Seit vorigen Samstag heben vom Flughafen Graz wieder Ferienflieger ab, die Veranstalter Springer Reisen und TUI waren in der Pole Position und steuern griechische Meeresdestinationen an. Überhaupt besteht der Nach-Corona-Sommerflugplan der steirischen Landeshauptstadt in diesem Jahr großteils aus Charterflügen, während der Linienflugbereich noch ein zartes Pflänzchen ist. "Wir beginnen gerade wieder mit dem Steigflug", verweist Flughafenchef Wolfgang Grimus auf den Umstand, dass die Luftfahrtbranche erst 2025 mit dem Erreichen des Vorkrisenniveaus rechnet.

Für die steirische Wirtschaft, die wieder Fahrt aufnimmt, ist der Zustand unbefriedigend - insbesondere für die Industrie, die Motor des Aufschwunges ist. Frankfurt, München und Wien seien laut Gernot Pagger, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Steiermark, die wichtigsten Destinationen aus Sicht der Industrie, vor allem als Drehkreuze. Verbindungen nach Stuttgart und Düsseldorf seien für Betriebe im Automobilsektor ebenfalls sehr wichtig. "Eine Blitzumfrage unter den größten steirischen Industriebetrieben hat ergeben, dass spätestens ab September der Bedarf an Flugreisen stark ansteigen wird, für einige aber auch schon früher", erklärt Pagger der Kleinen Zeitung.

Amsterdam wird wieder angeflogen

Die Ziele Wien, Frankfurt und Düsseldorf werden von Graz aus bedient, KLM bietet ab diesem Donnerstag auch den Amsterdam-Flug wieder an. Nach Frankfurt geht es seit Ende Mai vier Mal pro Woche, ab Juli sollen die Frequenzen aufgestockt werden, auch Zürich stehe dann wieder auf dem Plan. „Frankfurt war als wichtiger Umsteigeflughafen für viele Reisende vor der Pandemie die aufkommensstärkste Strecke für den Flughafen Graz“, erklärt Grimus. Nach Stuttgart geht es laut derzeitigem Flugplan frühestens wieder im August, nach München erst im Lauf des September. "Das ist wirklich bitter", kommentiert Pagger.

Abflughalle
© Juergen Fuchs

Im Business-Jet nach Stuttgart

Die Verbindung nach Stuttgart ist für drei große Unternehmen in der Autobranche - AVL, Magna und Mercedes-Benz-G GmbH - so wichtig, dass sie im März zur Selbsthilfe griffen und eine Business-Verbindung mit einem Privat-Jet aufbauten, die zwei Mal wöchentlich in die Hauptstadt von Baden-Württemberg führt, die auch Konzernsitz von Daimler ist. Seit Juni finanziert die Mercedes-Benz-G Gmbh die vom Charteranbieter Pro Sky abgewickelte Flugverbindung selbst, bestätigt Mercedes-G-Geschäftsführer Emmerich Schiller. Der Jet hat acht Sitze, Tickets können auf der Website des Flughafens gebucht werden.

Von Dauer werde diese Lösung aber nicht sein, sagt Schiller. Und findet mahnende Worte: "Es wundert mich, dass es zwischen zwei so wichtigen Automobilregionen wie Graz und Stuttgart seit eineinhalb Jahren keine Linienverbindung gibt. Das könnte für Graz mittelfristig zu einer Katastrophe werden. Eine fehlende Anbindung wird sich auf die Leistung des steirischen Automobilsektors auswirken."

Seitens der Airlines ortet Schiller aktuell viel Zurückhaltung, wenn es darum geht, Linien wieder aufzunehmen. Dass die Verbindung Graz-Stuttgart aber funktioniere, habe die Vergangenheit gezeigt. "Es ist notwendig und wichtig, dass eine stabile Verbindung aufgebaut wird."

Was kann die Politik tun?

Mercedes-G, von Magna gebaut, betreibt in unmittelbarer Nähe des Flughafens das "G-Class-Experience Center", wo G-Fahrer und Käufer ihr Fahrzeug testen können. "Auch da sind wir auf Verbindungen angewiesen." Im Juni nimmt die Teststrecke den Betrieb auf, 1400 Besucher erwartet Schiller noch in diesem Jahr.

Was kann die Landespolitik tun, um die steirische Wirtschaft international wieder besser anzubinden? Die realen Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, scheinen begrenzt. Aus dem Büro von Wirtschafts- und Tourismuslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (VP) heißt es, man sei in laufender Abstimmung mit dem Flughafenbetreiber Holding Graz, habe "größtes Interesse" an der Wiederaufnahme wichtiger Linienflüge und sei bereit zu helfen, wo es nötig sei.