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Aus Angst vor Rückgängen Facebook erklärt Apple zum großen Rivalen

Apple hat fast 30 Milliarden Dollar Quartalsgewinn verzeichnet. Aber auch Facebook wächst ungebremst und sieht Apple als Rivalen. Dabei geht es vor allem um den Plan des iPhone-Konzerns, Nutzern mehr Kontrolle über ihre Privatsphäre zu geben.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg kritisiert Facebook schon seit Monaten © AFP
 

Facebook ist in der Corona-Pandemie bisher ungebremst gewachsen. Doch das weltgrößte Online-Netzwerk stellt sich auf Gegenwind aus zwei Richtungen ein: von Apple und aus der EU. Der iPhone-Konzern bereitet Facebook schon seit Monaten Sorgen mit seinem Plan, Nutzern mehr Kontrolle über ihre Privatsphäre zu geben. Gerade erst hat Apple einen Quartalsgewinn von 30 Milliarden Dollar bekanntgegeben.

Jetzt attackierte Facebook-Chef Mark Zuckerberg Apple so scharf wie nie zuvor. In der Europäischen Union sieht Facebook die rechtliche Lage rund um den Transfer von Daten in die USA als Unsicherheitsfaktor.

Apple will Nutzern in den kommenden Monaten neue Möglichkeiten geben, die Datensammlung auf iPhones einzuschränken. Sie werden leichter verhindern können, dass Apps und Werbedienste Informationen über ihr Verhalten über die Grenzen einzelner Anwendungen und Websites hinweg sammeln. Apples Plan ist, dass jede App die Nutzer für den Zugriff um Erlaubnis fragen muss. Facebook befürchtet, dass die Personalisierung der Werbung durch das geringere Wissen über die Menschen ungenauer wird. Dabei ist das Versprechen an die Werbekunden, präzise die gewünschte Zielgruppe zu treffen, ein Eckpfeiler von Facebooks Geschäftsmodell.

Zuckerberg kritisiert Apple-Pläne seit Monaten

Zuckerberg und Facebook hatten schon in den vergangenen Monaten kritisiert, schlechtere personalisierte Werbung würde vor allem kleinen und mittleren Unternehmen schaden. Dabei seien sie gerade in der Corona-Krise auf das Online-Netzwerk als Plattform für ihre Geschäfte angewiesen. Facebook sammele Daten aus verschiedenen Quellen, "um kleinen Unternehmen zu helfen, ihre Kunden effizienter zu erreichen", sagte Zuckerberg. Damit könne Apples Vorgehen die gesamte Wirtschaft bremsen, lautet der Vorwurf.

"Nur Wettbewerbsinteressen"

Doch der Facebook-Chef legte bei seiner Kritik noch eine Schippe drauf. "Apple mag behaupten, dass sie es tun, um den Leuten zu helfen - aber ihre Schritte folgen klar ihren Wettbewerbsinteressen", sagte Zuckerberg in einer Telefonkonferenz mit Analysten nach Vorlage aktueller Quartalszahlen. "Ich möchte betonen, dass wir Apple verstärkt als einen unserer größten Konkurrenten sehen."

Speziell schoss sich Zuckerberg auf Apples Chatdienst iMessage ein, der mit Facebooks Angeboten WhatsApp und Messenger konkurriert. Der Apple-Service sei auf allen iPhones vorinstalliert und werde dort bevorzugt, kritisierte er. Zudem griff er Apples Haltung beim Datenschutz an. Chat-Inhalte bei WhatsApp seien dank Komplett-Verschlüsselung grundsätzlich nur für die Beteiligten im Klartext verfügbar, betonte der Facebook-Chef. Apple aber speichere standardmäßig iMessage-Backups ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf seinen Servern, wenn man den iCloud-Dienst nicht ausschalte. "Apple und Regierungen haben die Möglichkeit, sich Zugang zu Nachrichten der meisten Leute zu verschaffen", sagte Zuckerberg.

