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Lenzing steigt aus Hygiene Austria: Nach Skandal jetzt neue Eigentümer und neue Chefs

Chinesische Masken, die unter dem Etikett "made in Austria" vertrieben wurden: Nach der großen Aufregung um das Unternehmen Hygiene Austria steigt nun Faserhersteller Lenzing aus.

Die Hygiene Austria bleibt als Unternehmen bestehen
Die Hygiene Austria bleibt als Unternehmen bestehen © APA/ROBERT JAEGER
 

Der börsennotierte Faserhersteller Lenzing ist aus dem Joint Venture mit Palmers zur Maskenproduktion, der Hygiene Austria, ausgestiegen. Per Ende März wurden alle Lenzing-Anteile an Palmers übertragen, wie Lenzing am Freitag mitteilte. Lenzing hatte 50,1 Prozent, Palmers 49,9 Prozent an der Hygiene Austria gehalten. Bei der Umsetzung des Masken-Projekts habe es "Fehler" gegeben, räumte Lenzing mit Blick auf den Skandal um chinesische Masken mit "Made in Austria"-Werbung ein.

"Starke Werte und ein international anerkanntes Prozess- und Governance-System charakterisieren Lenzing. Bei der Hygiene Austria wurden in der Umsetzung aber Fehler gemacht", heißt es in der Lenzing-Aussendung. Der Vorstand werde in Absprache mit dem Aufsichtsrat für die Zukunft entsprechende Lehren ziehen. So werde künftig auch für Kleinprojekte ein vollumfängliches Beteiligungsmanagement aufgesetzt.

Die Hauptversammlung von Lenzing findet am 14. April statt. Lenzing-Vorstand Stephan Sielaff, der vom Aufsichtsrat Anfang März mit der Aufarbeitung der Vorkommnisse betraut worden war, blickt auf "intensive Wochen" zurück: Man habe gemeinsam mit Palmers die zentralen Mängel festgemacht und die Weichen für eine "professionelle Geschäftsführung, hervorragende Qualitätssicherung und gute Arbeitsbedingungen" hiermit gestellt.

"Begleitet von einem entsprechenden Pflichtenheft für eine solide Geschäftsfortführung haben sich die beiden Gesellschafter auf die Übertragung der Lenzing-Anteile an Palmers geeinigt. Um den gründungskonformen Fortbestand zu gewährleisten, verzichtet Lenzing zunächst auf einen entsprechenden Kaufpreis. Das soll Palmers wiederum ermöglichen, die Gesellschaft mit weiteren Finanzmitteln auszustatten", heißt es in der Lenzing-Aussendung. Wenn sich die Gesellschaft gut entwickle, könne Lenzing auch im Nachhinein noch profitieren, hieß es vom Lenzing-Sprecher zur APA.

Der Neuanfang des Maskenproduzenten soll mit einer neuen Geschäftsführung gelingen: Mit Claudia Witzemann und Michael Schleiss wurden zum - heutigen - 2. April zwei externe Führungskräfte als Geschäftsführer der Hygiene Austria neu bestellt. Der bisherige Geschäftsführer Tino Wieser scheidet aus.

Neue Leiharbeitsfirmen gesucht

Die neue Geschäftsführung bei der Hygiene Austria wurde auch von deren Seite bestätigt. Die Verträge für die Personaldienstleistungen werden unverzüglich neu ausgeschrieben. Weitere Infos folgen nächste Woche von der neu bestellten Geschäftsführung, hieß es am Freitag auf APA-Anfrage.

Weitere Ergebnisse der Aufarbeitung laut Lenzing: Die sowohl in Österreich produzierten als auch die aus China bezogenen FFP2-Masken seien nochmals geprüft und technisch in jeder Hinsicht als einwandfrei beurteilt worden. Die CE-Kennzeichnung sei gesichert: In einem erneuten Audit des ungarischen Institutes Gépteszt am 25. März wurde die Qualität der Produktion und des Baumusters den Angaben zufolge nochmals bestätigt. Und die Personaldienstleistungen werden neu ausgeschrieben: Die neue Geschäftsführung werde auf Arbeitskräfteüberlassungsfirmen mit höchsten Qualitätsansprüchen zurückgreifen, wird in der Lenzing-Aussendung versichert.

