Südsteirer an der SpitzeAlfred Stern: Wie der neue OMV-Boss den Umbau vorantreiben will

Neo-OMV-Chef: Der Steirer Alfred Stern genießt einen exzellenten Ruf. Wichtige Schlüsselstellen der OMV sind nun mit Ex-Borealis-Managern besetzt.

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Kam von der Borealis: Alfred Stern
Kam von der Borealis: Alfred Stern © APA/HANS KLAUS TECHT
 

Welches Kompliment von einem langjährigen Mitarbeiter könnte wertvoller sein: „Man hat bei Alfred Stern das Gefühl, man arbeitet mit ihm und nicht für ihn.“ So oder ähnlich klingen die Stimmen über den am Dienstagabend vom Aufsichtsrat gekürten Nachfolger für OMV-Chef Rainer Seele.

Der 56-jährige Kunststofftechniker Stern übernimmt ab September einen der absoluten Top-Jobs in Österreich, und das wird wohl die steilste Herausforderung seiner Karriere. Vorderhand muss der Südsteirer den Konzern mit 17 Milliarden Euro Umsatz und 25.000 Mitarbeitern wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen – allerdings in Zeiten, in denen mehr denn je Themen wie Umweltschutz und Klimawandel an den Öl- und Gaskonzern anbranden.

In Kitzeck aufgewachsen

Weggefährten attestieren dem Doktor der Montanwissenschaften diese ruhige Hand und Besonnenheit, die es für das mittelfristige Umtrimmen der OMV zu einem stark auf Petrochemie ausgerichteten Unternehmen braucht. Dieser Kurs ist alternativlos. Denn so umstritten etwa ein Shell-Urteil aus der Vorwoche in den Niederlanden sein mag: Es ist ein klares Signal, dass die Unternehmen, die das schwarze Gold noch vorrangig als Brennstoff in den Verkehr bringen, künftig direkt für Klimakosten zur Kasse gebeten werden könnten.

Stern ist überzeugt, dass der Strategiewechsel der OMV eine große Chance ist. „Es sind tolle Veränderungen, die wir antreiben können“, sagte er im Kleine-Interview im März kurz vor dem Wechsel zur OMV. Nun wird es ihm obliegen, im zweiten Halbjahr die wichtige neue Konzernstrategie mit höheren CO2-Einsparungszielen zu präsentieren. Stern, der als Sohn des Gemeindearztes in Kitzeck im Sausal im Bezirk Leibnitz groß geworden ist, wird volle Rückendeckung von Aufsichtsratschef Mark Garrett haben, der vor Stern langjähriger Borealis-Chef war.

Borealis-Präsenz sorgt für Rumoren

Seit 2008 verdiente sich Stern dort seine Meriten, etwa indem er als Vorstandsdirektor das Innovationszentrum in Linz aufbaute. Er sorgte auch für die heute weltweit anerkannte Expertise im Kunststoff-Recycling, als das noch ein Thema ohne Öffentlichkeit war. Dritter im „Borealis-Bunde“ in der OMV wird ab Juli der Niederländer Martijn van Koten als Vorstand für den Bereich Raffinerien. Die sind die wichtigste Schnittstelle, um Petrol und Chemie noch enger als bisher zu verbinden.

Zwar rumort es angesichts dieser Borealis-Präsenz in der OMV, aber sie dürfte alles andere als ein blanker Zufall sein. Die neuen engen chemischen Verbindungen dürften die toxischen Zersetzungsprozesse, die sich im Konzern zuletzt auch durch Illoyalität gegenüber Seele ausgebreitet hatten, stoppen. Stern wird sicher kein „Star“ im Zampano-Stil werden. Dafür ist der Vater von zwei Teenagern viel zu geerdet. Die Borealis bot für Auftritte auch keine Bühne. Die ertragreiche, stabile Chemietochter wird jetzt voll in die OMV integriert. Allein das wird die OMV nachhaltig verändern.

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