WhatsApp kämpft mit Abgang von Nutzern

WhatsApp hatte jüngst mit einem Abgang von Nutzern zu kämpfen, nachdem neue Datenschutz-Regeln veröffentlicht worden waren. Sie befürchteten, dass mehr Daten mit Facebook geteilt werden sollen. Facebook betonte, dass die Änderungen nur für die Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden auf WhatsApp gelten sollen. Zuckerberg versuchte jetzt erneut, "Verwirrung auszuräumen": "Dieses Update verändert nicht den Datenschutz bei Chats mit Freunden und Familie", sagte er. "Alle diese Nachrichten haben Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, was bedeutet, dass wir nicht sehen oder hören können, was gesagt wird. Und wir werden es auch nie tun."

Im vergangenen Quartal war noch kein Gegenwind im Facebook-Geschäft zu spüren. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um ein Drittel auf knapp 28,1 Milliarden Dollar. Beim Gewinn gab es einen Sprung von 53 Prozent auf gut 11,2 Milliarden Dollar, wie Facebook nach US-Börsenschluss am Mittwoch mitteilte.

Nutzerzahlen bei Facebook legen zu

Auch die Nutzerzahl legte weiter zu. Mindestens einmal im Monat kamen 2,8 Milliarden Nutzer zu Facebook - 60 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Täglich waren es 1,84 Milliarden nach 1,82 Milliarden im Schlussquartal des Vorjahres. Insgesamt griffen 3,3 Milliarden Nutzer monatlich auf mindestens eine App des Facebook-Konzerns wie auch Instagram und WhatsApp zu. Auffällig war zugleich, dass in den USA und Kanada die Zahl täglich aktiver Nutzer im zweiten Vierteljahr in Folge zurückging. Nach 198 Millionen im zweiten Quartal 2020 waren es zuletzt 195 Millionen. Dabei ist die Region mit durchschnittlich über 53 Dollar Umsatz pro Nutzer besonders lukrativ für Facebook. In Europa waren es zuletzt im Schnitt knapp 17 Dollar pro Nutzer.

 

Kommentare (5)
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Arthurd63
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Bei Facebook sind die Kunden das Produkt

Nicht darüber aufregen, sondern selbst aktiv werden: Denn wer jetzt nicht vom Datensammler weg-wechselt (zB von Whatsapp auf Signal), ist selber schuld!

sonniboy
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In der Gedankenwelt von diesem Zuckerberg

darf es wohl keine Menschen geben, die ohne die Segnungen von Facebook und desssen "zielgerichteter, personalisierter" Werbung leben können! Die Stasi war ein Gesangsverein dagegen. George Orwell dürfte sich einen grinsen!

scionescio
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Facebook ist mittlerweile demokratiegefährdend und gehört zerschlagen ...

... und seit der Zwangsumstellung bei Whatsapp ist der Herr Zuckerberg auch nur ein kleiner Lügner, weil er genau das beim Kauf versprochen hat, niemals zu tun!

Hapi67
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Der arme Herr Zuckerberg

beklagt also ganz uneigennützig die Wettbewerbsinteressen der bösen Konkurrenz.
Wenn man die Umsätze/Gewinne dieser Konzerne a la Apple, Facebook, Google anschaut und den BIP ganzer Staaten gegenüberstellt wird einem schwindlig.
Da machen Konzerne wie Apple mit wenigen Artikeln 25% des BIP von einem ganzen Staat wie Österreich-was diese Marktmacht für einen Einfluss und Macht heute und in Zukunft über Staaten ausüben, kann auf Dauer nicht gesund sein.
Steuerabgaben machen heute aufgrund dieser Marktmacht nur mehr knapp die Hälfte bis zu einem Drittel regulär besteuerter Unternehmen aus. EU-Kommission und die wenigen profitierenden Staaten(Irland, Holland) können/wollen sich seit Jahren nicht zu einer gerechten Besteuerung einigen.
Lieber wenig als nichts und das zu Lasten der brav steuerzahlenden Unternehmen.
Ergebnis: Wettbewerbsverzerrung und weitere Stärkung der Starken-auf jeden Fall keine schöne Entwicklung und ein Zeichen dafür, dass gerade in der EU noch viel Arbeit auf die handelnden Akteure wartet.

ingvier1977
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8
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Apple

Apple hat schon recht das Sie dem Nutzer diese Möglichkeiten geben.
Facebook will einfach Nur noch mehr Kontrolle über seine Nutzer sammeln, was auch ich nicht einsehe, Apple das passt schon!