Ein Skandal mit politischer Note

Der Maskenproduzent mit Sitz in Wiener Neudorf war im Zuge der Coronakrise vor knapp einem Jahr gegründet worden. Die beiden Gründungsunternehmen Lenzing und Palmers teilten damals mit, sie hätten "mehrere Millionen Euro" investiert und wollten mit der Schutzmaskenproduktion die heimische Versorgung sichern und den Standort stärken. Die Hygiene Austria geriet aber seit Anfang März 2021 infolge einer Hausdurchsuchung im Zuge von Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) massiv unter Druck. Ermittelt wird wegen des Verdachts der organisierten Schwarzarbeit sowie schweren gewerbsmäßigen Betrugs. Die Firma räumte daraufhin ein, FFP2-Masken zwar als "Made in Austria" beworben, einen Teil davon aber in China zugekauft zu haben. Außerdem wurden die Arbeitsbedingungen der großteils über Leiharbeitsfirmen beschäftigten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kritisiert.

Der Skandal erhielt auch eine politische Dimension: Das Verwandtschaftsverhältnis der Büroleiterin des Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) - sie ist mit Palmers-Vorstand Luca Wieser verheiratet und mit dem bisherigen Hygiene-Geschäftsführer Tino Wieser verschwägert - hat die Oppositionskritik befeuert.

Neben der WKStA wird sich auch das Handelsgericht noch mit der Causa beschäftigen: Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) geht im Auftrag des Sozialministeriums mit einer Klage gegen die nach Ansicht der Verbraucherschützer irreführende Bewerbung von FFP2-Masken der Hygiene Austria als "Made in Austria" vor. Das Handelsgericht Wien soll klären, ob zugekaufte Masken aus China als "Made in Austria" vertrieben werden dürfen.

Kommentare (18)
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Patriot
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So kann man sich auch abputzen!

Typisch Unternehmer*in!

Alfa166
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Und ich setze nur KN95 Masken made in PRC auf...

... Die sind angenehmer zu tragen und deutlich größer geschnitten, bei den FFP2 Masken aus europäischer Produktion bekomme ich zumeist Probleme beim atmen, so klein geschnitten sind die.

himmel17
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Palmers demaskiert

Finger weg von Palmers! Produzieren nur mehr Laufmaschen!

Pelikan22
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Nimmst halt an BH ...

mit größere Körbchen!

mtttt
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Made in Austria

Hatte soeben eine Maske der Hygiene Austria in Gebrauch. Keine EN Norm angedrückt, der Atemwiderstand ist etwas geringer als bei den anderen. Schlimmer der Umstand, dass ein unangenehmer Geruch da ist. Werden wohl irgendwelche Rückstände ausdampfen. Da hatte ich deutlich bessere. Bei dem sonstigen Theater um Made in Austria, ist schlicht Betrug und gehört bestraft.

scionescio
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"Deren "exzellente Qualität", so die Lenzing AG, stehe mittlerweile außer Frage."

Da ja angeblich 85% der Masken aus China importiert waren, bedeutet das in erster Linie, dass die China Masken exzellent sind - warum sollte dann ein rationaler Konsument nicht seine Masken für einen Bruchteil der Kosten bei Aliexpress direkt in China bestellen, bevor er für die gleichen Masken ein Vielfaches bei Hygiene Austria bezahlt?

Edlwer
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Das kann ich dir sagen, weil...

die Planung der Masken und der Fertigung in Österreich gemacht wurde und durch qualifzizierte Leute geprüft wurde, dann können die Chinesen oder andere Billigfertiger ein ordentliches Produkt machen.
Bei Produkten aus China und deren Organisation wirst du nur billigkopien aus minderwertigem Material und schlechter Verarbeitung bekommen mit entsprechenden Ausschuss bekommen.

In Billiglohnländern wird eben billig und minderwertig produziert, Hochwertig wird es erst durch entsprechende Fertigungs- und Qualitätkontrolle!

scionescio
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@Eldwer: das mag in grauer Vorzeit einmal gegolten haben ...

