Jahresbilanz 2020Sensorhersteller ams AG muss Osram-Kauf erst verdauen

Der Kauf von Osram AG mitten in einer Pandemie belastet die Bilanz der ams AG gleich doppelt. Bereinigt bleibt unterm Strich dennoch ein Gewinn.

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Die Zentrale der ams AG in Premstätten
Die Zentrale der ams AG in Premstätten © ams AG
 

Blickt man auf das vierte Quartal des Sensorherstellers ams AG müsste jeder Aktionär in Feierlaune kommen. 562,5 Millionen Euro hat das Unternehmen in dem Zeitraum umgesetzt. Unterm Strich blieben rund 149 Millionen Euro über, eine Rendite von mehr als 25 Prozent. Das liegt allerdings an der Hauptkundschaft des Unternehmens: Von 3-D-Sensor über Bildschirmsteuerung und Annährungssensoren. Produkte der ams AG stecken in praktisch jedem Smartphone. Und die verkaufen sich traditionell am besten vor Weihnachten.

Natürlich liefert das Unternehmen auch Sensoren für Industrie, Automobile und Medizintechnologie. Doch bisher spielten diese Bereiche im Vergleich zu den Smartphones eine kleinere Rolle. Und das bringt das Unternehmen auch in eine gefährliche Abhängigkeit von wenigen großen Herstellern. Das war einer der Gründe, warum die ams AG die ehemalige Siemens-Tochter Osram gekauft hat und damit im Vorjahr die größte Firmenübernahme gestemmt hat, die es bisher in Österreich gegeben hat.

Beherrschung noch nicht gültig

Erstmals hat das Unternehmen nun daher ein Gruppenergebnis präsentiert. Und hier zeigt sich, nicht nur Corona belastet das Ergebnis. Auch die Fusion ist noch nicht ganz verdaut. Denn obwohl es in der Aktionärsversammlung eine Mehrheit für einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag von Osram gab, ist dieser noch nicht rechtsgültig. Einige Altaktionäre wehren sich gegen die Integration. Mit dem Vertrag soll ams dann auf die Finanzmittel von Osram zugreifen können.

ams-Geschäftsführer Alexander Everke rechnet aber damit, dass der BGAV "in absehbarer Zukunft" wirksam werde und ins Handelsregister eingetragen werden könne. Ziel sei jedenfalls eine noch weitere Integration der beiden Unternehmen. "Es soll eine Firma sein mit einer Vision", so Everke.

Wenig Gewinn

Und so werden die Bilanzen der beiden Firmen bisher weiter getrennt betrachtet. Das Sensorgeschäft der ams AG brachte im Vorjahr einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro. Osram kam auf rund 1,6 Miliarden Euro. Unterm Strich blieben von den 3,5 Milliarden Euro Umsatz aber nur 233 Millionen Euro Gewinn. Acht Millionen davon dabei Osram bei. Allerdings sind diese Zahlen von Sonderkosten bereinigt. Unbereinigt gibt es einen Verlust von rund 84 Millionen Euro. 

Solange der Beherrschungsvertrag nicht aktiv ist, sitzt die ams AG auch weiterhin auf einem gewaltigen Schuldenberg von rund 3,25 Milliarden Euro. Dennoch betrachtet der von Osram zur ams gewechselte Finanzvorstand Ingo Bank die Finanzierungsstruktur von ams als  ausgewogen.

Autos, Industrie und Medizin

Immerhin: Ein Plan ist aufgegangen. Mit der Integration von Osram ist das Unternehmen nicht mehr so abhängig von der Konsumenten-Sparte. Die Sparten Automotive und Industrie/Medizin haben mehr Gewicht bekommen. Vor allem bei der Medizintechnik erwartet man einen Wachstumsschub. Schließlich hat das Unternehmen einen sensorgestützten Schnelltest für Covid19-Antikörper entwickelt, der direkt beim Hausarzt gemacht werden kann. Etwas Vergleichbares ist auch für Antigen-Tests in Arbeit.

Im Automobil-Sektor setzt das Unternehmen einerseits auf Technologie für autonomes Fahren und andererseits auf Fahrerüberwachung wie ein Müdigkeitsensor. Vor allem in diesem Bereich liegt die Hoffnung auf Osram. Das Unternehmen ist traditionell bei den deutschen Autobauern stark verankert. Tatsächlich sind die Produkte aus diesem Bereich stark gefragt, wie aus der Osram-Bilanz hervorgeht. Der Geschäftsbereich Opto Semiconductors hat im vierten Quartal einen Rekord erzielt.

Osram indes hat am Dienstag angekündigt, das Geschäft mit Vorschaltgeräten und Elektronik, ein Teil der Sparte Digital (DI), zu verkaufen. Osram-Chef Olaf Berlien erwartet, dass der Verkauf bis zum Sommer abgeschlossen sein könnte. ams hat an der Digitalsparte kein strategisches Interesse.

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