Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit für junge Menschen, die Bewerbungen für den Sommerjob auszuschicken. Doch herrscht auf dem Markt völlige Flaute. Nicht nur sind die klassischen Branchen wie die Gastronomie und der Tourismus noch bis Ostern geschlossen, sie können im Moment auch den Rest des Jahres schwer planen.

Die Situation ist ähnlich schwierig wie 2020“, erklärt Thomas Doppelreiter vom Jugendmanagement Logo, die Drehscheibe für Ferien- und Nebenjobs sowie Praktika ist. Aktuell tauchen im Onlineformular von Logo exakt zwei Ferialjob-Angebote auf. Die Gollinghütte in Schladming sucht über den Sommer eine Hilfskraft. Und die Universität Graz bietet wie schon 2020 40 Stellen für Jugendliche ab 15 Jahren in verschiedenen Bereichen an. Bereits jetzt liegen 270 Bewerbungen vor, erklärt die Uni, bis zum Ende der Frist am 1. März rechnet man mit 350 – das wären 30 Prozent mehr als 2020. Bewerben können sich Schülerinnen und Schüler auch an einem der Institute der TU Graz.

Was Ferienarbeit bringt

Im Vorjahr wurden im Mai und Juni noch viele Jobs ausgeschrieben, möglicherweise ist das auch heuer so“, sagt Doppelreiter. Unterm Strich gab es 2020 dennoch 30 Prozent weniger Stellen für Schüler, Schülerinnen und Studierende – 1345. Bundesweit dürfte die Bilanz sogar noch schlechter ausgefallen sein. Etwa strich die Post zwei Drittel ihrer Sommerjobs.

Ferienarbeit ist nicht nur wegen des Geldes wichtig, betont der AMS-Chef Karl-Heinz Snobe: „Viele Jugendliche sammeln nebenbei erste, wertvolle Erfahrungen im Berufsleben. Ich hoffe sehr, dass die steirischen Betriebe ihr Angebot heuer wieder ausdehnen können.“

Umgekehrt weiß Klaus Friedl, Obmann der Gastronomie in der Wirtschaftskammer, wie wichtig Ferienaushilfen für die Betriebe sind. Sie gelten als potenzielle, künftige Fachkräfte. Im Sommer bietet sich den Arbeitgebern die Chance, sich in die Auslage zu stellen. Die heurige Lage sieht Friedl jedoch kritisch. „Bis Ostern sind Mitarbeiter der Gastronomie fünf Monate arbeitslos oder in Kurzarbeit. Dürfen wir wieder aufsperren, werden sie arbeiten wollen“, sagt Friedl. Es werde Ferienjobs geben, „aber deutlich weniger als in normalen Jahren. In vielen Betrieben ist die finanzielle Situation zudem sehr angespannt.“

Fördert das Land Pflichtpraktika?

Kaum besser sieht das Angebot von Pflichtpraktika für berufsbildende Schulen aus. Im Vorjahr durften sie entfallen. Und heuer? Um die wenigen Stellen herrscht ein G’riss. Das Rogner Bad Blumau etwa, das jedes Jahr Praktika für zukünftige Touristiker ausschreibt, hat für 2021 bereits 15 Stellen fix vergeben. In normalen Jahren sind es 25.

„Wir wissen, dass viele Praktikantinnen heuer vergebens auf eine Stelle warten“, sagt Direktorin Melanie Franke. Mit Förderungen des Landes könnte die Situation abgemildert werden, regt die Touristikerin an – Gespräche würden laufen. „Es ist so wichtig, dass wir jungen Menschen die Möglichkeit operativer Erfahrung gewähren.“

„Wenn man junge Menschen fördert, kommt viel zurück“, verweist Leopold Strobl, Leiter des Wirtschaftsservice in der WK, auf einen Nutzen. „Man kann Jugendliche fragen, was sie im Betrieb besser machen würden, da ihr Blick unbefangen ist“, nennt er ein Beispiel und betont ebenfalls, dass sich aus Ferialarbeit nicht selten längerfristige Bindungen ergeben. Für die nahe Zukunft hat aber auch Strobl keine Glaskugel.

Nicht aufgeben

Was aber können junge Menschen in dieser Situation tun? Es sei wichtig, immer wieder in die einschlägigen Suchmaschinen zu schauen, rät Doppelreiter. Also jene von Logo, auch beim AMS kann man online im „eJob-Room“ suchen. Wer zugleich ins Ausland will, könnte bei „Eures“, dem europäischen Job-Netzwerk der EU-Kommission (ec.europe.eu/eures), fündig werden. Wenn auch das Angebot jetzt noch dürftig sei, werde mit Last-Minute-Angeboten zu rechnen sein. Einhellig geben die Experten aber den Tipp, sich im eigenen Umfeld umzuhören. „Viele Ferienjobs werden halböffentlich vergeben“, weiß Doppelreiter.

Wer dann einen Job ergattert hat, soll wissen, dass für Ferialarbeiter die gleichen arbeitsrechtlichen Regeln gelten wie für alle Beschäftigten. Die Arbeiterkammer hat dies in zehn Tipps zusammengefasst: arbeiterkammer.at/ferialjob