.... aber mittlerweile kommt das Halbzeug und das Rohmaterial auch aus Asien und die Qualität der verwendeten Maschinen ist hauptsächlich maßgeblich für die erzeugte Qualität - mit der Qualitätskontrolle kannst du nur Mängel feststellen und mangelhafte Produkte aussortieren, aber niemals bessere Qualität erreichen.

Ob jetzt in Wr.Neustadt ein Mitarbeiter die Masken in die Schachtel legt oder ein Chinese in Shenzen (die machen es vermutlich automatisch) hat auf die Qualität keinen Einfluss - sehr wohl aber auf die Herstellkosten.

Auch hochpreisige Apple-Produkte werden mit höchster Qualität in China gefertigt - dort laufen sündteure MacBooks neben teuren Lenovos und billigen No-Name Laptops am selben Band - die Qualität hängt nur von den verwendeten Komponenten und dem Geld, das man für eine bessere Fertigungsqualität auszugeben bereit ist, ab.

Neben der billigeren Arbeitskraft kommt der bessere Preis in erster Linie durch den Skaleneffekt der Massenproduktion zustande.

mtttt
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Umetikettieren ist Betrug

und gehört bestraft. Aber Sie als Universalwissenschafter werden uns sicher über die Unterschiede zwischen der FFP2 Norm und der in China geltenden ROHS Bestimmung für Atemschutzmasken aufklären, auf damit man sich ein Bild machen kann. Gerne sehen wir der fundierten Stellungnahme entgegen. Im übrigen ist China eine erfolgreiche Exportnation und hält ihre ROHS Norm penibel ein.
Als geübter Sozialist sollten sie nicht auf Aliexpress hinweisen, da entgeht uns meist die Mehrwertsteuer durch Falschdeklaration.

scionescio
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@mtt: "da entgeht uns meist die Mehrwertsteuer durch Falschdeklaration."

Wenn jemand den Unterschied zwischen Mehrwertsteuer und Einfuhrumsatzsteuer nicht kennt, macht es augenscheinlich auch keinen Sinn, ihm zu erklären, dass eine Norm wie FFP2 (oder KN95) und ROHS (Restriction of (the use of certain) Hazardous Substances in electrical and electronic Equipment“ – Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten) gänzlich unterschiedliche Dinge sind - aber für türkise Trolle geht es ja selten um Fakten, sondern nur um plumpe Meinungsmache garniert mit persönlichen Angriffen, weil in der Sache sinnvolle Argumente fehlen.

Ich kann aber gut nachvollziehen, dass in den Augen eines völlig ahnungslosen Kampfposters jeder mit einigermaßen Verstand und Ausbildung ausgestattete Durchschnittsbürger gleich wie ein Universalwissenschaftler erscheint.

dieRealität2020
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Gott was sie in diesen Foren immer für einen Nonsens schwätzen.

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Etwas im Internet den Medien oder in Bücher zu lesen hat nichts mit Wissen, sondern nur mit Information zu tun?
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>>>>> Die Einfuhrumsatzsteuer ist vergleichbar mit der Mehrwertsteuer. <<<<< Die Einfuhrumsatzsteuer hat den Zweck, damit verhindert wird das die Waren direkt in den Verkauf kommen. Sollten die Waren später in den Einzelhandel gebracht werden, dann kann der Unternehmer diese Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuerabzug mit der später im Einzelhandel ausgewiesene Mehrwertstuer gegenverrechnen. Wenn sie verstanden haben?
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Als 83-jähriger Selbstständiger der mit 2 konträren Unternehmen 50 Jahre in Europa und Übersee und u.a. auch einen Teil seiner Geschäftszeit als Devisenausländer (mit Devisenauslandskonten) unterwegs war kann ich nur über ihr zeitweise unzusammenhängendes Geschwätz nur den Kopf schütteln.
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Merken Sie auf das sie lernen. Sollten die Waren an ein weiteres Land weitergeleitet werden, dann brauchen sie keine Einfuhrumsatzsteuer zahlen, wenn es im Transitbereich verbleibt und von dort weitergeleitet wird. Die Steuerpflicht trifft dann das Empfängerland. Wenn der Unternehmer die Waren weiter fakturiert an einen Kunden im anderen Land (der muss dann in seinem Land die Einfuhrumsatzsteuer errichten), dann wird auch keine Mehrwertsteuer ausgewiesen.

