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Wir vermitteln 1100 LehrstellenKarrierewege: Von der Lehrwerkstatt ins Chefbüro

Vom Elektrikerlehrling zum Technikvorstand, vom Druckerlehrling zum Managing Director – Karrierewege in der steirischen Industrie.

Heinz Moitzi und Peter Szabó
Heinz Moitzi und Peter Szabó © AT&S; AR Packaging
 

Von der Lehrwerkstatt ins Vorstandsbüro – ja, auch dieser Karriereweg ist möglich, wie die Biografie von Heinz Moitzi (64) eindrucksvoll zeigt. 1975 hat der gebürtige Zeltweger bei den Stadtwerken Judenburg seine Lehre als Elektroinstallateur abgeschlossen. Dass er fünf Jahre später auch noch die HTL-Matura draufsetzte, hat er auch seinem damaligen Mathematiklehrer in der Berufsschule zu verdanken, wie sich Moitzi erinnert. Dieser habe ihn damals nachhaltig beeindruckt, „er hat uns mit mathematischen Modellen vorgerechnet, wie sich eine Brücke durchbiegt, wenn auch nur eine Mücke auf ihr landet“, so der heutige Technik-Vorstand des Hightech-Konzerns AT&S. „Zuerst habe ich mir gedacht, Schwachsinn, eine Brücke und eine Mücke, was soll das?“ Doch durch die Art, wie dieser Lehrer, ein Ingenieur, mathematische Lösungen aufgezeigt habe, „ist in mir der Entschluss gereift, dass ich das auch können möchte“. Daher habe er sich nach der Lehre ganz bewusst für die HTL für Elektrotechnik entschieden, „gerade in den ersten beiden Jahren musste ich kämpfen und aufholen“, erinnert sich Moitzi.

Doch die Lehre habe sich als gutes Fundament erwiesen – auf theoretischer, auf praktischer, aber auch auf sozialer Ebene. Noch heute streicht der Spitzenmanager hervor: „Diese Grundlagen helfen dir auch als Führungspersönlichkeit.“ Die unmittelbaren Reaktionen, die er als Elektrikerlehrling auf Baustellen von Kunden erhalten habe, der konsequente Blick auf Qualität, auf den Umgang mit Ressourcen, die Kollegialität, die durch das gemeinsame Arbeiten an einem Ziel entstehe – „all das sind entscheidende Learnings, die in der Lehrzeit prägend für mich waren“, so Moitzi.

Heinz Moitzi
Heinz Moitzi Foto © (c) KANIZAJ Marija-M. | 2018

Auch der Werdegang von Peter Szabó (51), Managing Director des Verpackungsspezialisten AR Packaging Graz, fällt unter die Kategorie „Karriere mit Lehre“. Er schloss 1988 eine Druckerlehre ab, es folgten die HTL-Matura, eine Controller-Ausbildung und jahrelange berufliche Praxis im Ausland. Auch er bezeichnet seine Lehrzeit bis heute „als wichtig und prägend für mich“. Worauf kommt es in der persönlichen beruflichen Entwicklung an? „Es ist ganz wesentlich, jene Aufgaben, die man hat, mit voller Hingabe zu erfüllen, wer immer nur auf die nächste Sprosse auf der Karriereleiter schielt, dem fehlt schnell der Fokus“, so Szabó.

„Als Führungskraft kann man keine Fassade vor sich hertragen, man muss authentisch sein, sonst wird man auf Dauer nicht erfolgreich sein.“ Ihm selbst habe seine Lehre als Drucker dabei geholfen, „auch wenn ich heute an der Maschine wahrscheinlich verloren wäre, weil sich durch Technologiesprünge und Digitalisierung so viel weiterentwickelt hat, aber es hilft dabei, die Prozesse zu verstehen“.

Peter Szabó
Peter Szabó Foto © (c) Albert M. DandlFuenfinger-Ring

Lernwilligkeit und Offenheit seien aus seiner Sicht die maßgeblichen Faktoren und Szabó streicht hervor: „Die fachliche Kompetenz ist nur dann wertvoll, wenn menschliche und soziale Kompetenz entsprechend mitentwickelt werden.“ Dafür bietet AR Packaging Graz flankierend u. a. zusätzliche Ausbildungen an, die von Team-Building über Suchtprävention bis hin zu Englischkursen reichen. Die Bandbreite der Berufsbilder im Unternehmen sei breit und spannend, „ein Drucker bewegt sich heute nicht mehr mit schmutzigen Händen durch die Druckwerke, er bedient Hochleistungsmaschinen mit zwei Quadratmeter großen Touchscreens“, so Szabó. „Eine gut ausgebildete Fachkraft gehen zu lassen, das überlegt man sich dreimal, wir bilden grundsätzlich auch aus, um die Fachkräfte dann auch zu behalten.“

Foto © AR Packaging

„Neugierde und Offenheit“ bezeichnen sowohl Szabó als auch Moitzi als zeitlose und entscheidende Grundtugenden. Lehrlinge bei AT&S haben „mit hochkomplexem Equipment im Wert von Millionen zu tun, mit Maschinen aus der ganzen Welt, das macht es auch so spannend“. Ist ein Karriereweg wie seiner auch heute noch denkbar? „Warum nicht? Man sieht ja, dass es geht, es ist aber wie im Sport, wer Erfolg haben will, muss dafür brennen und Ausdauer haben. Auf gut steirisch gesagt: Von nix kommt nix.“ Das Rüstzeug, das mit einer Industrielehre einhergehe, sei profund, eine gute Basis, „aber es gilt stets am Ball zu bleiben“. Auch AT&S unterstütze die Fachkräfte von morgen mit einer Vielzahl zusätzlicher Weiterbildungsmöglichkeiten. Moitzi verweist auch auf die vielen Zukunftsthemen, u. a. Künstliche Intelligenz, Robotik, autonomes Fahren, „alles, was da kommt, geht ohne diese Schlüsselarbeitskräfte – und damit ohne Lehre – nicht“.

Foto © (c) KANIZAJ Marija-M. | 2018

Kommentare (1)
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altbayer
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Lehrwerkstatt

Liebes KLZ Team, wisst ihr, was eine Lehrwerkstatt ist?
Bitte Lehrwerkstatt nicht mit einer normalen Lehre im Betrieb verwechseln.
In eine Lehrwerkstatt kommen Lehrlinge, die die normale Ausbildung in einem Betrieb nicht schaffen. Eine Lehrwerkstatt ist eine staatliche Institution, wo wir aus jungen Menschen die Hilfsarbeiter von morgen anlernen. Die Lehrzeit kann in der Lehrwerkstatt absolviert werden, aber ob die jungen Menschen den Weg zur LAP und zum Facharbeiter schaffen, ist sehr unwahrscheinlich.