allem Fachkräftemangel, Nachfolgeplanung bei Nachbesetzungen, Wissenstransfer innerhalb des Teams und die Digitalisierung im Generationenkontext. Dahingehend gibt es österreichweit - bis aufs Burgenland - 90 Berater. Unter dem Motto "Wir schaffen Wandel. Gemeinsam", zeigt die für Betriebe kostenfreie Demografieberatung laut ihren eigenen Angaben, dass es durch die Einbeziehung der Betriebe und der Mitarbeiter aller Generationen möglich ist, individuelle und nachhaltige Lösungen zu schaffen. Die Beratung für Unternehmen ist modular aufgebaut.