scionescio
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@türkiseScheinwelt: „ Als 83-jähriger Selbstständiger....“

Alter ist keine Schande und ich kenne viele in ihrem Alter, wo im Oberstübchen noch immer alles rund läuft - aber sie hätten nicht auf ihr Alter hinweisen müssen... das erkennt man auch am zusammenhanglosen Geschwurbel und ihrer kritiklosen Verehrung des Gesalbten;-)

„Merken sie auf, dass sie lernen (diese Formulierung kenne ich nur aus ewiggestrigen Mündern...): Wenn Mehrwertsteuer und Einfuhrumsatzsteuer ident wären, würde es steuerrechtlich wohl nicht zwei Begriffe dafür geben - so einfach ist das! Punkt.

Trieblhe
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Weil nicht

jeder so schlau wie Sie ist.

Pelikan22
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Und was steht auf der Schachtel, die jetzt an die Schulen verschickt wurden?

"Made in China" für die Nasentests an Volksschülern! Dabei die Frage: Wo wurde umgepackt? Steht auf den Tests für Schüler, in China: Made in Austria? Ihr machts euch alle lächerlich! Dann darf ich überhaupt nichts mehr kaufen! Was ist schlecht an Angeboten aus Cina? Ich warte nur mehr auf Impfstoffe aus der Volksrepublik!

dieRealität2020
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sorry, tuns bitte nicht verkomplizieren

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Über diese Abwicklungen gibts in der EU und in Österreich gesetzliche Richtlinien.
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Die Herkunftsbezeichnung "Made in Austria" wird seit 2002 nur noch in der Werbung verwendet und impliziert, dass >>>>>> überwiegend österreichische Wertschöpfung <<<<<< gegeben ist. Über die Herkunft der Rohstoffe gibt sie keine Auskunft. Die österreichische Rechtsordnung definiert zwar keine Regeln für das Anbringen doch >>>>> irreführende Angaben <<<<<< über den Ursprung von Waren sind per Gesetz generell untersagt. Made in Austria ist kein Qualitäts- oder Gütezeichen.
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Auch wenn Halbfertigungsprodukte aus dem Ausland verwendet werden (je nach Vorgabe der gesetzlichen Richtlinien) kann und darf Made in Austria darauf stehen. Hunderte bis Tausende Produkte auch eine Fülle von Lebensmitteln schwirren in der EU herum.
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Ein Käse wird in Österreich als französisches Produkt von einer deutschen Firma mit einer darauf abgebildeten französischen Flagge vertrieben. Ein Großteil spezifischer Zutaten werden aus Frankreich geliefert. Darum ist dieses Angebot hier in Österreich möglich. Funktioniert auch in die andere Richtung.

scionescio
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@türkiseScheinwelt: „ Made in Austria ist kein Qualitäts- oder Gütezeichen.“

Wer hat das denn behauptet?

„Made in Austria“ ist eine Herkunftsbezeichnung und wenn das in der Werbung behauptet wird und nicht stimmt, ist es ein Betrug.

Scheint so, als ob da jemanden die Begrifflichkeiten ein bisschen durcheinander kommen- oder aber einfach absichtlich falsch interpretiert werden - nicht untypisch für überforderte türkise Kampfposter im Auftrag des Herrn.

einmischer
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Pelikan22

Nichts ist schlecht daran. Es darf halt nur nicht Made in Austria draufstehen.
So einfach ist das.
"Hergestellt in China. Veredelt(verteuert) in Österreich".

Pelikan22
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Auf den Masken ...

die ich und meine Schwiegermutter vom Land Steiermark bekommen haben - gratis - stand nix von Austria. Da stand Made in PRC - Also CHINA! Ist das ein Teil von Österreich?